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Heiligenverehrung in der Stadt Neuss

Wallfahrten und Heiligenverehrung waren im Mittelalter besonders beliebt, vor allem wenn die gesellschaftliche Situation durch Krankheiten und Kriege beeinträchtigt war. In besseren Zeiten ebbten diese Pilerströme dann wieder ab. Die traditionellen Pfarrwallfahrten und Familienwallfahrten nahmen numerisch wie auch quantitativ ab bis zu einem absoluten Tiefpunkt in den sechziger Jahren. Um diesen alten Brauchtum wieder aufleben zu lassen, wurde z.B. im Jahre 1970 die Cornelius-Gesellschaft Neuss-Selikum e.V. gegründet.

Die Wallfahrt ist ein religiös motivierter Besuch von heiligen Stätten; sie ist in allen Religionen verbreitet aus der Überzeugung, die Gottheit sei an bestimmten Orten mehr zugänglich. Bei der Wahlfahrten brechen Menschen aus ihrer alltäglichen Umgebung auf, um Neues zu erfahren. Dabei nehmen sie auch grosse Strapazen auf sich. Bei der Reliquienübertragung im 7. bis 9. Jahrhundert in Gebiete nördlich der Alpen dürften wahrscheinlich auch die Gebeine der Heiligen aus Neuss überführt worden sein. Zeitlich etwas später 1164 wurden auch die Gebeine der Heiligen Drei Könige von dem Kölner Erzbischof und Reichskanzler Rainald Dassel (1159-1167 Erzbischof) nach Köln überführt. Ihnen zu Ehren baute man wenig später den Kölner Dom.

Die Tradition der Verehrung der "Vier Marschälle" wird in Neuss bis heute fortgesetzt. In der Stadt Neuss sind ihnen zu Ehren inzwischen vier Kirchen geweiht. Alljährlich findet eine Quirinusprozession statt, die Corneliusoktav wird Anfang September abgehalten und viele Schützenvereine und Bruderschaften sind nach Antonius, Cornelius, Sebastianus und Quirinus benannt.

Die Grundsteinlegung zum Quirinusmünster erfolgte im Jahre 1209. Bis in die beginnende Neuzeit pilgerten Menschen aus ganz Europa zu den Gebeinen des Heiligen Quirinus. Als eines der grossen Pilgerzielen des späten Mittelalters verdankte die Stadt ihrem Stifts- und Stadtpatron Ruhm und Wohlstand.
In den Jahren 1780-20 entstand in der Neusser Innenstadt die Sebastianuskirche.
Bis zur Säkularisation diente sie einem Konvent des dritten Ordens der Fransiskaner als Klosterkirche. Danach wurde sie Hilfskirche von St. Quirin und entging so der Zerstörung.
Im Jahre 1957/58 wurde die St. Antoniuskirche in Kaarst-Vorst als Hallenkirche mit freistehendem Turm errichtet. Eine Antonius Kapelle geht auf eine Einsiedelei im Büttger Wald zurück. Sie wurde 1401 erstmals urkundlich erwähnt.
Die Kirche St. Cornelius wurde 1979/80 in Neuss Erftal errichtet. Im Innenraum befindet sich ein Heiligenhäuschen aus Basaltlava, darin ist eine Reliquie des Heiligen Cornelius.


Natascha Papen

Quelle:
Stadtdekanatsrat Neuss, Manns, 1982,79; Emsbach, 1992, 154ff.

 
     
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