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1890
Um 1890 wurden Tannenbäume zu den Weihnachtsfeiern üblich im Revier. Der Brauch kam mit den protestantischen Einwanderern aus Schlesien und Süddeutschland ins Ruhrgebiet. Aus den katholischen Orten wurde berichtet, daß es Evangelische waren, die im 19. Jahrhundert als erste einen Weihnachtsbaum aufstellten. Auch Kaufleute und Wirte haben zur Verbreitung des Brauches beigetragen, da der Baum von ihnen oft als Werbemittel eingesetzt wurde. So waren es hauptsächlich drei Personengruppen, die den Weihnachtsbaum in ihren Orten bekannt machten: von auswärts Zugezogene wie Beamte, Angestellte, Facharbeiter, ortsansässige Honoratioren wie Kaufleute, Großbauern und Adelige sowie Wirte. Zunächst wurde ein Tannenbaum in der Schule und in der Kirche aufgestellt, noch längst nicht alle konnten sich einen Weihnachtsbaum leisten. Tannenbäume waren auch seltener als heute. Im Waldbestand der Mittelgebirge herrschte der Laub- und Niederwald vor. Erst zur Jahrhundertwende stellten sich die Bauern auf schnellwachsende Fichten um. Da Tannenbäume teuer waren, behalf man sich mit dem Aufstellen von winterlichem Grün wie Ilex, Buchsbaum oder Kiefer- und Mistelzweige. Der Weihnachtsbaum war also zunächst den begüterteren Schichten vorbehalten. Dies entspricht dem großen Aufwand, der getrieben werden musste, um den Baum zu schmücken. Viel Zeit, Arbeit und Geld musste investiert werden. Die Rezeption des Weihnachtsbaumes spiegelt den Rückzug in die Familie wieder: Weihnachten wurde zu einem Fest, das als intime Familienfeier begangen wurde. Dieses Modell der Weihnachtsfeier wurde vom Bürgertum entwickelt und schnell allgemeinverbindlich. Mit dem Aufkommen des Baumes wurde die Bescherung für die Kinder auf den Heiligen Abend verlegt, der sich zur großen Feier der Familie entwickelte. Das christliche Fest hatte seinen Höhepunkt im Weihnachtsmorgen und zuvor war der Heilige Abend ein ganz normaler Arbeitstag und wurde nur als Fastentag und Vorbereitung auf das Fest begangen. Die Bescherung für die Kinder hatte schon am Nikolausabend stattgefunden, wobei die Paten die Geschenke überreichten, nicht die Eltern. Der Weihnachtsbaum, das Hauptsymbol des gegenwärtigen Weihnachtsfestes, ist also eng mit der modernen weihnachtlichen Familienfeier verbunden und erst mit ihr entstanden. Quelle:
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