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Kampagne "Umdenken Umsteigen - Neue Mobilität in NRW"

Mit der Kampagne "Umdenken, Umsteigen - Neue Mobilität in NRW" wurden autofahrende Menschen in Nordrhein-Westfalen aufgerufen, in der Zeit vom 1. Juni bis zum 30. September 1998 ihr Auto für 100 Tage, 10 Tage oder 10 Wochenenden stehen zu lassen und die autofreie Mobilität auszuprobieren. Mit dieser Zielsetzung ist die Kampagne als "soziales Experiment" mit einer bundesweit einmaligen Größenordnung an den Start gegangen. Als Unterstützung und Anreiz konnten die 100-Tage-TeilnehmerInnen das überall in NRW gültige "Kampagnenticket" zum Sonderpreis von 99 DM für den Kampagnenzeitraum erwerben. Die Verkehrsverbünde, Zweckverbände und die Deutsche Bahn hatten 1000 preisreduzierte Tickets zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gab es das Angebot, Car Sharing zu einem reduzierten Preis zu testen.

Getragen und durchgeführt wurde die Kampagne von dem 1994 gegründeten Trägerkreis "Verkehrswende für NRW", bestehend aus dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club NRW (ADFC NRW), der Verbraucher-Zentrale NRW, dem Verkehrsclub Deutschland NRW (VCD NRW), dem Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe, Pro Bahn NRW, European Car-Sharing und dem Ökofonds von Bündnis 90/ Die Grünen.

Gefördert wurde die Kampagne durch das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MWMTV NRW).

Das Wuppertal Institut führte im Auftrag des MWMTV NRW die wissenschaftliche Begleit-forschung durch. Von 712 TeilnehmerInnen liegen Ergebnisse einer zweistufigen schriftlichen Befragung (vor Kampagnenstart und zum -ende) vor. Ergänzend sind von einer Gruppe von 69 TeilnehmerInnen dreiwöchige Mobilitätstagebücher ausgewertet worden.

Das zu Beginn der Kampagne als sehr ehrgeizig angesehene Ziel, 1000 Menschen als TeilnehmerInnen zu gewinnen und damit 100.000 Tage ohne Auto in NRW zu erreichen, ist weit übertroffen worden. 1669 Personen hatten sich schriftlich zur Kampagne angemeldet, rund 1300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben schließlich teilgenommen und insgesamt rund 110.000 autofreie Tage gesammelt.

Die angestrebte flächendeckende Teilnahme von BürgerInnen ist gelungen: Vertreten waren EinwohnerInnen aus allen Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens. Teilge-nommen haben Menschen aller Altersstufen mit einem Schwerpunkt in den mittleren Alters-gruppen (30 bis unter 60 Jahre) wie auch aus allen Haushaltsformen (Alleinlebende wie Familien u.a.). Mit einem Anteil von 59 Prozent waren Männer etwas stärker beteiligt als Frauen.

Murmelmaschine
Als Symbol für die erreichten autofreien Tage wurden Murmeln von den ModeratorInnen an die Teilnehmer-Innen verteilt und später zentral gesammelt.

Nach den Befragungen war herausragendes Motiv für die Kampagnenteilnahme, einen persönlichen Beitrag zu leisten, damit autofreie Mobilität mehr Unterstützung durch die Verkehrspolitik erhält: Zwei Drittel der TeilnehmerInnen bekennen sich zu dieser Aussage. Die Kampagne macht ein großes Umsteigepotenzial in der Bevölkerung sichtbar, sowie den Wunsch, eine autounabhängige Mobilität stärker zu entwickeln. Für mehr als 90 Prozent der TeilnehmerInnen war die Kampagne ein persönlicher Gewinn: Sie sind mit ihrem eigenen Mobilitätsverhalten während der Kampagne zufrieden. Für viele war die Kampagne ein Anstoß, um ihre bereits vorab bestehenden Überlegungen in die Tat umzusetzen und ökologischere Mobilität für 100 Tage zu "testen".

 

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