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Stadtplanung in Nordrhein-Westfalen

Eine Folge der Herrschaft der Nationalsozialisten war die weitgehende Zerstörung der Industrie- und Großstädte im Westen Deutschlands. Von der Zerstörung waren weniger die kriegswichtigen Industriegebiet als vielmehr wesentliche Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung, das Verkehrs und Transportsystem und vor allem der Wohnungsbestand betroffen.

Nach 1945 begann der Neu- bzw. Wiederaufbau der Städte, wobei die noch vorhandene und verwertbare Infrastruktur, die Kanalisation, die Versorgungsleitungen und die Verkehrswege genutzt wurden. Nach der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahre 1946 förderte das Ministerium für Wiederaufbau vor allem den Bau von Bergarbeiterwohnungen sowie die Instandsetzung von Wohnungen, während es für Neubauten nur bescheidene Mittel zur Verfügung stellte. Zugleich unterstützte das Ministerium den Bau von Kleinsiedlungen (Wohnhaus mit Stall und Gartenland), um dadurch Familien, insbesondere den Flüchtlingsfamilien, eine dauerhafte Ansiedlung und einen gewissen Grad an Selbstversorgung zu ermöglichen.

Entscheidende Anstöße zum Wiederaufbau kamen von der Währungsreform im Jahre 1948, vom ersten Wohnbaugesetz 1950 sowie von der Förderung des Wohnungsbaus durch die öffentliche Hand. Die Stadtplanung selbst wurde von moderneren Vorstellungen beeinflußt: städtebauliches Leitbild der 1950er Jahre war die gegliederte und aufgelockerte Stadt mit ihrer Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten und Erholen.

Im Zeichen der 'autogerechten Stadt', die den Bedürfnissen des Autoverkehrs Vorrang einräumte, wurden Ringstraßen oder Tangenten, Durchbrüche neuer Straßen und Straßenverbreitungen, selten Hochstraßen gebaut. In einigen Großstädten wurde das Konzept der 'Neuen Stadt' verwirklicht und Großsiedlungen weit vor der Stadt errichtet wie etwa in Köln-Chorweiler. Überhaupt dehnen sich die Städte ins Umland aus, wobei die Förderung des Eigenheims und des Einzelwohngebäudes das Wachstum am Stadtrand verstärkten. Im Verlauf der Gebietsreform der späten 1960er und der 1970er Jahre kam es zu umfangreichen Eingemeindungen bzw. Zusammenschlüsse, durch die 41 neue Städte entstanden. Heute besitzen zwei Drittel aller Kommunen in Nordrhein-Westfalen die Bezeichnung 'Stadt'; über 90 % der Bevölkerung lebt in Städten, so dass Nordrhein-Westfalen ein so gut wie vollständig verstädterter Raum ist.

Volker Ackermann

Literatur:
Horst Matzerath,'Stadtentwicklung' in: Nordrhein-Westfalen. Landesgeschichte im Lexikon, Düsseldorf 1993, S.388-394.
Peter Klefisch, "Ehrendienst und Trümmrmühle"- Enttrümmerung und Wiederaufbau in: Nordrhein-Westfalen. Ein Land in seiner Geschichte. Aspekte und Konturen 1946-1996, Münster 1996, S.115-119.
Jörg Füchtner, Restaurativ oder modern ? - Der Wiederaufbau der Innenstädte, in: Nordrhein-Westfalen. Ein Land in seiner Geschichte. Aspekte und Konturen 1946-1996, Münster 1996, S.120-122.

     
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