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1921 Eine auch im internationalen Vergleich hohe Säuglingssterblichkeit und ein seitens der Politik dramatisierter Geburtenrückgang führten in Deutschland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert zu intensiven Diskussionen über die wirtschaftliche und militärische Zukunft des Staates. Hierbei kam der Frage nach einem "gesunden" und zahlenmäßig "starken" Nachwuchs besondere Bedeutung zu. Einer Risikogruppe der Bevölkerung, den Säuglingen, wurde eine bis dato nicht gekannte Aufmerksamkeit zuteil. Im Mittelpunkt aller Fürsorgekonzeptionen stand von Beginn an die Ernährung der Säuglinge, insbesondere die Versorgung mit Milch. Erledigen wir heute dieses Problem mit einem schnellen Griff in das Kühlregal des nächsten Supermarktes, so war Milch in und nach dem Ersten Weltkrieg ein begehrtes und kostbares Gut. In Düsseldorf eskalierten die Auseinandersetzungen um die tägliche Milchversorgung (die Stadt benötigte etwa 1913 immerhin ca. 134 000 Liter täglich) im Oktober 1921 im "Düsseldorfer Milchkrieg". In diesem "Milchkrieg" ging es um die adäquate Versorgung der Bevölkerung, insbesondere der Mütter und Säuglinge, Kleinkinder und Kranken mit hygienisch unbedenklicher Kuhmilch. Milch wurde als wichtigste Waffe im Kampf gegen die latent hohe Säuglingssterblichkeit angesehen. Per Reichsgesetz wurde es den Kommunen im April 1921 ermöglicht, die kommunalen Milchhändler an die kurze Leine staatlicher Kontrolle zu nehmen, um so zumindest den berechneten Notbedarf der Städte für die gerade genannten Gruppen zu sichern. Erreicht werden sollte dieses Ziel durch eine zentrale Verteilung der Milch und durch Preisvorgaben. Die Milchhändler fürchteten um ihre Gewinne und wehrten sich gegen die "staatlich verordnete Zwangswirtschaft", die bereits während des Krieges nicht funktioniert habe. Hieraus entwickelte sich ein vor allem propagandistisch in der Lokalpresse und auf Kundgebungen ausgetragener Streit zwischen der Stadt Düsseldorf und den Milchproduzenten und -händlern. In diesem Konflikt kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. So beantragte Heinrich Q., Milchverteiler am Bilker Bahnhof, im Herbst 1921 bei der Polizei einen Waffenschein. Aufgebrachte Milchhändler hätten ihn bereits mehrfach bedroht und tätlich angegriffen, sodass er sich verteidigen müsse. Auch die lokalen Behörden standen massiv in der Kritik. Zielscheibe der Anfeindungen wurde der städtische Beigeordnete Reuter, der als Reaktion hierauf selbst in die Offensive ging und den Einsatz von Schusswaffen für den Fall androhte, dass sich die Milchhändler den städtischen Anordnungen widersetzen würden. Die Fronten waren für einige Wochen verhärtet, was zu einer dramatischen Verschlechterung der Milchversorgung der Stadt führte. Sechs Wochen nach Ausbruch des Konfliktes wurde schließlich ein Kompromiss gefunden. Am 21. November 1921 schloss die Stadt mit den Milchhändlern einen Vertrag, in dem sich die Händler verpflichteten, eine von der Stadt festgelegte Menge an "Notmilch" zu einem gemeinsam bestimmten Preis zu liefern. Hiermit war die Versorgung der Risikogruppen gewährleistet. Die darüber hinausgehende Milchmenge konnte von den Händlern in der Stadt frei vertrieben werden, wenn die Stadt sich auch viel stärker in die Milchkontrolle einschaltete. Prozesse wegen Milchverschmutzungen durch Fäkalien oder Chemikalien wurden geringer, die "schwarzen Schafe" der Branche durch ein neues System der Registration und Verteilung langsam aus dem Wettbewerb gedrängt. Wolfgang Woelk Literatur:
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