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Alle Artikel dieser Epoche

9. November 1918
Ausrufung der Weimarer Republik

 
Bewaffnete Sicherheitskräfte des
Essener Arbeiter- und Soldatenrates.

In Deutschland war die Revolution ausgebrochen. In den Hauptstädten der Deutschen Länder übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht. Die Fürsten dankten ab und verließen fluchtartig das Land. Als klar wurde, dass die deutsche Armee nicht mehr bereit war, den Kaiser zu verteidigen, wurde auch er zum Thronverzicht überredet. Wilhelm II. ging nach Holland ins Exil.

Die Regierungsgewalt wurde der Sozialdemokratischen Partei übergeben, deren Abgeordneter Philipp Scheidemann noch am selben Tag vom Fenster des Reichstags aus die demokratisch-parlamentarische Republik ausrief. Wenige Stunden später proklamierte Karl Liebknecht (USPD) vom Balkon des Berliner Schlosses aus die sozialistische Republik Deutschland. Damit war dem frisch ernannten Reichskanzler Friedrich Ebert vorgegriffen worden: er hätte die Entscheidung, ob Deutschland künftig eine Monarchie oder Republik sein sollte, lieber der Verfassungsgebenden Nationalversammlung überlassen. Doch die Politik der Sozialdemokraten musste sich an dem Willen der Massen orientieren, um die Revolution zu bändigen und sicherzustellen, dass sie nicht in einen Bürgerkrieg umschlug.

 
Scheidemann ruft vom Fenster des Reichstages die Republik aus.

Die Verhältnisse waren turbulent. Spontan gebildete Arbeiter- und Soldatenräte nahmen überall für sich in Anspruch, die legitime Volksvertretung zu sein. Es einigten sich schließlich die beiden sozialistischen Parteien SPD und USPD darauf, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Deren Ziele waren zunächst die Wiederherstellung der Freiheitsrechte, wie Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit sowie die Bekämpfung der Wohnungsnot und des Hungers.

In den deutschen Großstädten legten die Arbeiter die Arbeit nieder. Arbeiterräte übernahmen die Geschäftsleitung. In dieser chaotischen Situation wurde auch im Bergbau des Ruhrgebiets gestreikt. Gefordert wurden Arbeitszeitverkürzung, Lohnerhöhung und die Aufhebung der schwarzen Listen, auf denen die Arbeitgeber politisch unliebsame Bergarbeiter verzeichnet hatten. Bergmänner, die auf dieser Liste standen, erhielten nirgendwo Arbeit. Unter dem Eindruck der revolutionären Verhältnisse gaben die Zechenverbände schließlich nach. Doch die Streiks gingen weiter. 1919 übernahmen revolutionäre Arbeiter die Geschäftsräume der Essener Zentrale des Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats und des Zechenverbands. Eine "Neunerkommission" aus Vertretern der sozialistischen Parteien, der KPD und der Gewerkschaften sollte gemeinsam mit einem Volkskommissar die Sozialisierung der Zechen voran bringen. Die Arbeiter waren mit diesem Angebot zufrieden, die Streiks hörten auf.

Literatur:
Heinrich August Winkler: Weimar 1928-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1993.

     
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