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18. April 1945
Die Truppen der Wehrmacht im Ruhrkessel geben auf

   
Luftangriff auf Bocholt durch die 2. Taktische Luftflotte der Royal Air Force, 21.03.45.

Der unaufhaltsame Vormarsch der westalliierten Truppen seit Herbst 1944 in Richtung Rhein mündete im Februar 1945 in die US-amerikanische Bodenoperation "Grenade" sowie in der britisch-kanadischen Offensive "Veritable", die den deutschen Widerstand im linksrheinischen Raum endgültig niederkämpften. Mit der Eroberung der Rheinbrücke bei Remagen am 07. März 1945 und die sofortige Bildung eines Brückenkopfes durch US-Truppen, hatte sich die Ausgangslage für das weitere Vordringen der Alliierten erneut verbessert. Den entscheidenen Schlag vollzogen die Alliierten am 24. März 1945 am Niederrhein im Raum Wesel mit der Luftlandeoperation "Varsity" und dem Rheinübergang zwischen Remagen und Wesel im Rahmen der Operation "Plunder".

Der bereits einige Wochen zuvor im Alliierten Oberkommando entstandene Plan für eine Einkesselung des Ruhrgebiets nach dem erfolgreichen Rheinübergang war am 25. März 1945 durch General Eisenhower befohlen worden, wobei man zunächst sogar von einer für die amerikanischen Truppen verlustreichen Eroberung des "Ruhr pockets" in längeren Häuser- und Ruinenkämpfen ausging. Die eigentliche Einnahme des "Ruhrkessels" vollzog sich dann aber aus alliierter Sicht als ein "mopping up", als ein "Aufwischen" der deutschen Verteidiger, wobei es nur vereinzelt zu hartnäckigen Verteidigungsmaßnahmen kam. Oberbefehlshaber der im "Ruhrkessel" eingeschlossenen Heeresgruppe B war Generalfeldmarschall Walter Model, der den militärischen Widerstand im Rahmen seiner Möglichkeiten und ganz im Sinne von Hitler bis zuletzt betrieb und schließlich am 21. April 1945 in einem Wald bei Duisburg Selbstmord verübte.

Bereits am 01. April 1945 konnte der "Ruhrkessel" bei Lippstadt durch das Zusammentreffen der 1. und 9. US-Army geschlossen werden. Rund 300.000 Soldaten der Wehrmacht sassen in der "Falle", und mit ihnen Millionen von ausländischen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und deutschen Zivilisten. Im Norden des Ruhrgebiets und im Münsterland drangen die alliierten Truppen, ohne auf grösseren Widerstand zu stoßen, ebenfalls unaufhaltsam vor. Am 05. April 1945 rollten US-amerikanische Panzer durch die bombenzerstörte Innenstadt von Münster. Damit war die Provinzhauptstadt Westfalens, der Verwaltungssitz von zahlreichen militärischen und staatlichen Behörden sowie der NSDAP, in alliierter Hand. Am 14. April 1945, nach ihrem Vormarsch aus dem Remagener Brückenkopf durch das gebirgige Sieger- und Sauerland, spalteten die US-Truppen den "Ruhrkessel" bei Hagen in zwei Teile auf. Der östliche Teil kapitulierte bereits zwei Tage später, die Mehrzahl der deutschen Truppen im westlichen Bereich gaben am 17. April den Widerstand auf.

Noch zu Beginn des Monats April 1945 hatte der Gauleiter von Westfalen-Süd, Albert Hoffmann, auf einem Flugblatt unter dem Titel »Wir wissen mehr, als der Gegner weiß« von seinem Propagandastab bar jeder Logik verbreiten lassen, dass die am 1. April 1945 von US-amerikanischen Truppen vollzogene Einkesselung des Ruhrgebiet in Wahrheit ein großer Abwehrerfolg der deutschen Verteidigung gewesen und von der "Führung" im Vorfeld eingeplant worden sei. Die Verteidigungsmaßnahmen im eingekesselten Gau Westfalen-Süd wurden in diesem Propagandaflugblatt in pathetischen Worten und in völliger Verkehrung der tatsächlichen Situation im Ruhrgebiet mit dem für die deutsche Zivilbevölkerung und das Militär gleichermaßen verlustreichen, letztendlich aber völlig sinnlosen deutschen Widerstand in den von Hitler zu Festungen erklärten Städten Breslau und Königsberg gleichgesetzt. Mit widersinnigen und planlosen Räumungsbefehlen trat indessen der geschäftsführende Gauleiter von Essen, Fritz Schleßmann, in den letzten Tagen vor der alliierten Besetzung seiner "Gauhauptstadt" als Erfüllungsgehilfe seines "Führers" in Erscheinung. Am 25. März 1945 ordnete Schleßmann nämlich die "totale Räumung" der zerbombten Großstädte Essen und Duisburg sowie seines übrigen Gaugebiets an. Die Durchführung dieses angesichts der militärischen Lage sowie katastrophalen Situation in den Städten an Rhein und Ruhr grotesk wirkenden Befehls mußte jedoch zwangsläufig an den realen Verhältnissen scheitern.

Angehöriger des "Volkssturmes" mit Panzerfaust.
 

Hitlers "Nero-Befehl" vom 19. März 1945 zur Zerstörung von Industrie- und Versorgungseinrichtungen, der kurz darauf aufgrund des Widerstands von Rüstungsminister Speer und führender Ruhrindustriellen abgeschwächt bzw. hintertrieben wurde, markierte auch für die Rhein-Ruhr-Region einen letzten Höhepunkt in den wahnwitzig erscheinenden Anordungen, Befehlen und Erlassen der NS-Führung in den letzten Kriegswochen. Der vielzitierte "Nero-Befehl" stellte jedoch im Kern nur eine Verschärfung der bereits vorhandenen militärischen Befehle für ARLZ-Maßnahmen [Auflösungs-Räumungs-Lähmungs-Zerstörungs-Maßnahmen, Verf.] aus dem Vorjahr dar. Er erhielt allerdings durch die Verknüpfung mit der von Hitler in schonungsloser Brutalität geforderten Zerschlagung der verbliebenen "Existenzgrundlagen des Deutschen Volkes" sowie einer darin geäußerten Politik der "verbrannten Erde" eine als einmalig erscheinende Ausnahmestellung im Sammelsurium der unzähligen Führeranordnungen und -erlasse. Der Nationalsozialismus und damit das "Dritte Reich" endeten letztendlich in einem Chaos, das den Irrwitz und die Realitätsferne seiner Führungkräfte auf bezeichnende Weise offenlegte.

Für die betroffene Zivilbevölkerung inmitten der zertrümmerten Ruhrstädte wird die Ankündigung der Verteidigungsabsichten ihres kriegsführenden Gauleiters Hoffmann, der seit dem alliierten Rheinübergang am 24. März 1945 auch als "leitender Reichsverteidigungskommissar-West" agierte, sicherlich keine Zukunftsperspektive oder gar Ansporn zum Kampf gewesen sein. Die mit viel Aufwand und Anstrengung von einem Massenaufgebot der Bevölkerung errichtete Panzersperren, die seit Monaten vorbereiteten Graben- und Erdbunkerstellungen sowie auch die zahlreichen Brückensprengungen im Ruhrgebiet stellten für die siegreichen Alliierten schließlich lediglich technische, nicht aber militärische Hindernisse dar.

Noch unmittelbar von dem Einmarsch der US-Truppen betrieben die Gestapo-Dienststellen im Rhein-Ruhrgebiet zahlreiche Massenmorde an ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. In vielen Städten fanden sich nach der alliierten Besetzung die Spuren dieser Verbrechen, an denen sich auch deutsche Zivilisten sowie kommunale und staatliche Dienststellen beteiligt hatten. So wurden in der Bittermark und im Rombergpark bei Dortmund seit Anfang März 1945 über 250 Menschen, darunter auch deutscher Widerstandskämpfer, von der Gestapo ermordet. In Hagen waren es mindestens 50 Personen, die zum Teil noch wenige Stunden vor dem alliierten Einmarsch in die Stadt erschossen wurden. Bei Warstein ermordete ein SS-Kommando mindestens 71 Zwangsarbeiter. In Solingen-Ohligs waren es zumeist politische Gegner des NS-Regimes, die sich unter den rund 70 ermordeten Personen befanden, die von der Gestapo noch am 13. April 1945 exekutiert worden waren.

Ralf Blank (Historisches Centrum Hagen)
Website:
http://www.hco.hagen.de/ruhr/

Literatur:
Conquer - The story of the Ninth Army 1944 - 1945. Washington 1947.
Henke, Klaus-Dietmar: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. München 1995.
Mues, Wille: Der grosse Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr / Sieg und Lenne. Erwitte/Lippstadt 1984.
First United States Army: Report of Operations 23 February - 8 May 1945. Washington 1947.

     
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