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23. Oktober 1898
Fußball: Gründung des Rheinischen Spielverbandes

 
Aus dieser Spielabteilung wurde später der Fußballclub Rot-Weiß-Essen.

Nirgendwo in Deutschland ist Fußball wohl so sehr Ausdruck des Lebensgefühls und Teil der Alltagskultur der Menschen wie im Ruhrgebiet. Dabei geht die Geschichte des Fußballs in der Region Hand in Hand mit der industriellen Entwicklung, die das Ruhrgebiet zum größten Industriezentrum Europas gemacht hat.

Das Fußballspiel kam wie andere Mannschaftssportarten aus England nach Deutschland. Durch Kontakte mit britischen Kaufleuten, Händlern und Industriearbeitern, die im industriellen Zentrum Preußens arbeiteten aber auch durch Reisen von Industriellen und Lehrern, die in das Mutterland der industriellen Revolution und des Sports reisten, wurde das Fußballspiel bald auch im Ruhrgebiet beliebt. Es bildeten sich schnell eigene Mannschaften und Clubs. Die ersten bürgerlichen Fußballvereine entstanden schon in den achziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Als diese die Sozialisten aus ihren Reihen ausschlossen gab es bald als Reaktion reine Arbeitersportvereine.

Wie auch der gesamte Sport, hatten die immer zahlreicher werdenden Fußballclubs keinen Dachverband. Ein Schritt in diese Richtung bedeutete die Gründung des Rheinischen Spielverbandes, der Fußballklubs und Spielabteilungen in Turnvereinen vereinigte. Die Gründungsversammlung fand am 23. Oktober 1898 unter der Beteilung von Vertretern des Duisburger Turnvereins 1848, des Düsseldorfer Turnvereins 1849, des Bonner Turnvereins, des Kölner Turnvereins, der Turngesellschaft Düren, des Hochfelder Turnerbundes, des Fußballklubs Mönchengladbach, des Mönchengladbach-Rhydter Fußballkllubs und des Dortmunder Fußballklubs 1895 statt. Ziel und Zweck des Zusammenschlusses war die Austragung regionaler Meisterschaften bzw. die Veranstaltung von Spiel- und Sportfesten. Außerdem wurde eine einheitliche Spielordnung erstellt, die z.B. beim Fußball das Aufnehmen des Balles mit der Hand endgültig verbot und den Elfmeter abschaffte. Um die Jahrhundertwende schlossen sich dann auch die Vereine der westfälischen Region an. Der Verband wurde deshalb am 21. November 1900 umbenannt in "Rheinisch-Westfäischer Spielverband". Nun konnten auch reine Frauenturn- und Frauenspielvereine gleichberechtigtes Mitglied werden. Der Jahresbeitrag für das Jahr 1900 betrug 20 Pfennige pro Vereinsmitglied. Der Verband war erfolgreich: 1902 hatte er schon 40 Vereine mit rund 1.000 aktiven Mitgliedern. Alle außer einem reinen Frauenverein spielten Fußball.

Ab 1902 wurden vom Deutschen Fußball-Bund Meisterschaften durchgeführt, an denen auch die Vereine aus Rheinland und Westfalen teilnahmen. Der Kölner FC 99 gewann diese erste Westdeutsche Meisterschaft der Saison 1902/03.

1905 schließlich entschloß sich der Rheinisch-Westfälische Spielverband als Landesverband für Westdeutschland in den Deutschen Fußball-Bund einzutreten. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Spielplätze, die heutigen Anlagen ähnelten. Zuvor hatte man Kuhwiesen, brachliegende Gelände, öffentliche Parkanlagen oder Schulspielplätze genutzt. "Moderne" Plätze hatten der Kölner FC 99 im Weidenpescher Park, der Duisburger SV am Grunewald und der FC Mönchengladbach am alten Wasserturm. Diese Anlagen machten Heimspiele gegen hochkarätige auswärtige Mannschaften möglich. 1906 spielte erstmals eine englische Mannschaft in der Region: die Gastgeber waren Köln, Duisburg und Mönchengladbach.

Der Fußball hatte im Westen seinen festen Platz gefunden und auch der Erste Weltkrieg 1914-1918, die Ruhrbesetzung durch die Franzosen 1923, Hyperinflation im selben Jahr und Naziherrschaft 1933-1945 konnten daran nichts mehr ändern. Auch in der Trümmerlandschaft, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg war, wurde schon 1945 wieder Fußball gespielt. Die Alliierten hatten das Land in Zonen eingeteilt, also wurde auch "zonal" gekickt. Nach der Gründung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen wurde dann auch der Fußballverband NRW am 23. Februar 1947 ins Leben gerufen und der Fußball im Westen hatte wieder einen organisatorischen Rahmen. Seit dem 12. Januar 1949 gab es den Westdeutschen Fußballverband als Rechtsnachfolger des alten Westdeutschen Spielverbandes, der an alte Traditionen und Erfolge anknüpfen konnte. Einen besonderen Triumpf bedeutete dabei Helmut Rahns entscheidender Treffer im Finale der Weltmeisterschaft in Bern 1954, der die deutschen Fußballer zu den "Helden von Bern" machte. Mit der Gründung der Bundesliga 1963 begann wieder ein neues Kapitel Fußballgeschichte, bei der der westdeutsche Fußball von Anfang an dabei war. In der ersten Bundesliga spielten der 1. FC Köln, der auch prompt den Titel holte, Borrussia Dortmund, Schalke 04, der Meidericher SV und Preußen Münster mit. In der Saison 1973/74 stellte Nordrhein-Westfalen mit 18 Mannschaften genau die Hälfte der Bundesligavereine, 1980/81 waren es gar zehn von 18.

Westdeutsche Meister 1903-1933
Endspiele um die Deutsche Meisterschaft 1903-1963: Sieger aus NRW

Live Reportage, Deutsche Meisterschaft 1939: Schalke 04 <> Admira Wien

siehe auch: Fortuna Düsseldorf wird Deutscher Fußballmeister

Quelle:
Wick, Uwe: 100 Jahre Fußball im Westen : zwischen Alm, Wedau und Tivoli ;
Das Buch zum Jubiläum des Westdeutschen Fußballverbandes, Kassel 1998.
Bringmann, Gilbert: Fußball-Almanach 1900 - 1943, Kassel 1994.

     
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