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20. Januar 1942
Die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus der "volksdeutschen" Gesellschaft war vom Zeitpunkt der Machtergreifung an ein zentrales Anliegen der Nationalsozialisten. Nachdem durch die 1935 beschlossenen Nürnberger Rassegesetze eine Entrechtung der Juden vorgenommen worden war, steigerten sich die Übergriffe nun in Gewalttätigkeiten. Nach einem vorläufigen Höhepunkt in der "Reichskristallnacht" 1938 kam es im Jahr 1942 zu einem neuen schrecklichen Wendepunkt in der Judenverfolgung. Die nun systematische Vernichtung der Juden in Europa oder im Nazijargon die "Endlösung der Judenfrage" wurde am 20.01.1942 auf der Wannsee-Konferenz beschlossen. Heydrich, der den Vorsitz bei der Versammlung hatte, berichtete Staatssekretären und hohen Parteibeamten über bisherige Versuche und Experimente mit Methoden der "Massenvernichtung" und über den Bau von Vernichtungslagern. Der Bau dieser Lager, in denen nach den effektivsten Methoden zum Völkermord gesucht wurde, hatte bereits im Sommer 1941 begonnen. Experimente mit verschiedenen Gasen wurden vorgenommen. Das Zyangas oder auch Zyklon B erwies sich für die Täter als am wirkungsvollsten. Das erste Todeslager lag in Chelmno (ca. 60 km von Lodz entfernt) und war für die Juden aus dem Lager Lodz bestimmt. Ab dem 08.12.1941 hatten dort die ersten Tötungen begonnen, die mit Auspuffgasen von Lastwagen stattfanden. Die Menschen wurden in präparierten Gaswagen zusammen gepfercht und erstickten schon kurze Zeit nach Fahrtbeginn. Die große Zahl der Ermordungen in den Konzentrationslagern
hatte schon zu Konflikten mit deutschen Unternehmen geführt. Sie profitierten
von den vielen billigen Arbeitskräften, die sie von den Nationalsozialisten
aus den Lagern bekamen. Die Arbeiten in der Rüstungsindustrie z.B. in
Lodz wurden zu 95 % von Juden aus dem Lager Lodz ausgeführt. Wichtig für
die Industrie waren vor allem die Juden im Alter von 15 bis 65 Jahren.
Für die Häftlinge bedeutete ihre Arbeitskraft die einzige Hoffnung auf
ein Überleben. Auch die SS und die Wehrmacht hatten als Vermittler der
Häftlinge als Arbeiter am Fortbestehen dieses "Arrangements" ihr finanzielles
Interesse.
Nach und nach erfuhr auch die Bürokratie, die eine entscheidende Rolle bei der Organisation spielte, von der "Endlösung der Judenfrage", jedoch wurde das Wissen um die "Endlösung" nur selten schriftlich festgehalten. Meist war nur die Rede von "jüdischen Aussiedlungen", "Evakuierungen" oder "Umsiedlungen". Die wahren Absichten sollten verschleiert oder verdrängt werden. Birkenau, das Tötungszentrum in Auschwitz, wurde zum Zeitpunkt der Wannsee-Konferenz schon errichtet. Im März 1942 wurden weitere Konzentrationslager, wie Belzec, Sobidor, Treblinka und später auch Majdanek in Vernichtungslager umgewandelt. Konzentrationslager waren sogenannte Arbeitslager, wo auch politisch Verfolgte und "Randgruppen", wie Homosexuelle gefangen gehalten wurden. Die Vernichtungslager dienten der reinen Ermordung der jüdischen Bevölkerung und von Sinti und Roma. Eine Ausnahme war für das Lager in Theresienstadt vorgesehen, dass unter der Propagandaschlagzeile: "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" errichtet wurde. Theresienstadt sollte als "Alterslager" bzw. "Vorzeigelager" dienen. Deutsche Juden über 65 Jahre, Kranke und Gebrechliche und solche, die im Ersten Weltkrieg verwundet oder für ihre Kriegsdienste ausgezeichnet worden waren, wurden in dieses Lager gebracht. Ebenso prominente Juden, die in Europa bekannt waren und über deren Verbleib Fragen gestellt werden konnten, kamen hierher. Es wurde die Illusion einer "Judenstadt" aufgebaut, mit eigenem Geld und eigener Verwaltung. Doch war auch dieses Lager für die meisten nur eine Übergangsstation, bis sie nach Auschwitz kamen. Am 5. Oktober 1942 wurde von Himmler der Befehl gegeben alle Juden aus Konzentrationslagern im Reich nach Auschwitz zu deportieren, um die "Endlösung" zu realisieren. Hier wurden seit April 1943 auch medizinische Experimente an Häftlingen vorgenommen. Besonders viele Versuche fanden über die Fruchtbarkeit, Fortpflanzung und Sterilisation von Frauen statt. Einer der berüchtigtsten Ärzte war Josef Mengele, der Versuche an lebenden Menschen machte. Die Zahl der von den Nationalsozialisten ermordeten Juden läßt sich nicht genau beziffern, insgesamt geht man aber von rund 6 Millionen Menschen aus, die in ganz Europa vergast oder auf andere Art ums Leben gebracht worden sind. Hierbei kann für die einzelnen Vernichtungslager die schreckliche Bilanz von Auschwitz ca. 2.000 000 Toten gezogen werden. Auch im späteren Nordrhein-Westfalen gab es verschiedene Konzentrations- bzw. Außenlager, wie z.B. in Düsseldorf, Wuppertal und Köln. Düsseldorf diente als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Im Konzentrationslager in Wuppertal-Barmen, auch "Kemna" genannt, sollte der antifaschistische Widerstandswille der Wuppertaler gebrochen werden. Die Inhaftierung erfolgte meist nach ganz willkürlichen Gesichtspunkten von politischen oder persönlichen Gegnern. Die Mehrzahl der Insassen waren kommunistische und sozialistische Arbeiter. In Köln lag ein Lager sogar direkt bei dem Messegelände, in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Dieses Lager diente als Sammellager, von dem aus im Mai 1940 die Deportationen der "Zigeuner" und ab Ende 1941 die der Kölner Juden durchgeführt wurde. Weiterhin wurde hier auch das beschlagnahmte jüdische Eigentum gelagert. Einen weiteren Verwendungszweck fand das Gelände als Hilfsgefängnis der Kölner Gestapo. Im August 1944 wurde Konrad Adenauer in diesem Lager gefangen gehalten. Ina Schaefer |
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