|
Der Neandertaler Im August 1856 werden beim Abbau von Kalkstein in einer Höhle Skelettreste gefunden. Zuerst hielt man die Funde für Knochen eines großen Höhlenbären oder Überreste eines Verbrechen. Der Elberfelder Lehrer Johann Carl Fuhlrott (1803-1877) erkannte, dass es sich hier um einen besonderen Fund handelte. Seine Annahme, dass es sich um einen "vorsindflutlichen" Menschen handelte setzte weitere Forschungen in Gang, die dann die wahre Bedeutung dieses sensationellen Fund eines Urmenschen entdecken halfen. Der Fundort, die sogenannte Kleine Feldhofer Grotte lag in einem kleinen Tal in der Nähe von Düsseldorf, das seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Dichter und Rektor (1674-1679) der Düsseldorfer Lateinschule Joachim Neander benannt wurde. Durch diesen Fund gab das kleine Neanderthal (seit der Rechtschreibreform von 1904 Neandertal) dem - evolutionsgeschichtlich gesehen - Vettern des heutigen homo sapiens, seinen Namen.
Nach über 100 Jahren Forschung wissen wir, dass der Neandertaler in der Evolutionsgeschichte in der heute bekannten Form spätestens um ca. 150.000-200.000 vor unserer Zeit auftritt. Ob es sich um eine eigene Form oder eine Unterform des homo sapiens handelt, war lange umstritten. Die heutige Forschung hat aber mittlerweile überzeugend nachgewiesen, dass es sich beim Neandertaler um eine eigene Spezies, dem homo neanderthalensis handelt. Ca. 30-40.000 vor unserer Zeitrechnung ist der Neandertaler ausgestorben bzw. verdrängt worden oder im modernen Menschen, dem homo sapiens sapiens, aufgegangen. Die Verdrängung des Neandertalers war mit großer Sicherheit kein gewaltsamer Akt oder Auswirkung kriegerischer Auseinandersetzungen. Man geht zwar davon aus, das sich der Neandertaler letztendlich in einem evolutionsgeschichtlich sehr kurzem Zeitraum von ca. 50 Generationen oder 1000 Jahren ausgestorben ist, zweifelsfrei geht dieser Phase aber ein Zeitraum von bis zu 20.000 Jahren voraus, in denen z.B. in Mitteleuropa der moderne Mensch und der homo neanderthalensis nebeneinander gelebt und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kulturellen Austausch betrieben haben. Die Begegnung beider Spezies hat offensichtlich sogar zu einer Kulturblüte geführt. Die Kultur der Neandertaler während der mittleren Altsteinzeit wird Moustérien genannt. Das Gebiet des klassischen Neandertalers reicht von Ost- bis nach Westeuropa. Insgesamt wurden bisher mehr als 300 Skelette gefunden. Auch in Israel gibt es Funde von Neandertalern. Die typische Erscheinungsform des Neandertalers ist durch ein vorspringendes Gesicht, breite Augenwülste, flache Stirn und ein breites Becken gekennzeichnet. Für die Erscheinungsform des Gesichts gibt es zwei Erklärungsansätze. Es kann sich durch eine vergrößerte Nasenhöhle um eine Anpassung zur Erwärmung kalter Atemluft gehandelt haben oder um eine Kieferstellung, die einen erhöhten Kaudruck auf den vorderen Zahnbereich ermöglicht. Website Neandertalmuseum: Literatur: |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 07.03.2003 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||