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20. Juni 1991
Knapp elf Stunden diskutierten die Politiker bis die Entscheidung des Deutschen Bundestages mit 338 zu 320 Stimmen für den Umzug nach Berlin fiel. Bis 1999 sollte der Bundestag und die Regierung vom Rhein zur Spree umsiedeln. Für Bonn waren Ausgleichszahlungen von etwa 2,8 Mrd. DM vorgesehen und im Mai 1992 wurde das Konzept "Wissenschaftsregion Bonn" vorgestellt. Ebenso sollten die Ministerien Bildung und Forschung; Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; Gesundheit; Ernährung, Landwirtschaft, Forsten; Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; und Verteidigung in der ehemaligen Hauptstadt verbleiben, etwa 60 % aller Dienstposten der Bundesregierung. Von den 77 Botschaften sind noch 38 in Bonn verblieben. Zehn Jahre nach dem Beschluss hat sich die Stadt Bonn gemausert und wird als Boom-Town betitelt. Der Strukturwandel von der Hauptstadt zur Wissenschaftsstadt mit internationalem Ansehen ist vollzogen.
Heute ist Bonn Sitz von sieben UN-Organisationen und mehreren internationalen Schulen. 2003 soll in Bonn das erste Forschungszentrum der Vereinten Nationen in Deutschland errichtet werden. Dieses Zentrum wird Naturkatastrophen, wie u.a. Erdbeben, Waldbrände und Überschwemmungen erforschen. Weitere Organisationen haben sich hier angesiedelt, wie u.a. das Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) und das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF). Die Deutsche Telekom hat ihren Hauptsitz in Bonn und die Deutsche Post AG baut neben dem "Langen Eugen" den Post-Tower, der mit seiner Höhe von 160 m sogar den Kölner Dom überragt. Die Universität ist mit 38.000 Studenten neben Köln und Münster die drittgrößte. Früher wurde Bonn oft und gerne als das "Bundesdorf vom Rhein" verspottet. Heute kann es mit einer Arbeitslosenquote von sechs Prozent, 15.000 neuen Arbeitsplätzen innerhalb von zehn Jahren und etwa 600 neuen Firmen der IT-Branche glänzen. Die Sorge, dass die Immobilienpreise in den Keller gehen und viele Bürogebäude leer stehen könnten, war unberechtigt. Die Innenstadt ist belebt und die Gastronomien haben Hochkonjunktur. Das Regierungsviertel soll durch den Post-Tower und durch die Deutsche Welle, die sich im Schürmann-Bau eingezogen ist, wieder aufgewertet werden. Die Rheinländer können wahrlich sagen: " Et hätt noch emmer jotjejange". Sorge bereitet der Stadtteil Bad Godesberg. Die ehemaligen
Villen der Diplomaten werden zwar langsam verkauft, aber viele Kaufhäuser
in der City müssen mangels Kundschaft geschlossen werden. Die derzeitige
Bürgermeisterin B. Dieckmann verwies in einem Interview auf die bedeutenden
Jahre in Bonn und, dass die deutsche Politik hier so erfolgreich wie nie
zuvor in der Geschichte unseres Landes funktioniert hat: Ina Schaefer |
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