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19. Januar 1923
Passiver Widerstand im Ruhrkampf

 
In Essen 1923: Französische Armeeverbände beim
Aufmarsch am Hauptbahnhof.

Als klar wurde, daß Deutschland den im Versailler Vertrag festgelegten Reparationszahlungen nicht im vollen Umfang würde nachkommen können, besetzten Franzosen und Belgier am 9. Januar 1923 das Ruhrgebiet. Die Reichsregierung rief daraufhin am 19. Januar den passiven Widerstand gegen die Besatzer aus.

Die linksrheinischen Gebiete standen schon seit Kriegsende unter der Kontrolle der Siegermächte. Nach dem verlorenen Krieg wurde der Rhein provisorische Grenze zu Frankreich und die Gebiete um den Fluß waren militärisch besetzt. Frankreich okkupierte das südliche Rheinland, die Briten die Region zwischen Köln und Bonn und der Niederrhein zwischen Krefeld und Aachen wurde von den Amerikanern besetzt. Im März 1921 marschierten die alliierten Truppen in einer Zwangsmaßnahme in Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort ein.

"Der passive Widerstand muß beibehalten werden!"

Im Januar 1923 schließlich nahmen die Franzosen die rückläufigen Reparationszahlungen der angeschlagenen deutschen Volkswirtschaft zum Anlass, das Ruhrgebiet und den restlichen Niederrhein zu besetzen. Während dieser als unrechtmäßig empfundenen Besatzung des Ruhrgebiets hatten die Franzosen mit einem von der Reichsregierung proklamierten und von allen Bevölkerungsschichten mitgetragenen "passiven Widerstand" zu kämpfen, der mit Generalstreiks die Industrie, Verwaltung und den Verkehr teilweise lahmlegte. Sich widersetzende Verwaltungsbeamte, Industrielle und Arbeiter, insgesamt rund 150.000 Personen, wurden mit Strafen belegt oder sogar ausgewiesen. Die Regierung unterstützte die Streikenden, konnte diese Maßnahme, die die ohnehin durch die Inflation angeschlagene Währung durch Produktions- und Steuerausfälle belastete, aber nicht lange durchhalten. Am 26. September 1923 wurde der "passive Widerstand" abgebrochen.

Dafür schalteten sich nun die anderen Alliierten ein: im Herbst 1923 übten die USA und Großbritannien Druck auf Frankreich aus, ein neuer Reparationsplan, der Dawes-Plan (1924), wurde angenommen und die Besatzer verließen die rechtsrheinischen Gebiete. Als bald darauf die zerrüttete deutsche Währung mit der Einführung der Rentenmark auf eine neue Grundlage gestellt wurde, waren alle Voraussetzungen für die Stabilisierung der politischen Lage geschaffen.

 
Plakataktionen gegen die Besatzung.

Die Ruhrkrise ließ in den betroffenen Gebieten, aber auch im ganzen Deutschen Reich einen gesteigerten Franzosenhass und allgemeine Fremdenfeindlichkeit zurück. Dies zeigte sich auch im Umgang mit den "Rheinlandbastarden". Diese Kinder farbiger französischer Soldaten erwartete ein schlimmes Schicksal. Pläne zu ihrer Sterilisierung, die es schon in der Weimarer Republik gegeben hatte, wurden schließlich von den Nationalsozialisten umgesetzt.

Rebecca Lammers

Passiver Widerstand

Literatur:
Müller, Barbara: Passiver Widerstand im Ruhrkampf : eine Fallstudie zur gewaltlosen zwischenstaatlichen Konfliktaustragung und ihren Erfolgsbedingungen, Münster 1995.
Klaus Schwabe (Hg.): Die Ruhrkrise 1923. Wendepunkt der internationalen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg, Paderborn 1984.

 

     
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