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9. November 1938
Die Reichspogromnacht in Düsseldorf

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Am 26. März 1938 feierte der Düsseldorfer Rabbiner Dr. Max Eschelbacher (1880 - 1964) sein 25jähriges Dienstjubiläum in Düsseldorf. Dorthin war er auf Vorschlag von Leo Baeck als dessen Nachfolger 33jährig mit seiner Frau Bertha und zwei Söhnen gekommen. Die später auf vier Kinder angewachsene Familie war zum Zeitpunkt dieser Feier schon seit Jahren auseinander gerissen: Der Sohn Leo praktizierte als Arzt in den Vereinigten Staaten, der Zweitälteste, Hermann, war zeitweilig wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Enzyklopedia Britannica und versuchte als Buchantiquar in England Fuß zu fassen, der Sohn Joseph-Ludwig schlug sich auf einem landwirtschaftlichen Gut fernab von europäisch-städtischer Umgebung in Argentinien durch, und die jüngste Tochter Marianne absolvierte nach dem Schulbesuch ab 1935 in England eine Ausbildung zur Krankenschwester. Die Familie war anlässlich der silbernen Hochzeit der Eltern 1935 zum letzten Mal zusammengekommen.

Wie Eschelbachers erging es den meisten jüdischen Familien in Deutschland: Wer konnte, weil er jung genug war, Verbindungen und Mittel zur Auswanderung hatte, verließ die Heimat und versuchte in einem anderen Land Fuß zu fassen. Etwa die Hälfte der Düsseldorfer Gemeindemitglieder (1933 waren es 5.624 gewesen) hatte diesen Weg beschritten, in den meisten Fällen mit hohen wirtschaftlichen Opfern. Andere, wie der zweite Rabbiner Dr. Siegfried Klein, blieben bewußt bei der Gemeinde.

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Besondere Steuern, z.B. die Reichsfluchtsteuer, Vorschriften über Devisen, etc. engten den Handlungsspielraum der in Deutschland Verbliebenen ungeheuer ein. Ab April 1938 mussten Juden Vermögen über 5.000 Reichsmark anmelden, Grundlage der Enteignung, die u.a. in der am 12. November 1938 festgelegten "Sühneleistung" in Höhe von 1,127 Milliarden Reichsmark einen ersten absurden Höhepunkt fand. Aus der Düsseldorfer Gemeinde waren hierzu eine Million Reichsmark zu zahlen. Schadensfälle wurden von den Versicherungen unmittelbar an das Deutsche Reich überwiesen (insgesamt 225 Millionen Reichsmark), während die geschädigten Juden leer ausgingen.

Sorge bereitete Rabbiner Eschelbacher auch, dass durch ein Gesetz vom 1. April 1938 die jüdischen Gemeinden ihre Rechtsform als Körperschaften öffentlichen Rechts verloren und sie zu rechtsfähigen Vereinen erklärt wurden. Wenig später, im Juni desselben Jahres, wurden eine Reihe von Gemeinderepräsentanten in Polizeihaft genommen, andere Gemeindemitglieder kamen in "Schutzhaft", in der Regel wegen völlig aus der Luft gegriffener oder längst verjährter Vergehen, wie Führerscheinvergehen oder ähnlichem.

Weitere Maßnahmen vom September 1938, die den Entzug der Zulassung jüdischer Ärztinnen und Ärzte, wenig später der wenigen noch zugelassenen jüdischen Anwälte vorsah, trieb die Verarmung der jüdischen Bevölkerung ebenso voran wie die sich seit Januar 1938 verschärfende Gesetzgebung über "jüdische Gewerbebetriebe". Dies war der Hintergrund, auf dem die erste Deportation aus Düsseldorf von den aufmerksamen Beobachtern gesehen wurde: In der Nacht vom 27. Oktober 1938 holten Polizisten ungefähr 300 Personen aus ihren Wohnungen: Männer, Frauen und Kinder, die als "Polnische Juden" nach einem kurzen Aufenthalt im Polizeipräsidium in Züge verfrachtet und an die polnische Grenze nach Zbaszyn (Bentschen) transportiert wurden. Unter ihnen war eine nicht unerhebliche Zahl von Frauen, die nur durch ihre Heirat polnische Staatsbürgerinnen geworden waren, sowie deren Kinder. Die polnischen Behörden ließen die Deportierten zunächst nicht herein, zurück konnten nur sehr wenige.

   
     
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