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15. November 1923
Die galoppierende oder Hyper-Inflation prägt entscheidend das Bild mit, das wir heute von der Geschichte der Weimarer Republik haben und steht damit neben allgemeiner struktureller Schwäche und ungünstigen politischen Machtverhältnissen für die negativen Vorzeichen der Republik. In der Geschichte des Scheiterns der Weimarer Republik waren die wirtschaftlichen Verhältnisse sicher mit entscheidend. Dabei war den Zeitgenossen bis zum Auftreten dieses wirtschaftlichen Phänomens der Terminus überhaupt nicht vertraut: "Inflation" tauchte in keinem Lexikon, in keinem wirtschaftswissenschaftlichen Buch auf. Die Inflation begann in Deutschland mit dem Ersten Weltkrieg.
Zur Finanzierung des Krieges war die Notenpresse in Gang gesetzt und die
Golddeckung aufgehoben worden. Es gab mehr Geld aber keine adäquate Menge
an Gütern, die man dafür kaufen konnte: die Preise stiegen. Um dem entgegen
zu wirken, mußte Geld gebunden werden. Kriegsanleihen, bei denen die Bürger
dem Staat Geld liehen, und Steuern waren Möglichkeiten dazu.
1921 war die Schuld verbindlich auf 132 Milliarden Goldmark festgesetzt worden. Diese Summe sollte in jährlichen Raten von rund 2 Milliarden abgestottert werden. Gemessen am Dollar verlor die Mark immer weiter an Wert, so dass sich die Preise schließlich stündlich erhöhten und Bargeld so schnell wie möglich in Sachwerte umgesetzt werden mußte, um überhaupt einen Gegenwert zu erhalten. So kostete der Dollar zu Beginn des Krieges noch 4,20 Mark. Fünfeinhalb Jahre später hatte sich sein Wert im Verhältnis zur deutschen Währung verzehnfacht, weitere zweieinhalb Jahre später schon verhundertfacht. Ab 1923 erlebte die Mark dann einen totalen Vertrauensverlust: ihr Wert sackte ins Bodenlose bis am 20. November 1923 ein Dollar dem Wert von 4.200.000.000.000 Mark entsprach. In dieser Situation gingen einzelne Unternehmen dazu über, eigenes Geld zu drucken, um ihre Beschäftigten noch angemessen bezahlen zu können. Auch Städte und Gemeinden druckten eigenes Geld. Im September 1923 beschloß die Reichsregierung unter Stresemann dann endlich die Notenpresse stillzulegen und ihre Ausgaben rigoros einzuschränken. Die Inflation konnte aber erst mit der Einführung einer Zwischenwährung, der Rentenmark am 15.11.1923 gestoppt werden. Mit dem Münzgesetz vom 30. August 1924 wurde dann die Rentenmark von der Reichsmark abgelöst.
Rebecca Lammers Quelle: |
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