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26. Januar 1932
Hitlers Auftritt im Düsseldorfer Industrieclub

 
Hitler (ganz links) mit führenden Industriellen in Düsseldorf.

Rasch hatte sich die Einladung Hitlers in der Stadt herumgesprochen. Bereits am Nachmittag des 26. Januar 1932 stimmten von der sozialdemokratischen und kommunistischen Presse alarmierte Parteimitglieder vor dem Düsseldorfer Parkhotel antinazistische Lieder an. Flugblätter wurden verteilt, es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Im zweireihigen dunklen Anzug betrat Hitler eilig und unauffällig kurz vor sechs Uhr den Seiteneingang des Hotels. In Anwesenheit der zunächst unverkennbar reservierten Großindustriellen wurde er vom Düsseldorfer Oberbürgermeister Lehr und Fritz Thyssen in den Industrieclub eingeführt.

Entgegen seines bislang befolgten Grundsatzes, keine Parteimitglieder zu Vorträgen einzuladen, war der vornehme Düsseldorfer Industrieclub von seiner Maxime seit einiger Zeit abgewichen. Seitdem zahlreiche Industrielle ihr Vertrauen in das vom Zentrum getragene und von der SPD gestützte Kabinett verloren hatten, war man auf der Suche nach geeigneten politischen Kräften. Die Teilnahme an der Veranstaltung war so zahlreich, daß die Clubleitung das sonst übliche Mitbringen von Gästen untersagen und in den großen Ballraum des Parkhotels ausweichen mußte.

Mit gewandten und zugleich korrekten Manieren stellte Hitler an den Anfang seiner Rede die These vom Primat der Innenpolitik und widersprach damit der Auffassung Brünings, daß Deutschlands Schicksal überwiegend von seinen außenpolitischen Beziehungen abhängig sei. Wie üblich sprach Hitler zunächst allgemein von der Not und der Krise Deutschlands und beschwor den Niedergang der europäischen Herrenvölker, der dazu führe "das endlich ein Neger in den Sitzungen des Völkerbundes präsidieren" könne.

Er signalisierte dann seine Ablehnung gegenüber jeder Form staatlicher Planwirtschaft oder Gemeinwirtschaft und hob das Leistungsprinzip als Grundlage des Privateigentums hervor - und konnte sich sicher sein, daß jeder im Raum zustimmte. Ausführlich warnte Hitler vor dem Aufstieg des Bolschewismus, der nicht nur "eine auf einigen Straßen herumtobende Rotte" sei - wohl eine Anspielung auf die vor dem Parkhotel lärmenden Kommunisten - sondern "eine Weltauffassung, die im Begriff steht, sich den ganzen asiatischen Kontinent zu unterwerfen". "Aber es ist undenkbar" fuhr Hitler fort, "ein starkes und gesundes Deutschland zu schaffen, wenn 50 Prozent seiner Angehörigen bolschewistisch und 50 Prozent national orientiert" seien. "Um die Lösung dieser Frage kommen wir wohl nicht herum!" (lebhafter Beifall).

Hitler Industrieclubrede wies zwei rhetorische Ebenen auf. Die eine war vordergründig, in gewohnter Weise mit nationalsozialistischen Floskeln und politischen und ökonomischen Gemeinplätzen gespickt - mit zahlreichen unbeweisbaren Behauptungen, Hohlheiten und Leerformeln. Die andere, nicht zu unterschätzende hingegen, war eher hintergründig und zielte darauf ab, die aufgestauten Denkgewohnheiten und Gefühle der Hörer anzusprechen.

Sorgfältig verbarg Hitler vor dem großbürgerlichen Publikum die irritierenden sektiererisch-irrationalen Strukturen seines Denkens: seinen dualistischen Glauben an den "Weltkampf" zwischen "Licht" und "Finsternis", Ariern und Juden und seiner Mystik von "Blut und Boden". Die zweieinhalbstündige Rede bot keine geeigneten Konzeptionen, mit der die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen waren. Dennoch soll der Beifall gerade bei den jungen Zuhörern mehr als freundlich gewesen seien. Jedoch wollte am Ende der Veranstaltung nur etwa ein Drittel der Teilnehmer in Fritz Thyssens Ruf "Heil, Herr Hitler!" einstimmen.

Egbert F. Schwarz

Ernst Torgeler (KPD) spricht im Reichstag
Rudolf Hilferding (SPD) spricht im Reichstag

 

Literatur:
Die Rede ist abgedruckt in: Max Domarus. Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Bd. I, 1. Halbband, München 1965, S. 68ff.

     
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