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08. Juni 1910
Flugversuche

 
Diese Postkarte zeigt die Konstruktionen von Jul Niehues und ein Porträt des Flugpioniers.

Um die Jahrhundertwende herrschte im Reich in allen Schichten ein ungebrochener Optimismus und Fortschrittsglaube. Eine technische Innovation jagte in Deutschland die nächste. Schon im späten 19. Jahrhundert wurden die ersten Flugapparate entwickelt. Und im neuen Jahrhundert stellten die Flugzeuge einen Streckenrekord nach dem anderen auf. Immer schneller, höher, weiter hieß die Parole der Zeit. Von dieser Technikbegeisterung ließen sich auch die Menschen in Rheinland und Westfalen anstecken.

Im Revier eiferten die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten den Gebrüdern Wright nach: am 08.06.1910 startete der Duisburger Flugpionier Karl Strack mit seinem selbstgebauten Eindecker zu seinem ersten Motorflug. Die erreichte Flughöhe blieb noch bei bescheidenen 3m, aber schon 2 Jahre später gelang ihm die Umkreisung des Duisburger Kaiserdenkmals in 200m Höhe. Auch auf dem Dortmunder Flugplatz Fredenbaum starteten wagemutige Flugpioniere und 1912 wurde in Gelsenkirchen-Rotthausen ein neuer Flugplatz eröffnet: die Sportfliegerei fand eine begeisterte Fangemeinde im Revier.

Auch die Segelfliegerei hatte ihre Anhänger gefunden: In Wesel konstruierte der Pionier und Tüftler Jül Niehues schon 1909 seinen eigenen Flugsegler, der in Fachkreisen große Anerkennung fand. Um besser in die Luft zu kommen entwickelte er weiterhin eine 8,50m hohe Rampe, die sich - eine bahnbrechende Neuheit - mit einem Neigungswinkel von 30 Prozent Gefälle mit der Windrichtung drehen konnte. Diese Startschanze nach Katapultprinzip wurde später auf Schlachtschiffen seiner Majestät, wie der Bremen und der Europa, angebracht. Beispiele seines Tüftlerergeizes sind heute im Deutschen Historischen Museum in München zu bewundern.

Quelle:
Nitsch, Stephan: Vom Sprung zum Flug : der Flugtechniker Otto Lilienthal, Berlin 1991

     
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