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1918
Januarstreik

 
Wie hier streikten die Arbeiter überall im Rheinland und Ruhrgebiet.

Die zunehmende Unzufriedenheit der Arbeiter äußerte sich ab 1917 in einem Anwachsen der Streikbewegung. Der Januarstreik 1918 nahm die größten Dimensionen an. Allein in Berlin streikten rund 500.000 Menschen.

Die beiden größten Parteien der Provinz, das Zentrum und die Sozialdemokratische Partei hatten zwar im Reichstag die Kriegskredite mitbewilligt, standen jedoch zumindest in Teilen dem Krieg kritisch gegenüber. Das Zentrum unterstützte bis zum Ende des Krieges die Politik der Reichsregierung, ihre eigentlichen Ziele lagen aber in der Reformierung des ungerechten preußischen Dreiklassenwahlrechts. Der linke Parteiflügel, dem die rheinischen Zentrumspolitiker angehörten, pochte zudem auf eine Parlamentarisierung und Demokratisierung Preußens. Hierin waren sie mit der SPD einig. Innerhalb der SPD gab es radikalere Antikriegsströmungen, die vor allem in der Ortsgruppe Niederrhein auszumachen waren. Antikriegsdemonstrationen fanden z.B. 1914 in Duisburg und Düsseldorf statt. Ebenfalls in Düsseldorf wurde schon 1915 "Die Internationale", die Zeitung Rosa Luxemburgs herausgegeben und in Duisburger Parteipublikationen wurde seit 1916 die Abtrennung von der SPD gefordert. Am 16. April 1917 trennte sich dann tatsächlich die USPD (Unabhängige-SPD) von der MSPD (Mehrheits-SPD) und am Niederrhein schlossen sich ganze Ortsvereine - z.B. Düsseldorf, Barmen, Solingen geschlossen oder mehrheitlich z.B. Duisburg, Essen und Neuss-Grevenbroich - der USPD an.

Nach einem Aufruf des Spartakusbundes zum Massenstreik für den Frieden streikten Rüstungsarbeiter in Berlin und überall im Reich. Am 30. Januar 1918 traten auf 31 Zechen im Ruhrgebiet auch die Bergarbeiter in Streik und stellten erstmals seit Ausbruch des 1. Weltkriegs politische Forderungen: sie forderten die Aufhebung des Belagerugszustandes und die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Preußen. Die Regierung reagierte mit der Verhaftung von über 500 Arbeitern und deren Einziehung zum Kriegsdienst mit 48-stündiger Frist. Im August des Jahres streikten 60.000 Bergarbeiter für den Frieden.

Auch die Angestellten, die ihre Lebenshaltung auf das Arbeiterniveau reduziert und ihr Selbstwertgefühl untergraben sahen, wurden innerhalb kurzer Zeit von staatstragenden Bürgern zu staatsverneinden. Aus Staatsverdrossenheit und Kritik an der Verwaltung, die den Mangel an Lebensmitteln nicht gerecht verteilen konnte, erwuchs eine Koalition des Protestes in breiten Bevölkerungsschichten. Die Revolution, die das Kaiserreich beendete und die Weimarer Republik brachte, stand vor der Tür.

Quelle:
Faust, Manfred: Sozialer Burgfrieden im Ersten Weltkrieg : sozialistische und christliche Arbeiterbewegung in Köln, (Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens ; 32) Essen 1992.

 

     
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