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1954

"Rock around the clock" - Rock 'n' Roll-Kultur

 
Revolutionäre Tanzschritte Im Nachkriegsdeutschland:
"Rock n' Roll".

Er galt als zügellos und unanständig, schien Sitte und Moral zu untergraben und die Jugend zu verderben. Die Geburtsstunde des Rock 'n' Roll (engl. "wiegen und rollen") war im April 1954, als Bill Harley seinen Titel "Rock around the clock" aufnahm, der die populäre Tanzmusik der Nachkriegszeit prägen sollte. Seine Musik war eine Mischung aus Blues und Country, rhythmisch mitreißend und damit äußerst günstig zum Tanzen. Die Songtexte thematisierten die laut dröhnende Musik selber: den Rock ‚n' Roll - er war die Aufforderung, rund um die Uhr zu tanzen. Die Aufforderung zum Schwitzen, Stampfen, zur rhythmischen Bewegung - und eindeutige sexuelle Anspielungen standen im krassen Gegensatz zur bisher gespielten Musik, den Schlagern und Chansons.

Zum Rock ‚n' Roll gehörte jedoch nicht nur die Musik an sich: die Jugendlichen verbanden ein ganzes Lebensgefühl mit dieser neuen Form der Tanzens. Dazu gehörte auch das passende Outfit mit Schmalzlocken, Lederjacken und Röhrenhosen. Sie rauchten, tranken Coca Cola und entsetzten die älteren Generationen mit aggressiver Hemmungslosigkeit und Ungehorsam gegen bestehende Normen.

Rock ‚n' Roll blieb nicht alleine Bill Harley: zu den Hits der ersten Stunde gehörte ebenso Chuck Berrys "Maybellene", Fats Dominos "Ain't it a Shame" und "Only You" von den "Platters". Später kam auch der exzentrische "Little Richard" mit "Tutti Frutti" hinzu. Bekanntestes Idol des Rock ‚n' Roll sollte jedoch 1954 ein anderer werden: Elvis Presley. Er wurde nicht nur zum Musikstar, sondern mit seinem berühmten Hüftschwung (daher auch der Name "Elvis the Pelvis" - Elvis das Becken) auch das neue Sexsymbol für die amerikanischen Teenager. Seine Stimme, atemlos und ungeduldig mit starkem rhythmischen Ausdruck elektrisierte die jugendlichen Fans.

Erst Jahre später fand der Rock ‚n' Roll seinen Weg aus den USA nach Deutschland. Bei einer Deutschlandtournee von Bill Harley zertrümmerten randalierende Jugendliche die Konzertsäle in Berlin, Hamburg, Essen und Stuttgart. Auch die zur gleichen Zeit erschienenen Filme mit den "zornigen jungen Männern" Marlon Brando und James Dean taten ihr übriges, um die Rock ‚n' Roll -Lebenseinstellung bekannt zu machen. Dennoch fand der Rock ‚n' Roll in Deutschland nur vergleichsweise wenig Anhänger. Die Mehrheit der deutschen Jugendlichen blieb durchaus vernünftig und angepaßt; die meisten hörten dann doch eher sittsame Lieder, beispielsweise von Caterina Valente, die zum Vorbild unzähliger Heranwachsender wurde.

Karen Bayer

Beatles Film

Literaturhinweis:
Faulstich, Werner, Vom Rock ‚n' Roll Bis Bob Dylan. Tübinger Vorlesungen zur Rockgeschichte. Teil I 1955-1963, Gelsenkirchen 1983.

     
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