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Sommer 1943
Von richtungsweisender Bedeutung für die weitere Luftkriegsstrategie der Westalliierten war die auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 beschlossen "kombinierte Bomberoffensive" gegen das Deutsche Reich und gegen die von ihm kontrollierten Gebiete. Dieses Strategiekonzept legte die Prioritäten für ein gemeinsames Vorgehen amerikanischer und britischer Bomberverbände fest. Untersuchungsergebnisse unterschiedlicher Zielplanungsstäbe hatten für die künftigen Luftangriffe sogenannten Schlüsselindustrien wie den Flugzeugbau, Kugellager- oder Gummifabriken vorgeschlagen. Als vorrangiges Ziel wurde zunächst jedoch die Zerschlagung der deutschen U-Bootindustrie und Luftrüstung festgelegt. In beiden Fällen handelte es sich um Zielsetzungen, die aufgrund der von den deutschen U-Boote ausgehenden Gefahr für die alliierte Nachschubschiffahrt und im Hinblick auf die Niederschlagung der deutschen Lufthoheit über Europa und dem Reichsgebiet für eine weitere Fortführung des Kriegs von einer damals noch aktuellen Bedeutung waren. Für das britische Bomber Command hatte man als Hauptaufgabe die Durchführung von Flächenangriffen auf deutsche Industriezentren festgelegt, während sich die amerikanische 8. US-Luftflotte auf Tagangriffe gegen Industrie- und Verkehrsziele beschränken sollte. Von richtungsweisender Bedeutung für die weitere Luftkriegsstrategie der Westalliierten war die auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 beschlossen "kombinierte Bomberoffensive" gegen das Deutsche Reich und gegen die von ihm kontrollierten Gebiete. Dieses Strategiekonzept legte die Prioritäten für ein gemeinsames Vorgehen amerikanischer und britischer Bomberverbände fest. Untersuchungsergebnisse unterschiedlicher Zielplanungsstäbe hatten für die künftigen Luftangriffe sog. Schlüsselindustrien wie den Flugzeugbau, Kugellager- oder Gummifabriken vorgeschlagen. Als vorrangiges Ziel wurde zunächst jedoch die Zerschlagung der deutschen U-Bootindustrie und Luftrüstung festgelegt. In beiden Fällen handelte es sich um Zielsetzungen, die aufgrund der von den deutschen U-Boote ausgehenden Gefahr für die alliierte Nachschubschiffahrt und im Hinblick auf die Niederschlagung der deutschen Lufthoheit über Europa und dem Reichsgebiet für eine weitere Fortführung des Kriegs von einer damals noch aktuellen Bedeutung waren. Für das britische Bomber Command hatte man als Hauptaufgabe die Durchführung von Flächenangriffen auf deutsche Industriezentren festgelegt, während sich die amerikanische 8. US-Luftflotte auf Tagangriffe gegen Industrie- und Verkehrsziele beschränken sollte. Mit einem Angriff auf die Krupp-Metropole Essen in der Nacht vom 5. auf den 6. März 1943 fand der erste große Schlag des britischen Bomber Command gegen das Ruhrgebiet statt. 442 zumeist viermotorige Maschinen waren gestartet und flogen das Ziel an. Mittels OBOE, einem Anfang 1943 im Bomber Command eingeführten leitstrahlgesteuerten Zielfindungssystem, konnte die Stadt Essen von zweimotorigen Mosquitos mit farbigen Zielmarkierungsbomben gekennzeichnet und von den nachfolgenden Maschinen bombardiert werden. Über 470 Menschen starben bei diesem Angriff in Essen sowie im Umland der Stadt - es war dies die bisher höchste Anzahl von Todesopfer bei einem einzigen Angriff auf eine deutsche Stadt. Aber auch 37 britische Besatzungsmitglieder verloren bei diesem ersten folgenschweren Angriff auf das Ruhrgebiet ihr Leben, 36 weitere wurden als vermißt gemeldet und 17 gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Bis Ende Juli 1943 erfolgten ähnlich umfangreiche Nachtangriffe auch auf Duisburg, Dortmund, Bochum, Oberhausen, Mühlheim, Gelsenkirchen und wiederholt auf Essen. Im Herbst 1943 konstatierte der Führungsstab des Bomber Command rückblickend, dass es innerhalb der "Battle of the Ruhr" sogar eine eigene "Battle of Essen", nach damaliger britischer Formulierung »the blast furnaces of the devil« [»die Hochöfen des Teufels«], gegeben habe. Aber auch die Bevölkerung der rheinischen Großstädte Köln und Düsseldorf mußten zahlreiche schwere Bombardierungen über sich ergehen lassen, da die Briten das Rheinland und darüber hinaus den gesamten westdeutschen Raum, also auch Städte wie Aachen, Krefeld, Münster, Mönchengladbach und Wuppertal, als "Ruhr area" ansahen. Bis auf die Stadt Hagen im Südosten des Industriegebiets hatte das Bomber Command im Frühjahr und Sommer 1943 sämtliche Großstädte an Rhein und Ruhr bombardiert und das Erscheinungsbild dieser Gemeinwesen nachhaltig verändert. In einer Spezialoperation, der Operation "Chastise" ["Züchtigung"], gelang es dem Bomber Command in der Nacht zum 17. Mai 1943, die massiv gebaute Staumauer der Möhne-Talsperre zu zerstören. Bei einem konzentrierten Flächenangriff auf die bergische Metropole Wuppertal am 29./30. Mai 1943 entstand im Stadtteil Barmen dann erstmals das Phänomen des sog. Feuersturms, dem in der vom Krieg bis dahin kaum betroffenen Stadt rd. 3500 Menschen zum Opfer fielen. Anläßlich eines Großangriffs von 540 Maschinen des Bomber Command auf Köln fanden in der Nacht vom 28./29. Juni 1943 mindestens 4377 Menschen den Tod. Eine derartig große Anzahl von Todesopfern bei einem einzigen Angriff war auf deutscher Seite bis dahin kaum vorstellbar gewesen. Nicht nur die innenpolitischen Rückwirkungen, die zu einem allmählichen Zerfall der kommunalen Verwaltungsstrukturen zugunsten der NSDAP führten, waren kennzeichnend für eine kritischer werdende Lage während der "Battle of the Ruhr", sondern besonders auch die schwerwiegenden Schäden in der im Rhein-Ruhr-Gebiet ansässigen Rüstungsindustrie offenbarten eine ernste Krise. Das Ruhrgebiet nahm u.a. für den Bau von Panzern und Geschützen, aber auch für den U-Bootbau sowie als Zulieferregion für die Luftrüstung eine große Bedeutung ein. Aber auch die Steinkohleförderung und andere Industriezweige zählten zu den besonders kriegswichtigen Produktionssparten im Deutschen Reich, von deren möglichst reibungsloser Funktion mehr oder weniger die gesamte Kriegswirtschaft abhing. Die von Albert Speer als Rüstungsminister im Frühjahr und Sommer 1943 eingeleiteten Hilfsmaßnahmen für die erstmalig im bisherigen Kriegsverlauf stark angeschlagene Ruhrindustrie zeigten in der Regel unmittelbar nach den schweren Bombenangriffen Wirkung. Seit Sommer 1943 waren Zehntausende von OT-Angehörige sowie ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter Kontrolle des Rüstungsministeriums bzw. des "Ruhrstabs" in den Städten und Industriebetrieben des Rhein-Ruhr-Gebiets mit Wiederaufbau- und Reparaturarbeiten beschäftigt. Zu einem größeren Einsatz der OT kam es außer beim Wiederaufbau der Möhne-Talsperre z.B. auch nach der Bombardierung des BUNA-Werks in Marl-Hüls im Juni 1943 (ca. 700 OT-Leute) und bei der Instandsetzung der im Oktober des Jahres durch einen britischen Nachtangriff schwer beschädigten, für die deutsche U-Bootrüstung wichtigen Akkumulatoren-Fabrik in Hagen (ca. 1000 OT-Leute). Eine vollständige Verlagerung von besonders kriegswichtigen Industriebetrieben aus dem von weiteren Bombardierungen bedrohten Rhein-Ruhr-Gebiet - z.B. der Krupp-Werke in Essen, der DEMAG in Duisburg, der Akkumulatoren-Fabrik in Hagen und des Bochumer Vereins - in "luftsichere" Gebiete, wie z.B. in das damalige Protektorat Böhmen und Mähren sowie in das Generalgouvernement in Rest-Polen, konnte trotz Planungen nicht realisiert werden. Den Verlagerungsvorhaben stand in den vorgesehenden Ausweichregionen zumeist das Fehlen einer für die Aufnahme von leistungsfähigen Produktionzahlen notwendigen rohstoffmäßigen, energiewirtschaftlichen und verkehrstechnischen Anbindung entgegen. Die Hinwendung des Bomber Command zu Großangriffen auf Hamburg im Juli und August 1943 sowie auf Berlin ab September des gleichen Jahres verschaffte dem Rhein-Ruhr-Gebiet allerdings eine Erholungspause, so dass die Folgeschäden in der Produktion bis Herbst 1943 weitgehend beseitigt werden konnten. Ralf Blank Website "Battle of the Ruhr" Literatur: |
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