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1918 - 1933
Die Weimarer Republik: Demokratie und Untergang

 
Gustav Stresemann, Kanzler der Großen Koalition der Weimarer Republik, erläutert am 3. November 1925 den Locarnovertrag im Rundfunk.

Die Weimarer Republik begann unter negativen Vorzeichen: aus Kriegsmüdigkeit trugen die Menschen ihren Protest auf die Straße. Am Ende des Ersten Weltkriegs stand so auch das Ende des Deutschen Kaiserreiches. Doch mit der Abdankung Wilhelm II. und der Übertragung der Regierungsgeschäfte an die SPD, der stärksten Partei im Reichstag, war der Übergang von der monarchischen zur demokratischen Staatsform gewissermaßen über Nacht gekommen. Keine siegreiche Revolution hatte das bewirkt, sondern die Forderung der Kriegsgegner nach anderen Verhandlungspartnern als den kaiserlichen Generälen. Die Niederlage in diesem Krieg und ihre Konsequenzen waren eine Bürde, die die Weimarer Republik tragen mußte: die Verkündigung der Friedensbedingungen im Versailler Vertrag war ein Schock für die Nation. Sie wurden dem Unterlegenen diktiert, Verhandlungen waren ausgeschlossen. Eben die Militärs, die bis zum Schluß falsche Siegeshoffnungen genährt hatten, setzten nun die "Dolchstoßlegende" in die Welt: die Armee sei "unbesiegt im Feld" geblieben, nur die Revolution in der Heimat habe Schuld an der Niederlage. So wurde die politische Atmosphäre der Weimarer Republik vergiftet. Politische Kräfte von links und von rechts wollten die junge Republik wieder zerschlagen. Das Wort von der Demokratie ohne Demokraten war wohl bitter wahr. Die Kommunisten fühlten sich von den Sozialdemokraten verraten und agitierten. Und die alten Eliten des Kaiserreiches, die sich die Monarchie zurückwünschten, waren in den entscheidenden Positionen in Verwaltung, Armee und Wirtschaft geblieben. Der erste Versuch einer demokratischen Staatsform auf deutschem Boden hatte keine gute Ausgangsposition.

In den Jahren bis 1923 war die Republik durch bürgerkriegsähnliche Aufstände der linken und Putschversuche der rechten immer wieder gefährdet. Die Besetzung rechtsrheinischer Gebiete durch die französische Armee 1923 löste den sogenannten Ruhrkampf aus, bei dem die Bevölkerung des Ruhrgebietes passiven Widerstand leistete. Die besetzten Gebiete wurde von der Reichsregierung bis zum totalen Zusammenbruch der Währung unterstützt. Die Versuche rheinischer Separatisten, unter dem Schutz der Besatzer das Rheinland aus dem Reichsgebiet herauszulösen, sorgten für weitere Aufregung.

Versailler Vertrag.
 

Diesen nahezu chaotischen Zuständen folgte in der Ära Stresemann eine Phase der Konsolidierung, in der es dem Kanzler gelang, die Währung zu stabilisieren und außenpolitische Erfolge zu erringen. Der Dawesplan brachte neue, für Deutschland verbesserte Bedingungen zur Reparationszahlung. Durch den Locarnovertrag sowie die Mitgliedschaft im Völkerbund wurde Deutschland wieder zum gleichberechtigten Partner der europäischen Großmächte. Dem wichtigen Durchbruch in der Außenpolitik folgte aber nicht die Veränderung der instabilen Verhältnisse im Inneren. Dennoch wurde diese Zeit, in der sich die Wirtschaft wieder etwas zu erholen begann, von der Bevölkerung als die "Goldenen Zwanziger Jahre" wahrgenommen, in der Kultur und Wissenschaft blühten.

1929 verschlechterten sich mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise die äußeren Rahmenbedingungen dramatisch: Zu einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation kamen steigende Arbeitslosenzahlen. In dieser Situation kam es zur Auflösung der demokratischen Fundamente. Ab 1930 konnte im Reichstag zwischen den Parteien keine Einigung mehr erzielt werden, deshalb ernannte Reichspräsident von Hindenburg Kanzler und Kabinett ohne Beteiligung des Parlaments. Mit dem Beginn der sogenannten Präsidialkabinette, in denen die Regierung nur noch vom Vertrauen des Staatsoberhauptes abhängig war, hatte die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik aufgehört zu existieren. Der Widerstand gegen die Machtübernahme der Nationalsozialisten war dementsprechend schwach.

Literatur:
Heinrich August Winkler: Weimar 1928-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1993

     
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