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09. November 1989
Wenige Ereignisse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
und dem Beginn des Kalten Krieges haben Deutschland in der Form geprägt
wie der Bau der Mauer im August 1961 und dem fast schon überraschenden
Fall im Herbst 1989.
Innerhalb kürzester Zeit überschlugen sich die Ereignisse. Am 13.08.1961 um 1.54 Uhr wurde ein S-Bahn-Zug aus der Richtung Staaken in Richtig der Sowjetzone wieder zurückgeführt. Eine Minute später wurde die Meldung durchgegeben, dass der S-Bahn-Verkehr in beide Richtungen am Bahnhof Gesundbrunnen eingestellt wurde. Andere Bahnhöfe folgten. In den frühen Morgenstunden sammelten sich Truppen an der Sektorengrenze und Absperrungen wurden mit Stacheldraht errichtet. Das Ziel von Walter Ulbricht, den Fluchtweg in den Westen zu versperren, wurde damit erreicht. Insgesamt waren in den vorangegangenen Jahren mehr als 1,6 Mio. Menschen der DDR in den Westen geflohen. Der Ausspruch von Walter Ulbricht im Juni 1961: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten..." hatte sich als scheinheilig erwiesen.
Vom Westen wurde der Bau der Mauer als "eine für
alle Welt sichtbare Niederlage des kommunistischen Systems bewertet. Die
zu erwartende Gegenreaktion blieb aus. Es wurden keine Forderungen und
kein Ultimatum gestellt. Schlagzeilen lauteten: "Der Osten handelt-
was tut der Westen? Der Westen tut nichts!" Am 16.08.1961 versammelten
sich 300.000 West-Berliner zu einer Protestversammlung vor dem Schöneberger
Rathaus. "Wir sind schutzbedürftig. Wo sind die Schutzmächte?",
"Genug der Proteste. Jetzt laßt Taten sprechen." oder
"Was muß noch geschehen, damit etwas geschieht?" stand
auf Spruchbändern. Die folgenden Jahren waren von vielen tragischen Ereignissen
und Schicksalen begleitet. Erst zwei Jahre nach dem Bau am 19.12.1963
wurde ein Passierscheinabkommen getroffen, dass die Grenzüberquerung
von West nach Ost regelte, weitere Abkommen folgten im Dezember 1964 und
1965.
Noch im Januar 1989 verkündete Honecker, die Mauer würde noch in 100 Jahren bestehen, wenn sich nicht die Bedingungen ändern würden, die zu der Errichtung geführt hätten. Und Anfang Februar kam es noch zum letzten Todesopfer an der Mauer. Die ersten Lücken, zunächst zwar nur innerhalb der Stacheldrahtzäune an der Grenze zu Österreich von Ungarn und Polen, entstanden im Mai 1989. Am 11.09. wurde offiziell von der ungarischen Regierung die Öffnung der Grenzen zu Österreich erklärt. Der Eiserne Vorhang zerfiel! Über die sich öffnenden Ostblockstaaten gelang für viele Bürger der DDR die Flucht in die deutschen Botschaften und damit der Weg in die Freiheit. Die Demonstrationen und Proteste nahmen zu. Selbst Gorbatschow, die Symbolfigur für den Wandel des Ostblocks, verkündete: "Wer zu spät kommt, bestraft das Leben".
Das entscheidende Datum markierte der 9. November. Ein Mitglied des Polibüros, Günter Schabowski, verkündete vollkommen überraschend und wie sich heraus stellte ungeplant, dass Privatreisen ins Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden können. Die ständige Ausreise konnte nun über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen. Die Meldung des Tages: DDR öffnet Grenze! Menschen strömten in den Westen bzw. nach Berlin. Ost und West feierte gemeinsam diesen historischen Moment an der Mauer, auf der Mauer und rissen sie nach über 27 Jahren nach der Errichtung ein. Reste des Mauerwerks als ein Relikt des Kalten Krieges wurden zu einem beliebten Souvenir in aller Welt.
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