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Nordrhein-Westfalen 1945-2000
Noch vor der Kapitulation der Wehrmacht richtete die US- amerikanische Besatzungsmacht in der Rheinprovinz eine deutsche Provinzialregierung ein, an deren Spitze sie am 30. April 1945 den ehemaligen Oberpräsidenten Hans Fuchs berief. Als mit der endgültigen Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen die Rheinprovinz teils der französischen und teils der britischen Zone zugewiesen wurde, zog die Provinzialregierung von Bonn nach Düsseldorf um. Fuchs wurde von den Briten entlassen, und der ehemalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Robert Lehr zu seinem Nachfolger bestimmt. In Münster beauftragte die Militärregierung am 5. Juli 1945 den früheren Regierungspräsidenten Rudolf Amelunxen mit der Bildung einer Provinzialregierung für Westfalen. Die Alliierten hatten bei ihren Planungen zur Neuordnung Deutschlands ihr Augenmerk frühzeitig auf das rheinisch- westfälische Industriegebiet gerichtet. Frankreich verlangte eine Internationalisierung und darüber hinaus die Abtrennung linksrheinischer Gebiete. Es fand dabei die Unterstützung der Sowjets, die sich auf diesem Wege einen Zugang zum industriellen Ballungsraum an der Ruhr verschaffen wollten. Eine solche Machtverschiebung lag keineswegs im Interesse der USA und Großbritanniens. Sie reagierten auf die französischen Forderungen nur sehr zurückhaltend. Ihr Ziel war es in erster Linie, die Produktion von Kohle zu steigern und diese für den Wiederaufbau Deutschlands zu verwenden. Außerdem hielten sie ein Rumpfdeutschland ohne die Industriegebiete im Westen nicht für lebensfähig und fürchteten im Falle weiterer Zerstückelung kommunistische Unruhen und Umsturzversuche. Während der Pariser Außenministerkonferenzen
im Frühjahr und Sommer 1946 setzte sich bei den Briten endgültig
die Meinung durch, dass eine weitgehende Kontrolle der Wirtschaft an Rhein
und Ruhr geeigneter wäre, als der von Frankreich favorisierte Rhein-Ruhr-Staat.
Die deutsche Seite, deren Ansichten zur Kenntnis genommen wurden, hatte zu diesem Problem unterschiedliche Standpunkte vertreten. In Westfalen war die Mehrheit der Bevölkerung gegen einen Zusammenschluß mit dem Rheinland. Hier hatte man noch bis in den Juli 1946 hinein Pläne eines Landes unter Einschluß von Lippe, Osnabrück und Südoldenburg verfolgt. Lediglich eine kleine Gruppe um den münsterischen Oberstadtdirektor Karl Zuhorn und Landesrat Helmut Naunin sprach sich für die Verbindung mit dem Rheinland aus. Ihr Rahmenplan vom Mai 1946 war diktiert von den politischen Notwendigkeiten, die Internationalisierung des Ruhrgebietes und die Aufteilung der Provinz Westfalen abzuwenden. Unter den rheinischen Politikern traten vor allem der Oberpräsident Robert Lehr und der Kölner Oberbürgermeister Pünder für die Verbindung Rheinland-Westfalen ein. Ihre Argumente waren getragen von der Sorge, daß die Nordrheinprovinz möglicherweise in eine vom übrigen Deutschland weitgehend abgeschnittene Randstellung ohne wirtschaftliches, agrarisches Hinterland geraten könne. Hinzu kamen Wünsche der rheinischen Industrie, die aus verkehrstechnischen Gründen eine feste Verklammerung mit den rechtsrheinischen Gebieten verlangte, und das Bestreben, die französischen Absichten zu vereiteln. Seinen heutigen Umfang erhielt das neue Land, als im Januar 1947 nach umständlichen Verhandlungen und unter mancherlei Sonderkonditionen das Land Lippe angeschlossen wurde. Der Bestand des neuen Landes war anfangs keineswegs unumstritten. Manche Politiker und vornehmlich Industrielle hielten einen auf das Industriegebiet zugeschnittenen Staat für zweckmäßiger. Andere lehnten das Land ab, sahen in ihm nur ein Provisorium, eine Übergangserscheinung bis zur endgültigen Regelung der deutschen Staatsfrage. Einige andere Länder befürchteten, das volkreiche, wirtschaftlich starke Nordrhein-Westfalen könne künftig die Rolle Preußens übernehmen. Nationalliberale sahen in dem Land ein Hindernis auf dem Weg zur Wiedervereinigung, Sozialdemokraten für den von ihnen angestrebten zentralistischen Staatsaufbau eine Gefahr durch ein überwiegend katholisches Land, das u.a. eine extrem föderalistische Politik betreiben könnte. Noch 1954 wurde für den Fall einer Neugliederung der Bundesländer und der dann als unvermeidlich angesehenen Auflösung des Landes Rheinland-Pfalz allen Ernstes eine Trennung von Westfalen und Rheinland erörtert. Die anfangs unübersehbaren Spannungen zwischen den beiden Landesteilen wurden durch die mit Recht als "Element der Einheit Nordrhein-Westfalens" bezeichnete Landschaftsverbandsordnung von 1953 entschärft. Heute steht die Einheit des Landes nicht mehr zur Diskussion,
auch wenn sich ein nordrhein-westfälisches Gemeinschaftsgefühl
nur langsam entwickelt. Literatur: |
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