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Alle Artikel dieser Epoche

1933
Rheinland und Westfalen im NS-Reich

Reichstagswahlen vom 14.09.1930 (in %)

 

KPD

SPD

Zentrum

DVP

DNVP

NSDAP Sonstige

Bochum
Dortmund
Duisburg
Essen
Gelsenkirchen
Oberhausen
Recklinghausen

Deutsches Reich

19,4
20,2
25,1
24,5
26,5
17,0
23,4

13,1

20,1
28,4
15,0
13,9
13,9
11,9
13,4

24,5
19,8
17,4
20,2
27,1
23,6
28,4
26,1

11,8

6,5
8,6
4,6
3,8
8,7
6,7
4,0

4,5

4,2
3,9
5,5
3,8
6,2
5,5
7,3

7,0

17,6
8,3
18,0
14,5
10,4
20,5
9,5

18,3
12,4
13,2
10,7
12,4
10,7
10,0
16,3

20,8

Mit den Reichstagswahlen begann am 30. Januar 1933 auch im Rheinland und Westfalen das dunkelste Stück deutscher Geschichte. Allerdings hatten es die Nationalsozialisten hier schwerer, als in anderen Reichsteilen. Die katholischen Regionen waren Zentrumshochburgen und in den Großstädten des Ruhrgebiets waren die Arbeiter im Kommunismus verwurzelt. Noch 1933 erhielt das Zentrum in der vorwiegend katholischen Region mehr Stimmen als die NSDAP. In den traditionellen Hochburgen der KPD lieferten sich Aktivisten Straßenschlachten mit NSDAP-Mitgliedern. Später kam es zu Massenverhaftungen unter den Kommunisten.

Reichstagswahlen am 05.03.1933
 
Zentrum
NSDAP
Köln
Aachen
Münster
32,1
43,7
39,0
31,7
26,7
28,7

 Politische und gesellschaftliche Schlüsselpositionen wurden von Parteimitgliedern ersetzt.  Eine Ausnahme bildeten Westfalen und das Rheinland, wo die konservativen Freiherren von  Lüninck, zwei Brüder, Oberpräsidenten wurden. Auch alle Bürgermeister, die ihr Amt den  letzten freien Wahlen verdankten, wurden durch linientreue Männer ersetzt. Von den 17  Oberbürgermeistern in der Rheinprovinz blieben nur vier im Amt. Namentlich genannt sei hier  der entlassene Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Rechtliche Handhabe hierfür bot schon bald das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums". Auch in den Westprovinzen des "Dritten Reiches" Rheinland und Westfalen wurde so das Führerprinzip angewandt, die Provinziallandtage und -kommissionen aufgelöst und durch die alleinige Entscheidungsgewalt des Oberpräsidenten ersetzt. In Lippe wurde ein Reichsstatthalter eingesetzt. Die Umbesetzungen boten auch die Möglichkeit einer Arbeitsbeschaffungsmaßmahme für die NS-Klientel. Viele "Alte Kämpfer" wurde so in kleinen und großen Posten untergebracht. Ein guter Teil blieb jedoch nicht in seinen neuen Stellungen, da er für den öffentlichen Dienst ungeeignet war.

Die Gaue der NSDAP
  Fläche in qkm
Einwohner 1939

Düsseldorf
Essen
Köln-Aachen Westfalen-Nord Westfalen-Süd

   2.672,48    2.825,11   8.161,80 14.558,82   7.656,50
2.261.909 1.921.326 2.432.095 2.822.603 2.678.026

 Die Organisationsstruktur wurde ebenfalls entsprechend geändert. Das  Rheinland war in 3, Westfalen in 2 Gaue unterteilt. Die Gauhauptstadt  Düsseldorf sollte in Schlageterstadt umbenannt werden und durch  stadtplanerische Maßnahmen ihr Gesicht verändern. Die geplanten  Umbaumaßnahmen konnten aber nicht mehr umgesetzt werden. (Schlageter  war ein zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer gegen die frz. Besetzung  1923, den die Nationalsozialisten für sich vereinnahmt hatten.) Auch die  Umgestaltung der Burg Wewelsburg in Westfalen zur Zentrale der SS wurde nicht vollendet. Für dieses Projekt wurde eigens das Konzentrationslager Niederhagen errichtetet, dessen Insassen beim Bau helfen mußten. Weitere Stützpunkte der NSDAP in den nordrhein-westfäischen Provinzen waren das münsterländische Schloß Nordkirchen, in dem eine politische Führungsschule der NSDAP untergebracht war und das Schloß Bielsteil im Sauerland, das als Führerschule für die Hitlerjugend herhalten mußte.

Eine besondere Rolle spielte das Oberbergische Land, das nach dem Willen des Gauleiters für den Raum Köln und Aachen, Robert Ley, zur Keimzelle des Nationalsozialismus im Rheinland werden sollte. Der aus der Region stammende Ley verquickte die NS-Ideologie erfolgreich mit dem in der Gegend vorherrschenden antiliberalen protestantischen Gedankengut. Oftmals schloß er eine Rede mit einem Gebet. Die Nationalsozialisten errangen im "Leyland" überdurchschnittliche Wahlergebnisse. Robert Ley wurde nach Kriegende von den Alliierten als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Eine weitere NS-Größe, die aus dem späteren Nordrhein-Westfalen stammte, war der aus Mönchengladbach-Rheyd stammende Propagandaminister Joseph Goebbels.

Literatur:
Carsten, Francis L.: Widerstand gegen Hitler : die deutschen Arbeiter und die Nazis, Frankfurt am Main 1996.

     
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