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1815 - 1848
Restauration und bürgerliche Revolution

 
Preussen seit 1807.

Mit der Proklamation vom 5. April 1815 nahm König Friedrich Wilhelm III. Besitz von den ihm auf dem Wiener Kongreß zugesprochenen Gebieten. Damit war das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen im Wesentlichen Teil Preußens geworden und seit dem Zerfall des Karolingerreiches wieder erstmals politisch vereint. Für Rheinländer und Westfalen entstanden erhebliche Integrationsprobleme, denn nicht nur die Eingliederung nach Preussen sondern auch das Zusammenwachsen der sehr heterogenen Regionen war zu bewältigen. An Rhein und Ruhr entfalteten sich die ersten Industrialisierungsschübe und Vorboten der industriellen Revolution. Die Verkehrserschließung des Raums verlief einerseits zügig, andererseits stellte sie jahrhundertelange Entwicklungen auf den Kopf. Was gestern noch ein Wirtschafts- oder Handelszentrum war, konnte durch die Abkoppelung von den neuen eisernen Verkehrswegen binnen kürzester Zeit in die Bedeutungslosigkeit versinken.

Das Rheinland war sehr stark von der Franzosenzeit geprägt und hielt an vielen ihrer Errungenschaften wie dem französischen Zivil- und Handelsrecht, den Handelskammern und der Gemeindeverfassung fest. Zudem war das Rheinland zu fast 80% katholisch und unterschied sich damit von den protestantisch geprägten altpreußischen Gebieten. Die beginnende Industrialisierung an Rhein und Ruhr, die günstige Verkehrslage und ein starkes und selbstbewusstes Bürgertum in den Städten sorgten für einen Modernisierungsschub, der sich positiv auch auf das gesamte Reich auswirkte.

Westfalen war stärker agrarisch geprägt und verfügte nur über wenige Städte von Bedeutung. Dadurch hatte der Adel eine erhebliche stärkere Position als im Rheinland. Dennoch einte beide Landesteile eine spürbare Distanz zu Berlin.

Nach 1815 wurden das Rheinland und Westfalen einer völligen administrative Neugestaltung unterzogen. Bis 1822 bildeten sich 5 Regierungsbezirke heraus: Düsseldorf, Aachen, Köln, Münster und Arnsberg.

In die Preußenzeit fallen viele wichtige Ereignisse, die das Rheinland und Westfalen wirtschaftlich und technologisch voranbrachten. 1818 wurde die Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn gegründet, eine von insgesamt nur drei preußischen Universitätsneugründungen. 1838 wurde die erste rheinische Eisenbahnlinie eröffnet. Weitere wichtige folgten. Die 1847/48 fertiggestellte Köln-Mindener-Eisenbahn verband nicht nur das Rheinland mit Westfalen, sondern brachte dem Westen auch die Hauptstadt näher.

Verstärkt durch die restaurativen Tendenzen des Preußischen Königs nahmen nach 1830 die Konflikte zu. Es zeigte sich zunehmend, dass die auf dem Wiener Kongreß beschlossenen Neuordnung nach der Franz. Revolution und der Ära Napoleons zu sehr rückwärtsgewandt war und sich vor dem Hintergrund der raschen Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft als nicht tragfähig erwies. Der Versuch, die "alte Ordnung" wiederherzustellen sollte das monarchischen Prinzip und die Solidarität der Monarchien bei der Abwehr revolutionärer (=demokratischer) Tendenzen stärken. Neben der Unterdrückung demokratischer Ansätze sind es insbesondere auch nationale Interessen und Hoffnungen, die in den deutschen Ländern enttäuscht wurden. Die immer weiter aufklaffende Schere zwischen beginnender Industrialisierung, Verarmung weiter Bevölkerungskreise sowie den Forderungen nach Liberalisierung und politischer Beteiligung wurde seitens der Staatsmacht durch ein striktes Verbot politischer Aktivitäten der Bevölkerung bekämpft.

Die im weiteren Verlauf ausbrechenden revolutionären Ereignisse im März des Jahres 1848 kündigten sich wie ein Wetterleuchten an. Diese Zeit wird daher auch Vormärz genannt. Unmittelbarer wurden diese Ereignisse vom Ausgang der Revolution in Frankreich vom 24. Februar 1848 beeinflusst, in der der König zur Abdankung gezwungen wurde und eine bürgerliche Regierung die Amtsgewalt übernahm. Liberale Politiker, u.a. auch aus dem Rheinland und Westfalen, stellten jetzt öffentlich Forderungen wie die nach einer konstitutionellen Verfassung, Pressefreiheit und unabhängigen Schwurgerichten. Im April und Mai wurde schließlich die erste deutsche Nationalversammlung gewählt, die am 18. Mai 1848 zusammentrat und die erste demokratische Verfassung im Auftrag des Volkes beraten und beschließen wollte. Hauptschauplatz der Revolution wurde Frankfurt. Hier sollte die Nationalversammlung aus allen deutschen Ländern ihren Sitz haben. Anfangs gab es deutlichen Zuspruch, fast Begeisterung für die ersten frei gewählten deutschen Parlamentarier. Die ersten erkämpften Rechte bereiteten dem Parlament aber auch große Probleme. Im März 1849 wurden schließlich die Grundrechte und die Reichsverfassung verabschiedet. Das künftige Deutschland sollte eine parlamentarische Monarchie sein und die deutschen Landesteile ohne Österreich umfassen (Großdeutsche vs. Kleindeutsche Lösung). Die Kaiserkrone sollte der König von Preußen tragen. Der lehnte ab mit der Bemerkung: Er wolle keinen Reif aus Dreck und Lehm tragen, an dem der Ludergeruch der Revolution hafte. Gewaltsame Auseinandersetzungen waren die Folge. In vielen rheinischen Städten kam es zu heftigen Konflikten, die alle mir der Niederlage der aufständischen Bevölkerung endeten. Trotz des Zusammenbruchs der ersten Demokratiebewegung in Deutschland ließen auf Dauer fünf wichtige Themen die Spuren der Revolution sichtbar werden:

  • Der Parlamentarismus
  • Die Forderung von Grund- und Bürgerrechten
  • Die Idee sozialer Gerechtigkeit
  • Der nationale Gedanke
  • Der europäische Gedanke

Literatur:
Gall, Lothar (Hrsg.) (1998): 1848. Aufbruch zur Freiheit, Berlin: Nicolaische. Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv (Hrsg.) (1998): Petitionen und Barrikaden. Rheinische Revolutionen 1848/49. Münster: Aschendorff.
Reininghaus, Wilfried; Conrad, Horst (Hg.) (1999): Für Freiheit und Recht. Westfalen und Lippe in der Revolution 1848/49, Münster.

     
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