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5. Juni 1947
Der Marshallplan

 
Zeitgenössisches Plakat zum Marshallplan.

Nach dem Kriegsende rang die Bevölkerung Deutschlands um ihr Überleben. Viele Wohnhäuser waren zerstört, genauso die Verkehrswege und Produktionsanlagen. Die Ernährungslage war schlecht, ebenso die Versorgung mit anderen Lebensnotwendigkeiten wie Kleidung. Besonders die Ballungsräume im Rheinland und das Ruhrgebiet waren vom Nahrungsmittelmangel betroffen, da sie von Lieferungen aus dem Umland abhängig waren. Die Militärregierung plante die Bewirtschaftung und Verteilung der wenigen Güter. Sowohl die deutsche Wirtschaft als auch die Verwaltung hatte sich nach ihren Vorgaben zu richten.

Obwohl die Rede von US-Außenminister Byrnes vom September 1946, in der er ein nachhaltiges Engagement der Amerikaner in Europa ankündigte, die Franzosen zu einer konstruktiveren Deutschlandpolitik aufforderte (Die Franzosen hatten bislang eine Stärkung Deutschlands kategorisch abgelehnt.) und die Zusammenlegung der amerikanischen und britischen Zone in Aussicht stellte, Hoffnung gemacht hatte, ging 1947 die Intention der Alliierten insgesamt noch nicht in Richtung Wiederaufbau einer leistungsfähigen Industrie, sondern war nur die Anhebung des Lebensstandards der Bevölkerung auf die Hälfte des Vorkriegsniveaus. Diese Politik, die u.a. auf die Vorstellungen des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau zurückgingen, der Deutschland in ein agrarisch geprägtes Land umwandeln, die Industrie zerstören und zu diesem Zweck die Bevölkerung des Ruhrgebiets durch niedrigere Lebensmittelzuweisungen zur Auswanderung in andere Teile Deutschlands zwingen wollte, hatte vor allem Auswirkungen für das hochindustrialisierte und dichtbesiedelte Rhein-Ruhr-Gebiet.

Denn obwohl dieser Plan schon bald offiziell abgelehnt wurde -schon im Herbst 1944 hatte er den Zenit seines Einflusses überschritten -, prägte sein Geist die Deutschlandpolitik der Alliierten bis 1947. Dem Charme der Idee von Deutschland als einem friedlichen Kartoffelacker ohne kriegstreibendes Potential konnten viele nach diesem schrecklichen Krieg wohl schwer widerstehen. So wurde 1946 ein Industrieplan für Deutschland festgelegt, nach dem die Produktion auf 50-55% der Produktion von 1938 begrenzt sein sollte. Für die Friedenswirtschaft nicht unbedingt notwendige Industrieanlagen wurden erfaßt und für die Demontage vorgesehen. Bis Herbst 1950 liefen die Demontagen, paradoxerweise also noch zwei Jahre, nachdem Deutschland massiv mit Geldern des Marshallplans, der am 5. Juni 1947 als European Recovery Program verkündet worden war, unterstützt wurde. Dennoch war der Marshallplan so erfolgreich, dass er zusammen mit der sozialen Marktwirtschaft und der Währungsreform als direkte Voraussetzung für das folgende deutsche "Wirtschaftswunder" gilt.

 
Wie hier in Witten, wurden Betriebe aus Mitteln des Marchallplans wieder aufgebaut.
 

Die Einsicht, dass Deutschland ohne Wiederaufbauhilfe die Steuerzahler des eigenen Landes auf Dauer belasten würde, bewirkten ein Umdenken in Amerika. Großbritannien hatte schon 1947 die Kosten für seine Besatzungszone nicht mehr tragen können und die Amerikaner um Hilfe bitten müssen - ein Grund für die Schaffung der Bizone. Außerdem wurde befürchtet, daß Massenarmut den Kommunismus begünstigen könnte. So entwickelte George Marshall, der neue amerikanische Außenminister, einen Aufbauplan für Europa, der so erfolgreich die Demokratie und den Wohlstand in den westeuropäischen Ländern festigen sollte. Er erkannte, dass die europäische Wirtschaft sich nicht ohne die deutsche erholen konnte und verstand es, indem er die Hilfe auf ganz Europa ausweitete, vom Kongress mehr Gelder bewilligt zu bekommen und auch Frankreich auf seine Seite zu ziehen.

Die osteuropäischen Länder und die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands durften unter dem Druck des Sowjetunion nicht am Marshallplan teilnehmen.

Rebecca Lammers

Literatur:
Martina Köchling: Demontagepolitik und Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen, Essen 1995.

 

     
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