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28. Juni 1919
Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet

 
Deutsche Delegation in Versailles, 1919.

Der Versailler Vertrag, der Friedensvertrag des Ersten Weltkrieges, rief mit seinen Bestimmungen über weitläufige Gebietsabtrennungen und im besonderen durch seinen Kriegsschuldartikel in Deutschland über alle Parteien hinweg große Empörung hervor. Auf großen Druck der Alliierten hin unterzeichneten am 28.Juni dennoch die Minister Müller (SPD) und Bell (Zentrum) den Vertrag.

Die Pariser Friedenskonferenz tagte seit Anfang des Jahres 1919 unter französischem Vorsitz mit Teilnahme von Delegierten aus 32 Staaten. Vertreter der Kriegsgegner - so auch aus Deutschland - waren nicht zugelassen. Die Entscheidungsfindung konzentrierte sich auf das Gremium des "Rates der Vier", bestehend aus dem französischen Ministerpräsidenten, dem amerikanischen Präsidenten, dem britischen Premierminister und dem italienischen Regierungschef.

Am 7. Mai wurden der deutschen Friedensdelegation in Versailles die Friedensbedingungen übergeben. Eine mündliche Erwiderung war nicht erlaubt, es durfte nur eine schriftliche Stellungnahme verfasst werden. Die Bedingungen entsprachen überhaupt nicht den Erwartungen eines Friedensabschlusses im Zeichen des Ausgleichs und der Verständigung. Besonders von Präsident Wilson hatte man sich einen Frieden, beruhend auf dem Selbstbestimmungsrecht aller Völker erhofft. So rief die Bekanntgabe der Bedingungen des Versailler Vertrages in der deutschen Bevölkerung Empörung hervor.

Insgesamt verlor Deutschland ein Siebtel seines Gebietes und ein Zehntel seiner Bevölkerung. Wirtschaftlich wog besonders stark der Verlust von einem Drittel seiner Kohlenvorkommen und drei Viertel seiner Erzvorkommen. Die umfangreichen Gebietsabtretungen von etwa 70.000 qkm betrafen hauptsächlich den Osten und den Westen. Oberschlesien, Posen und der Hauptteil Westpreußens gingen an Polen, wodurch Ostpreußen vom übrigen Reich abgeschnitten wurde. Das Memelland fiel an die Entente und Danzig wurde freie Stadt. Das Recht der Bevölkerung selbst für Polen oder Deutschland zu entscheiden, wurde dabei weitgehend missachtet. Im Westen ging Elsass-Lothringen zurück an Frankreich, Eupen-Malmedy an Belgien. Das Saarland kam für 15 Jahre unter die Kontrolle des Völkerbundes, nach dieser Zeit durfte die Bevölkerung ein Votum für Frankreich oder Deutschland abgeben. Die linksrheinischen Gebiete wurden nicht, wie vielfach befürchtet worden war, von Deutschland abgetrennt und Frankreich einverleibt, sondern als dauerhaft entmilitarisierte Zone 5, 10, 15 Jahre besetzt. Außerdem gingen alle Kolonien verloren.

Auf besondere Ablehnung stießen die Bestimmungen zur Entwaffnung, die Forderung nach der Auslieferung des Kaisers und von Politikern und Militärs als Kriegsverbrecher und der Kriegsschuldartikel. Der Artikel 231 des Vertrages, in dem Deutschland die alleinige Schuld am Krieg anerkennen und die Verantwortung für alle entstandenen Schäden übernehmen sollte, wobei das Ausmaß der Reparationen noch gar nicht abzusehen war, stieß auf einhellige Missbilligung im Parlament und in der Bevölkerung.

Im Parlament setzte sich nach heftigen Diskussionen auch innerhalb der Parteien die Einsicht durch, dass Deutschland der militärischen Bedrohung durch die Alliierten nichts entgegen zusetzen habe und deshalb um eine Unterzeichnung des Friedensvertrages nicht umhin käme. Da sie dem nicht zustimmen konnte, trat die Regierung mit Ministerpräsident Scheidemann zurück. Am 23. Juni lief das Ultimatum der Alliierten ab. Einen Tag vorher stimmten im Reichstag die Abgeordneten mit 237 gegen 138 Stimmen und 6 Enthaltungen für die Unterzeichnung des Vertrages unter dem Vorbehalt, weder die alleinige Kriegsschuld Deutschlands anerkennen, noch den Auslieferungsgesuchen nachkommen zu müssen. Die Alliierten bestanden aber auf der Bedingungslosen Annahme des Friedensvertrages. Durch eine weitere Abstimmung im Parlament wurde die neue Regierung Bauer mit Gegenstimmen aus den Rechtsparteien, der DDP und Teilen des Zentrums ermächtigt, den Versailler Vertrag zu akzeptieren. Am 28. Juni setzten Außenminister Hermann Müller (SPD) und Verkehrsminister Hans Bell (Zentrum) im Spiegelsaal von Versailles ihre Unterschriften unter den Friedensvertrag.

 
Proteste in Essen, 1919.

Deutschland fühlte sich durch den diktierten Frieden gedemütigt, aber das Reich bestand fort und es war immer noch das bevölkerungsreichste Land westlich von Russland und die wirtschaftlich stärkste Macht Europas.

Rebecca Lammers

Quelle:
Gerhard Schulz: Revisionen und Friedensschlüsse 1917-1920, München 1967
Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, München 1988

     
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