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  Die Millowitsch Theater-Dynastie

Die Geschichte der Theaterdynastie Millowitsch beginnt bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1792 betrat Michael Millowitsch als Lohkuchenhändler und Puppenspieler die Kölner Bühne. Sein Sohn Franz Andreas (1793-1875) übernahm von seinem Vater die Tradition des Puppenspiels, indem er mit seinem kleinen ambulanten Theater an der Deutzer Schiffsbrücke jenen Passanten die Zeit vertrieb, die dort solange warten mußten, wie die Brücke wegen eines vorbeifahrenden Schiffes geschlossen war. Seine Konzession galt bis 1894 nur für das rechtsrheinische Köln, danach für die ganze Stadt.
       
Sein Sohn Johann Caspar (1830-1867) spielte schon in einem festen Haus und erweiterte seinen Wirkungskreis über Köln hinaus. Er ging mit seinem Vater im gesamten Rheinland auf Tournee und ihr Hänneschenpuppentheater erfreute auch die Menschen außerhalb der Domstadt.
       
Wilhelm Josef Millowitsch (1854-1909) revolutionierte das Millowitschtheater. Er ließ anstelle von Stockpuppen richtige Schauspieler agieren und erweiterte das Programm. Neben den bewährten Traditionsfiguren des Stockpuppentheaters wie "Hänneschen" oder "Bestevater" wurden zunehmend Stücke aufgeführt, die der Mode der Zeit entsprachen. Glänzend gebaute Schwänke, Adaptionen der Weltliteratur oder Parodien aktueller Schauspiel-Novitäten hielten Einzug in das Repertoire der Bühne. Insbesondere die "große Revue" begeisterte die Menschen. Als berühmteste Produktion des Millowitsch-Theaters dieser Jahre gilt die Revue "In 80 Tagen um die Erde".
       

Nach Wilhelms Tod übernahm seine Frau Emma (1861-1930) die Leitung der Spielstätte. Die "kölsche Duse" hatte zuvor die weiblichen Hauptrollen der Millowitschbühne gespielt und sorgte nun für die endgültige Etablierung des Namens "Millowitsch" und des dazugehörigen Theaters.

Film "Kölle", 98sec

       
Ihr Sohn Peter (1880-1945) wurde 1920 mit der Direktion des Familienunternehmens betraut. In den krisenhaften Zeiten der Depression und Inflation mußte er den mehrfachen Umzug des Theaters veranlassen. Die Millowitschs und ihre Schauspieler wechselten vom Kristallpalast in die Schildergasse und danach in die Ehrenstraße. Erst 1936 wurde mit dem Einzug in das Coloniahaus an der Aachener Straße der noch heute bestehende Spielort gefunden.
       

Von der NS-Organisation "Kraft durch Freude" gezwungen, mußte sich das Ensemble mitsamt seinem Direktor im Zweiten Weltkrieg als "Fronttheater" verdingen und zur Truppenunterhaltung herhalten.

Im Krieg glücklicherweise weitgehend unbeschädigt geblieben, konnte das Theater bereits am 16. September 1945 wiedereröffnet werden. Die Resonanz war überwältigend: Nach den Jahren der Not und Entbehrung sehnten sich die Kölner nach Unterhaltung und begeisterten sich an der volkstümlichen Spielkunst der Millowitsch-Bühne.

       


Film "Hase", 37 sec

Schon während des Krieges hatte Willy Millowitsch von seinem Vater die Leitung des Hauses übernommen und führte es nun zusammen mit seiner Schwester Lucy. Nachdem bereits Ende der dreißiger Jahre mit dem neuen Medium Film erste Versuche gemacht wurden, sollte durch die Einführung des Fernsehens für das traditionsreiche Unternehmen Millowitsch eine weitere Innovation im Theater Einzug halten. Die Premiere fand am 18. Oktober 1954 statt: Als erste Livesendung aus der Aachener Straße konnten die Zuschauer an den Bildschirmen die Übertragung des Stückes "Der Etappenhase" mitverfolgen. Seither folgten mehr als 100 weitere Live-Auftritte des Kölner Ensembles, die den Namen Millowitsch weit über die Grenzen der Domstadt bekannt gemacht haben.

Seit 1996 ist Willys Sohn Peter für die Geschicke des Millowitsch-Theaters verantwortlich. Wie sein berühmter Vater auch spielte er bereits in jungen Jahren seine ersten Rollen. Nachdem er die Schauspielschule in Hamburg erfolgreich absolviert hatte, kehrte er an die Aachener Straße zurück und wurde festes Mitglied des Ensembles. Peter Millowitsch und seine Schwester Mariele setzen die große Theater- und Schauspieltradition des Hauses inzwischen in siebter Generation fort.

       
     
     
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  Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 07.03.2003