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Alle Artikel dieser Epoche

09. November 1989
Die Mauer - Ein Rückblick

 
Grenzhäuschen, heute im Alliierten Museum in Berlin.
 

Wenige Ereignisse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Kalten Krieges haben Deutschland in der Form geprägt wie der Bau der Mauer im August 1961 und dem fast schon überraschenden Fall im Herbst 1989.
Mit dem Bau wurde der Höhepunkt der seit 1945 sich verschärfenden Berlinkrise - die Einteilung von Berlin in vier Sektoren, Luftbrücke...- erreicht. Berlin rückte erneut ins Zentrum des Ost-West-Konfliktes. Die Trennung Deutschlands beendete die Flüchtlingsströme aus den Ostgebieten, die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung und belastete die Bevölkerung in einer unvorstellbaren Art und Weise. Der Bau der Mauer symbolisierte endgültig die Teilung Deutschlands. Eine "friedliche" Einigung und Lösung rückte damit in weite Ferne. Bilder, wie das von dem Soldaten, der über den Stacheldraht sprang während der Bauphase, als auch die sich gegenüber stehenden Panzer am Grenzübergang Checkpoint Charlie, haben sich unauslöchlich ins Gedächtnis gebrannt.

 
Hinweisschild für die Zonen.

Innerhalb kürzester Zeit überschlugen sich die Ereignisse. Am 13.08.1961 um 1.54 Uhr wurde ein S-Bahn-Zug aus der Richtung Staaken in Richtig der Sowjetzone wieder zurückgeführt. Eine Minute später wurde die Meldung durchgegeben, dass der S-Bahn-Verkehr in beide Richtungen am Bahnhof Gesundbrunnen eingestellt wurde. Andere Bahnhöfe folgten. In den frühen Morgenstunden sammelten sich Truppen an der Sektorengrenze und Absperrungen wurden mit Stacheldraht errichtet. Das Ziel von Walter Ulbricht, den Fluchtweg in den Westen zu versperren, wurde damit erreicht. Insgesamt waren in den vorangegangenen Jahren mehr als 1,6 Mio. Menschen der DDR in den Westen geflohen. Der Ausspruch von Walter Ulbricht im Juni 1961: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten..." hatte sich als scheinheilig erwiesen.

 
Mauerstück mit Wachturm; heute im Alliierten Museum in Berlin.
 

Vom Westen wurde der Bau der Mauer als "eine für alle Welt sichtbare Niederlage des kommunistischen Systems bewertet. Die zu erwartende Gegenreaktion blieb aus. Es wurden keine Forderungen und kein Ultimatum gestellt. Schlagzeilen lauteten: "Der Osten handelt- was tut der Westen? Der Westen tut nichts!" Am 16.08.1961 versammelten sich 300.000 West-Berliner zu einer Protestversammlung vor dem Schöneberger Rathaus. "Wir sind schutzbedürftig. Wo sind die Schutzmächte?", "Genug der Proteste. Jetzt laßt Taten sprechen." oder "Was muß noch geschehen, damit etwas geschieht?" stand auf Spruchbändern.

Die folgenden Jahren waren von vielen tragischen Ereignissen und Schicksalen begleitet. Erst zwei Jahre nach dem Bau am 19.12.1963 wurde ein Passierscheinabkommen getroffen, dass die Grenzüberquerung von West nach Ost regelte, weitere Abkommen folgten im Dezember 1964 und 1965.
Dramatische Fluchtversuche dokumentieren die Unzumutbarkeit dieses Regimes und der Lebensumstände in der DDR. So z.B. der qualvolle Tod von Peter Fechter, der ein Jahr nach dem Mauerbau bei der Flucht angeschossen wurde und direkt an der Ostseite der Mauer verblutete oder die Flucht über Tunnelaktionen, in umgebauten Autos oder über den Luftweg mit selbstgebauten Heißluftballons oder Flugmobilen. Insgesamt glückten über 5000 Fluchtversuche. Die Zahl der Todesopfer betrug 239.

Registrierte Flüchtlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone bzw. Antragssteller

   1949 (ab. Sep.)
   1950
   1951
   1952
   1953
   1954
   1955
   1956
   1957
   1958
   1959
   1960
   1960 (1.1.-15.8.)

129.245
197.788
165.648
182.198
331.390
184.198
252.870
279.189
261.622
204.092
143.917
199.188
159.730

Noch im Januar 1989 verkündete Honecker, die Mauer würde noch in 100 Jahren bestehen, wenn sich nicht die Bedingungen ändern würden, die zu der Errichtung geführt hätten. Und Anfang Februar kam es noch zum letzten Todesopfer an der Mauer. Die ersten Lücken, zunächst zwar nur innerhalb der Stacheldrahtzäune an der Grenze zu Österreich von Ungarn und Polen, entstanden im Mai 1989. Am 11.09. wurde offiziell von der ungarischen Regierung die Öffnung der Grenzen zu Österreich erklärt. Der Eiserne Vorhang zerfiel! Über die sich öffnenden Ostblockstaaten gelang für viele Bürger der DDR die Flucht in die deutschen Botschaften und damit der Weg in die Freiheit. Die Demonstrationen und Proteste nahmen zu. Selbst Gorbatschow, die Symbolfigur für den Wandel des Ostblocks, verkündete: "Wer zu spät kommt, bestraft das Leben".

 
Checkpoint Charlie.
 

Das entscheidende Datum markierte der 9. November. Ein Mitglied des Polibüros, Günter Schabowski, verkündete vollkommen überraschend und wie sich heraus stellte ungeplant, dass Privatreisen ins Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden können. Die ständige Ausreise konnte nun über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen. Die Meldung des Tages: DDR öffnet Grenze! Menschen strömten in den Westen bzw. nach Berlin. Ost und West feierte gemeinsam diesen historischen Moment an der Mauer, auf der Mauer und rissen sie nach über 27 Jahren nach der Errichtung ein. Reste des Mauerwerks als ein Relikt des Kalten Krieges wurden zu einem beliebten Souvenir in aller Welt.


   "Die Falle aus Beton und Draht
    Ist lang und eine Sünde
    Ich habe in sie mit reingebaut
    Zorn, Träume und viel Gründe."

    Wolf Biermann, 1965

 

     
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