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27. Oktober 1944
Widerstand der Jugend: Die Edelweißpiraten

 
 
Eine Kundgebung der Hitler-Jugend.

Die Kinder und Jugendlichen hatten im NS-Reich eine besondere Funktion inne. Sie waren für Hitler die Zukunft des Tausendjährigen Reichs. Oberste Priorität hatte für den Führer die "Umerziehung" bzw. die Ideologisierung der Erziehung. Von Anfang an sollten die Kinder auf das Regime und deren Ideale -Volksgemeinschaft, Wehrhaftigkeit, körperliche Ertüchtigung und Aufopferung- eingeschworen werden. Nicht mehr Eltern bzw. Familie und Schule sollten Erziehungsarbeit leisten, sondern diese sollten von den verschiedenen NS-Organisationen, wie u.a. die Hitler-Jugend (HJ) geleistet werden. Kontrolle über sämtliche gesellschaftlichen Bereiche wurde ausgeübt, das Private gab es in dem traditionellen Sinne nicht mehr.

Der Höhepunkt stellte das Gesetz über die Hitlerjugend von 1936 da:

  • §1. Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in      der Hitlerjugend zusammengefasst.
  • §2. Die gesamte deutsche Jugend ist außer in Elternhaus und Schule in der Hitlerjugend körperlich, geistig und sittlich im      Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen.
  • §3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitlerjugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP      übertragen. Er ist damit "Jugendführer des Deutschen Reichs". Er hat die Stellung einer Obersten Reichsbehörde mit dem      Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.
  • §4. Die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen      Verwaltungsvorschriften erlässt der Führer und Reichskanzler.

Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch die Versuche der Jugend, sich dieser Überwachung und Beeinflussung zu entziehen. Vielfältige oppositionelle Gruppierungen gründeten sich; von passiver Abwehr und nicht Akzeptanz bis hin zu politischen Aktionen und aktiven Widerstandshandlungen. Auch anfängliche Hitler-Anhänger und Begeisterte mauserten sich teilweise wie z.B. die Mitglieder der "Weißen Rose" zu Oppositionellen. Mit der zunehmenden Militarisierung der HJ und dem ansteigenden Zwangscharakter stieg auch die Zurückweisung des Regimes an.

Eine der bedeutungsvollsten Gruppierung stellten die "Edelweißpiraten" dar. Sie wurden von den Nationalsozialisten nach ihrem Merkmal, einem Edelweißanstecker benannt; selbst nannten sich in Köln "Navajos", in Düsseldorf "Fahrtenjungs" oder in Leipzig "Ruhrpiraten" oder "Meuten". Überwiegend traten diese Gruppen im Rheinland und Westfalen auf. Mit harmlosen Streichen, der Weigerung an Appellen oder Aufmärschen der HJ teilzunehmen begannen die Widerstandsaktionen und mündeten in kleinen Sabotageakten, in der Unterstützung von Juden und anderen Regimegegnern oder sie gerieten in gewaltsame Konflikte mit der HJ. Die Aktionen waren überwiegend planlos und waren, wie die Gruppen selbst unorganisiert. Sie stellten einzig den Versuch dar, sich von dem Regime zu befreien und sich einen Freiraum zu schaffen. Ebenso wie für die Swingkids bzw. Swingjugend galt es ihnen ihre eigene Identität zu erhalten.

Hans Steinbrück,
Günther Schwarz,
Gustav Bermel,
Johann Müller,
Franz Rheinberger,
Adolf Schütz,
Bartholomäus Schink,
Roland Lorent,
Peter Hüppeler,
Josef Moll,
Wilhelm Kratz,
Heinrich Kratina, Johann Krausen,
geb. 12. April 1921
geb. 26. August 1928
geb. 11. August 1927
geb. 29. Januar 1928 geb. 22. Februar 1927
geb. 03. Januar 1926
geb. 25. November 1927
geb. 12. März 1920
geb. 09. Januar 1913
geb. 17. Juli 1903
geb. 06. Januar 1902
geb. 15. Januar 1906
geb. 10. August 1887

Ab den 40er Jahren wurde verstärkt gegen die "Rebellen" vorgegangen. Am 07.12.1942 wurden in Düsseldorf zehn Gruppen mit insgesamt 283 Jugendlichen, in Duisburg zehn Gruppen mit 260 Jugendlichen, in Essen und Wuppertal je vier Gruppen mit 124 bzw. 72 Jugendlichen aufgelöst. Gegen 140 wurde ein Strafverfahren beantragt und drei ältere, davon zwei "jüdische Mischlinge" ersten Grades, wurden in Schutzhaft genommen und kamen in ein Konzentrationslager. Das höchste Ausmaß gegen die Edelweißpiraten wurde am 27. Oktober 1944 erreicht. An diesem Tag wurden dreizehn "Piraten" in Köln gehängt.

Bis heute kommt den Edelweißpiraten, anders als bei vielen anderen Widerstands-Gruppen, kaum Ehre und Ruhm für ihre Taten zugute und sie erlangten nie die Popularität wie die Mitglieder der "Weißen Rose".



     
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