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5. September 1977
RAF (Rote Armee Fraktion) entführt Schleyer in Köln

 
Hanns-Martin Schleyer in dem Videofilm, den die RAF von ihrem Gefangenen aufzeichnete.

Die RAF überzog die Bundesrepublik mit einer nicht gekannten Terrorwelle, deren Höhepunkt die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 war. Dabei ging die Entstehung der RAF auf die Studentenbewegung der 60er Jahre zurück, die eine urdemokratische und friedliche Bewegung war.

Die Brandsätze in zwei Frankfurter Kaufhäusern 1968 waren die erste Tat der RAF. Im Mai 1970 wurde die gewaltsame Befreiung des inhaftierten Brandstifters Andreas Baader aus der Bibliothek des Zentralinstituts für soziale Fragen in Berlin die Gründungstat der RAF. Ihre Mitglieder gingen in den Untergrund, überfielen Banken zur Finanzierung ihrer Aktionen und entführten und ermordeten Symbolfiguren der Gesellschaft. Für die Terroristen war Mord "politische Hinrichtung". Sie strebten einen Umbruch des aus ihrer Sicht kapitalistischen Systems an. Die RAF orientierte sich an dem bolivianischen Konzept der "Stadtguerilla", das für den revolutionären Kampf gegen Militärdiktaturen entwickelt worden war. In Camps der PLO in Jordanien wurden die RAF-Mitglieder im Untergrundkampf ausgebildet.

Der Staat rüstete zur Gegenwehr: die Polizei wurde ausgebaut, Fahndungsnetze geknüpft und der Geheimdienst operierte in der Sache - oft zumindest am Rande der Legalität. Im Mai 1972 fanden weitere Attentate statt: der Bundesrichter Buddenberg, der für die Verfolgung der RAF zuständig war, wurde ermordet und Hauptquartiere der US-Stützpunkte in Deutschland angegriffen. Die Köpfe der Terroristengruppe Baader-Meinhof, Andreas Baader, Holger Meins, Jan-Carl Raspe und Gudrun Enslin, konnten inhaftiert werden, doch die zweite Generation rückte nach.

Ihr Terror fand seinen Höhepunkt im "deutschen Herbst" des Jahres 1977, an dessen Ende die Spitze der ersten RAF-Generation im Gefängnis Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden wurden. Die Ermittlungen ergaben, dass es sich um Selbstmord gehandelt hatte. Der Terrorismus hatte den Staat bis an den Rand des emotionalen Ausnahmezustands gebracht. Generalbundesanwalt Siegfried Buback wurde erschossen. Ebenso der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, nachdem ein Entführungsversuch gescheitert war. Dann wurde Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer in Köln entführt. Die Lage spitzte sich noch zu, als palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine "Landshut" entführten, um RAF-Terroristen freizupressen. Bundeskanzler Schmidt blieb hart und ließ sich nicht erpressen. Das Bundesverfassungsgericht lehnte einen Antrag von Schleyers Sohn ab, die Stürmung der Lufthansa-Maschine zu verbieten. Am 18. Oktober 1977 befreite die GSG 9 die Geiseln aus der Maschine in Mogadischu. Daraufhin wurde Schleyer ermordet aufgefunden.

Nach dieser Aktion gab es Auflösungserscheinungen der RAF. Aussteiger flohen oft in die DDR, wo sie ein bürgerliches Leben führten. Nach der Wende wurden sie enttarnt. Doch das Morden ging weiter. Die Opfer waren Gerold von Braunmühl, Alfred Herrhausen und zuletzt 1991 Karsten Rohwedder. Die Bundesregierung führte Gespräche mit den Terroristen, die letztlich erfolgreich waren. In einem Papier vom März 1998 heißt es: "Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerrilla in Form der RAF ist nun Geschichte."

Rebecca Lammers

Literatur:
Hans-Peter Feldmann: Die Toten: 1967 - 1993, Düsseldorf 1998.
Tobias Wunschik: Baader-Meinhofs Kinder: die zweite Generation der RAF, Opladen 1997.

     
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