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100.000 v. Chr. - 454 n. Chr.
Vom Neanderthaler zur Römerzeit

Vorzeit und Antike

Wer der erste Nordrhein-Westfale war und wann er die Bühne der Geschichte betreten hat, läßt sich natürlich nicht exakt nachweisen. Zeugnisse menschlicher Besiedlung des heutigen Raumes Nordrhein-Westfalens findet man aber schon für die Altsteinzeit vor mehr als 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Mit der Entdeckung des Skeletts eines als Neandertaler (in der traditionellen Schreibweise Neanderthaler) bekanntgewordenen Frühmenschen im Jahr 1856 in einer Höhle an der Düssel bei Mettmann, im heutigen Neandertal, hat man aber manifeste Zeugnisse einer dauerhaften Besiedlung für einen Zeitraum ab etwa 100.000 v.u.Z. gefunden. Neue Forschungen zeigen, daß es sich bei dem homo neanderthalensis um eine eigene Spezies gehandelt haben muß, die möglicherweise später in der Art des modernen Menschen, dem homo sapiens sapiens, aufging oder aber durch diesen verdrängt wurde. Die Anzeichen der dauerhaften Ansiedlung im heutigen Gebiet unseres Bundeslandes lassen ihn als den ersten Nordrhein-Westfalen erscheinen.

Reichhaltige Funde im Neandertal wie an anderen Orten Europas zeigen, daß der Neandertaler als Sammler und Jäger gelebt hat. Gefundene Werkzeuge und Feuerstellen beweisen eine schon beachtliche Entwicklung seiner Lebensweise. Aus Grabbeilagen lassen sich Rückschlüsse ziehen, daß schon erste Vorstellungen von Sitte und Kult vorhanden waren. Anatomische Untersuchungen lassen es als sehr wahrscheinlich ansehen, daß der erste Neandertaler auch über Sprachvermögen verfügte.

Trotz beachtlicher Gehirngröße und der angesprochenen kulturellen Leistungen war der Neandertaler spätestens um 25.000 v.u.Z. in der neuen Gattung des modernen Menschen aufgegangen oder durch sie verdrängt worden.

Die neuen Bewohner des heutigen Nordrhein-Westfalens lebten - zumindest anfangs - den Lebensweisen ähnlich, wie wir sie vom Neandertaler kennen. Grundlegende Veränderungen werden mit Beginn der Jungsteinzeit um 4500 v.u.Z. und in der Bronzezeit erkennbar. Ackerbau und Viehzucht setzen sich durch. Die Menschen werden seßhafter.

Mit Beginn der Eisenzeit ab etwa 700 v.u.Z. nimmt die Besiedlungsdichte zu. Im Siegerland z.B. entwickelt sich ein hochentwickeltes Eisengewerbe mit dem Schwerpunkt auf der Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten.

Zwischen 500 und 300 v.u.Z. werden Westfalen und der Niederrhein zu Grenzgebieten der Kelten und Germanen. Zu Beginn des 1. Jahrhunderts v.u.Z. überlagert die germanische Kultur die keltische. Später wird der Rhein zur Grenze zwischen Germanien und dem vordringenden römischen Reich während der Eroberungskriegszüge Caesars (58-51 v.u.Z.).

Die Römer im Rheinland

Die Eroberungszüge der Römer hatten zuerst nicht das Ziel einer dauerhaften Besiedlung. Man wollte die Grenzregion befrieden bzw. die militärische Stärke demonstrieren. Viele der kriegerischen Auseinandersetzungen wurden mit großer Härte geführt und mancher germanische Volksstamm ausgerottet.

Die Varusschlacht stellt einen bedeutsamen Wendepunkt während der römischen Herrschaftsgeschichte dar. Zum einen war die Niederlage gleichbedeutend mit einer erheblichen Schwächung der militärischen Macht, da etwa die Hälfte der damaligen Rheinarmee vernichtet wurde. Zum anderen wurde in der Folge der Rhein als Grenze des Reiches gesehen und entsprechend mit einem Befestigungswerk mit mindestens 13 Kastellen zwischen dem heutigen Remagen und Nijmwegen ausgebaut, dem niedergermanischen Limes.

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung entfaltete sich am Rhein eine systematische Siedlungspolitik. Das Rheinland gehört als Provinz Germania inferior zum römischen Reich. Bonn, Köln, Neuss und Xanten wurden im Zuge dieser neuen Politik gegründet. Anfangs waren die ersten Siedlungen rein militärisch begründet, wie z.B. das Lager Novaesium um 16 v.u.Z., das heutige Neuss. Bedeutenden Stadtgründungen in dieser Zeit sind: Köln, das etwa um das Jahr 50 zur Colonia Claudia Ara Aggripinensium erhoben wird, und etwa im Jahre 100 Xanten unter dem römischen Namen Colonia Ulpia Traiana. Die Römer legen zur militärischen Sicherung und zur Erschließung des Handels ein Netz von Fernstraßen an. In Bonn und Köln entstehen später sogar zwei feste Rheinbrücken. In der Nähe des Lagers Neuss erbauen die Römer in unmittelbarer Rheinnähe über die Erft eine Steinbrücke, die bis ins 16. Jahrhundert eine der bedeutendsten Verkehrsverbindungen darstellt.

Im dritten Jahrhundert macht sich auch im Rheinland die Krise des römischen Reiches bemerkbar. Kriegerische Auseinandersetzungen vor allem ab etwa dem Jahr 250 und friedliche Einwanderungen führen zu einer allmählichen Germanisierung. Vor allem fränkische Stämme spielten dabei eine bedeutende Rolle. Unter den Römischen Kaisern Diokletian (284-305) und Konstantin (306-337) wird durch Verwaltungsreformen, eine geschickte Integrationspolitik aber auch erfolgreichen Militäraktionen gegenüber den Franken dieser Prozeß vorrübergehend stabilisiert. Unter Konstantin wird die 420 m lange Rheinbrücke von Köln nach Deutz, dem Kastell Divitia, gebaut. Das Toleranzedikt von 311 und die Mailänder Konvention von 313 (veröffentlicht am 13. Juni 313) ermöglichen die Entstehung der ersten legalen christlichen Gemeinden in Germanien.

Militärische Niederlagen der Römer und innenpolitische Konflikte führen in der Mitte des 4. Jahrhunderts zu vermehrten kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franken. Um 355 werden Köln und Bonn zerstört. Die Römische Herrschaft kann vorübergehend wieder hergestellt werden, der Niedergang ist jedoch auf Dauer nicht aufzuhalten. Zwar kämpfen Römer gemeinsam mit Franken und Goten 451 die neue Bedrohung, die Hunnen, nieder, aber bereits 455 räumen die Römer Köln und fliehen vor den neuen Herrschern des Rheinlands, den Franken.

Um 459 endet die Römische Herrschaft auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens.

Internetlinks:

Alles über die Welt der Antike:
http://www.info-antike.de
http://www.cellarius.de/index.html

Das Römische Reich:
http://come.to/Imperium-Romanum

Die römische Gründung von Neuss:
http://mitglied.tripod.de/Novaesium/index.html

Quelle:
Literatur:
Engelbrecht, Jörg (1994): Landesgeschichte Nordrhein-Westfalen. Stuttgart: Ulmer
Horn, Heinz Günter (Hrsg.) (1987): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Stuttgart: Konrad Theiss.
Jansen, Wilhelm (1997): Kleine Rheinische Geschichte. Düsseldorf: Patmos.

     
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