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9. November 1938
Die Reichspogromnacht in Düsseldorf

    Die Pogromnacht
     
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Elf Tage später trat das Ereignis ein, das in Deutschland als der massivste Angriff auf die hier lebenden deutschen Juden in Erinnerung blieb: Der Pogrom der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Dieser Angriff war wohl vorbereitet, die Trupps aus SA und SS arbeiteten sich nach vorbereiteten Listen vor.

Im linksrheinischen Ortsteil Oberkassel passierte zunächst nichts, denn der Verantwortliche weilte auf einer NSDAP-Jubelfeier und hatte die Liste in seinem Schreibtisch eingeschlossen. Die sich vor aller Augen abspielenden Verbrechen reichten von Mord, Totschlag und Körperverletzung zur Brandstiftung, zu Raub, Plünderung, Sachbeschädigung und schließlich der Verhaftung vieler.

Laut Haftbuch der Polizei Düsseldorf wurden 155 Männer und Jugendliche und 20 Frauen ins Polizeigefängnis eingeliefert. Die Jugendlichen bis 16 Jahren und die Frauen und ältere Männer wurden nach ein bis drei Tagen wieder freigelassen. Die anderen kamen am 16. November 1938 in einen Zug, der sie ins Konzentrationslager Dachau brachte. Von dort wurden sie erst dann entlassen, wenn sie entweder dringend zur Liquidierung oder "Arisierung" eines Geschäfts angefordert wurden oder Auswanderungspapiere vorlegen konnten.

Die meisten der Verhafteten kehrten nach drei bis sechs Wochen nach Düsseldorf zurück. In der Erinnerung der Angehörigen waren es Monate, so sehr hatte die Haft die Väter, Ehemänner oder Söhne physisch und psychisch verändert.

Drei Menschen kamen in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Düsseldorf ums Leben, an den Folgen starben unmittelbar danach weitere vier, andere behielten Gesundheitsschäden zurück, von denen sie sich nie mehr erholten. 70 Menschen mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden, darunter der mit mehr als zwanzig Messerstichen schwer verletzte Salo Loeb.

Um ihn vor Verhaftung und Deportation zu schützen, hatten Ärzte und Schwestern des katholischen Marienhospitals nicht einmal die Angehörigen über dessen Verbleib informiert, so dass er als verstorben galt. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus wurde Salo Loeb immer wieder von der Gestapo verhaftet, kam für einige Tage frei, wurde wieder verhaftet. Dieses Martyrium endete erst, als er buchstäblich in letzter Minute, nämlich 1940 mit seiner Familie in die USA einreisen konnte.

Die seelischen Folgen für die Betroffenen der Verbrechen dieser Nacht lässt sich an Düsseldorf anhand zahlreicher Berichte von Überlebenden herauslesen oder heraushören. Terror, Art und Umfang der Zerstörung hatten bei weitem das Vorstellungsvermögen jedes Einzelnen übertroffen. Die Betroffenen hatten sich als absolut rechtlos erfahren müssen und waren unmittelbar physisch bedroht worden. Nur wenige Nicht-Juden hatten ihnen geholfen. Einige, die jung genug und entschlossen waren, nahmen ihre Kinder und verließen sofort das Land.

Andere hatten Glück, weil sie sowohl rechtzeitig ihre Papiere als auch ihre Schiffspassagen erhielten. Von den Zurückgebliebenen versuchten einige verzweifelt, wenigstens ihre Kinder zu retten: Als Großbritannien ab Dezember 1938 bis Ende August 1939 die Einreise unbegleiteter, minderjähriger jüdischer Kinder erlaubte, entschlossen sich manche, ihre Kinder diesen Weg gehen zu lassen, darunter auch die Kinder des zweiten Rabbiners von Düsseldorf, Dr. Siegfried Klein, der die Gemeinde nach dem Weggang von Dr. Max Eschelbacher im Januar 1939 nach England bis zu seiner Deportation im Oktober 1941 nach Lodz leitete.

Ungefähr dreißig Kinder aus Düsseldorf haben auf diese Weise überlebt, wie die Kinder von Rabbiner Klein sahen sie in der Regel ihre Eltern nicht wieder.

     
    Hildegard Jakobs und Angela Genger
(Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf)
 

Rabbiner Dr. Max Eschelbacher
Aus dem Bericht des Düsseldorfers über die Pogromnacht und ihre Folgen Sprecher: Bernd Hahn

Isabella Webber, née Schneider
about 28th of October 1938

Margot Goldberg, geb. Cohen
über die Verhaftung ihres Vaters

M. Goldberg, geb. Cohen
über die Rückkehr ihres Vaters aus dem KZ

Ellen Marx, née Appel
about "Cristal Night"

Part of the report by Joseph Adler
Speaker: Ian Cummings

   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
     
   

Website der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf:
http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/duesseldorf

     
    Quellen:
   

Aspekte jüdischen Lebens in Düsseldorf und am Niederrhein, hrsg. von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Redaktion und Bearbeitung: Angela Genger/Kerstin Griese, Düsseldorf 1997.
Barbara Suchy: Düsseldorf, Donnerstag, den 10. November 1938. Texte - Berichte - Dokumente, herausgegeben von der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv Düsseldorf, Düsseldorf 1989
Max Eschelbacher: Der 10. November 1938. Mit einer Einleitung von Falk Wiesemann, Essen 1998
Hannele Zürndorfer: Verlorene Welt, eine Kindheit im Dritten Reich, herausgegeben von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, bearbeitet und mit einer Einleitung versehen von Rolf Schörken, Düsseldorf 1997
Frank Sparing: Konkursverfahren infolge der Pogromnacht 9. November 1938. In: AUGENBLICK, Berichte, Informationen und Dokumente der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Nr. 12/13, 1998, Seite 18 -21.
Angela Genger: Düsseldorf - Brasilien - Berlin: Bertha Flatauer, geb. Mittel. Auszüge aus einem Gespräch am 10. November 1992 in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, geführt von Angela Genger und Barbara Suchy. In: AUGENBLICK, Berichte, Informationen und Dokumente der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Nr. 5, 1993, Seite 17 - 19.
Frank Sparing: Nach der Pogromnacht - Hinweise in einer Akte der Obdachlosenpolizei Düsseldorf. In: AUGENBLICK, Berichte, Informationen und Dokumente der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Nr. 7, 1995, Seite 12 -15.

CD:
Angela Genger: Der 10. November 1938 in Düsseldorf. Eine Text-Collage. CD, Düsseldorf 1998. The 10th of November, 1938 in Düsseldorf. A Text-Collage, Düsseldorf 1998

   
     
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