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1824
Jeckes Treiben hat bei den Rheinländern Tradition. Seit mehr als 650 Jahren ist der Karneval im Rheinland nachzuweisen. Die älteste Quelle von 1341 beinhaltet den Entschluß der Kölner Ratsherren, den Karneval nicht länger finanziell zu unterstützen. Wahrscheinlich gibt es das Fest also schon weit länger. Alle Zünfte und Schichten feierten Karneval: als Fest zu Hause, als Straßenkarneval, die Adeligen als Maskenball und auch der geistliche Stand feierte einen "Pfaffenkarneval", bei dem es in den Klöstern hoch her gegangen sein soll. Die Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen führte zu einem Verbot des Straßenkarnevals und die folgende Auflösung der Zünfte nahmen dem Fest seinen gewohnten Rahmen. Erst unter den Preußen, die vom Rheinland 1815 Besitz ergriffen, lebte der Karneval nach einer grundlegenden Reform wieder auf. Die Karnevalsreform von 1823 ging vom Kölner Bildungsbürgertum aus, das nun erstmals ein Organisationskommitee für Sitzungen, Maskenbälle und vor allem für den neuen Rosenmontagszug bildete, der 1824 das erste Mal stattfand. Die Karnevalsfeierlichkeiten wurden sehr beliebt, auch über die Kölner Stadtgrenzen hinaus, was die preußische Regierung untersagte politische Umtriebe vermuten ließ. Karneval wurde verboten. Doch gerade das Verbot löste die befürchtete Politisierung erst aus und machte die Karnevalskomites zur Plattform für eine sich zunehmend radikalisierende verdeckte Opposition gegen den preußischen Obrigkeitsstaat. Dementsprechend gehörten 1848 die führenden Karnevalisten zu den Revolutionären aus dem Rheinland. Im Wilhelminischen Kaiserreich verlor der Karneval diesen oppositionellen Charakter und wurde vielmehr zum staatstragenden Ereignis. Wegen der Rheinlandbesetzung, die keinen Anlaß zu Fröhlichkeit gab, verlor auch der Karneval in der Weimarer Republik an Bedeutung. Mitte der zwanziger Jahre belebten die Jecken das Fest wieder, mußten sich jedoch ab 1933 gegen die Gleichschaltungsbestrebungen der Nationalsozialisten wehren. Bis 1939 gelang es dem Regime nicht, den Karneval flächendeckend zu ihren Zwecken umzufunktionieren. In Köln mußte aber die Rolle der Jungfrau des Dreigestirns, traditionell von einem Mann dargestellt, in dieser Zeit von einer Frau übernommen werden, da dieser Brauch nicht mit den Vorstellungen der Nazis vereinbar war. Nach 1945 erlebte der Karneval eine nie gekannte Popularität bis nach Westfalen hinein und erfuhr durch das Fernsehen eine bundesweite Verbreitung. Ursprünglich wurde Karneval im Rheinischen nur an den letzten Tagen vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit gefeiert: so spricht man heute noch von den drei tollen Tagen. Doch seit 1900 hat sich der Karneval deutlich ausgeweitet. Karneval ist mittlerweile so facettenreich wie kein anderes Fest mit vielerlei Umzügen, Kostümierungen, Tanzgruppen, Weiberfastnacht, den alternativen Feiern - und ausgewiesenen Karnevalsgegnern, die alljährlich vor dem Trubel Reißaus nehmen. Quelle: |
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