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1914
Bei Kriegsausbruch erfaßt die nationalistische Begeisterung die Bevölkerung der Rheinprovinzen wie überall sonst auch. Alle waren überzeugt, dass das Deutsche Reich den Krieg zu Recht führe und den Sieg erringen werde. Hier wie anderswo meldeten sich viele Männer freiwillig zum Kriegsdienst. Von den Kriegshandlungen direkt war das Rheinland und auch Westfalen nicht betroffen, die Region war aber Aufmarschgebiet für die deutschen Truppen; von hier aus fielen sie nach Belgien und Nordfrankreich ein. Die Bedeutung der Rheinprovinzen Preußens lag auch während des Krieges in seiner Eigenschaft als Industriegebiet. Die Produktion wurde auf Kriegswirtschaft umgestellt, Zwangswirtschaft und Lebensmittelrationierungen wurden schnell Alltag. Besondere Auswirkungen zeigen sich schnell im Bergbau: ohne die Importe aus England und Frankreich war die Wirtschaft ganz auf die geförderten Mengen aus eigener Produktion angewiesen. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Kohle und Kokereierzeugnissen. Da fast ein Drittel der Zechenbelegschaften zum Militärdienst eingezogen worden waren, griffen die Zechenbesitzer auf französische Kriegsgefangene zurück, die zumeist gelernte Bergarbeiter waren und für ihre Arbeit unter Tage bezahlt wurden. Außerdem wurden ab 1916 wegen akuten Arbeitskräftemangels Frauen im Bergbau und in der Industrie eingesetzt: Schwerarbeit und 12-Stunden Schichten waren die Regel und obwohl die Frauen eine zumindest vergleichbare Leistung erbrachten, verdienten sie nur die Hälfte vom Lohn der männlichen Arbeiter.
Im sogenannten Hungerwinter 1916/17 wurde die
Versorgungslage im Ruhrgebiet durch die anhaltend schlechte wirtschaftlicher
Lage katastrophal. Wie keine andere Region hatte es seine Nahrungsmittelversorgung
durch Importe aus Rußland, Polen und Übersee gedeckt, die nun während
des Krieges fehlten. Die Bevölkerung litt Hunger. Die Situation, in der
aus Viehfutter und Abfällen etwas Eßbares gezaubert werden mußte, wird
aus den Rezepten für "Spinat" aus Brennesseln und "Kartoffelplätzchen"
aus Schalen deutlich. Angesichts der allgemein schlechten Lage hatten
die Behörden und Betriebe kaum die Möglichkeit wirksam zu helfen. Es wurden
Volksküchen, in denen Suppe an notleidende Familien ausgeteilt wurde,
und Wärmehallen eingerichtet, außerdem waren die Wälder und Parks zur
Abholzung freigegeben.
Quelle: |
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