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17. Juli 1946
"Warum Düsseldorf" fragen sich manche Kölner heute noch. Die Entscheidung der britischen Militärregierung, Düsseldorf 1946 zur Hauptstadt des neu gegründeten Landes NRW zu machen, war wohl eher ein Zufall. Mit Köln und Münster standen sicherlich noch andere Orte zur Auswahl, die diese Funktion für sich beanspruchen konnten. Überwiegend pragmatische Gründe, wie die günstige Verkehrslage und die im Vergleich zu Köln geringere Zerstörung, mögen den Ausschlag gegeben haben. Dabei waren die Düsseldorfer gar nicht begeistert, als die Entscheidung der Militärregierung bekannt wurde. Zumal die Nachricht überraschend kam, denn es gab keine schriftliche Benachrichtigung der ansonsten sehr korrekten Briten an die deutsche Verwaltung, sondern nur zwei Radiomitteilungen. Der Oberstadtdirektor der Stadt Düsseldorf verneinte, "jemals ein Dokument gesehen zu haben, in dem der Stadt diese Rangerhöhung offiziell mitgeteilt worden wäre". Über die Ernennung Düsseldorfs zur Landeshauptstadt gibt es also kein offizielles Papier und so gilt die Berliner Pressekonferenz vom 17. Juli 1946 als entscheidendes Datum. Der damalige Düsseldorfer Oberbürgermeister und spätere Ministerpräsident von NRW, Karl Arnold, kommentierte die Entscheidung mit dem Hinweis auf die unmittelbaren Opfer und Entbehrungen, die auf die Bürger zukommen würden. Zusätzliche Verwaltungs- und Behördenräume müssten bereitgestellt werden. Das war nicht einfach, denn bei Kriegsende war Düsseldorf eine Trümmerstadt: rund die Hälfte aller Gebäude waren zerstört, alle Rheinbrücken gesprengt und der Fluss verstopft mit Brückentrümmern und Schiffswracks. Demzufolge war Wohnraum knapp, nicht jeder hatte ein Bett, der Verkehr war praktisch zusammengebrochen und die Bevölkerung hungerte. Dennoch wollte Karl Arnold auch die positiven Seiten daran sehen, daß Düsseldorf Landeshauptstadt sein sollte. Als Chance sollten die Düsseldorfer die "Beförderung" ihrer Stadt begreifen, die treibend und schöpferisch wirken könne. Die Probleme bei der Organisation landeshauptstadtlicher Pflichten zeigten sich u.a. bei der Unterbringung des Landtages. Zunächst trafen sich die Abgeordneten im Opernhaus, dann im Gesoleisaal, dem Theatersaal von Henkel. Dort mußten die Politiker sich bei der Nutzung mit den städtischen Bühnen und den Filmvorführern der britischen Armee, die aus dem Saal ein Kino machten, zeitlich abstimmen. Mobiliar mußte für die einzelnen Sitzungen herangeschafft und wieder abtransportiert werden. Sitzungen wurden unterbrochen, weil vor der Tür schon britische Soldaten auf eine Filmvorführung warteten. Die Instandsetzungsarbeiten am alten Ständehaus wurden zwar schon 1947 aufgenommen, aber erst 1949 konnten die Abgeordneten, wohl einigermaßen erleichtert, dort einziehen. Heinz Kühn beschreibt die Zustände 1948 so: "An Plenartagen gab es zum Frühstück ein paar Scheiben Brot, etwa 20 Gramm Butter und einen Esslöffel Marmelade, zu Mittag meist zeitgemäßen Eintopf oder eine dünne Suppe mit problematischen Würstchen...Erst als ein älterer Abgeordneter in der vorderen Reihe einschlief und dabei mit Stuhl und Tischplatte zu Boden stürzte, was bei dem spärlichen Licht und der miefigen Luft nicht wenigen passierte, erhielt jeder nach dem Essen aus den beschlagnahmten Beständen des Grenzschmuggels eine einzige Tasse Bohnenkaffee."
Das Ständehaus, in das der Landtag schließlich einzog, war aber in den frühen Jahren Nordrhein-Westfalens das einzige Gebäude, das für Landeszwecke genutzt wurde. Sonst herrschte noch das Provisorium: die Landeskanzlei und das Innenministerium fand man im Mannesmannhaus, das Sozialministerium im Haus der Provinzial an dessen Rückseite, das Wirtschaftsministerium saß in der Commerzbank, das Wiederaufbauministerium in der Jugendherberge in Oberkassel und das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Kaserne. Rebecca Lammers
Literatur: Stadtmuseum Düsseldorf: 1946 Neuanfang: Leben in Düsseldorf. Begleitband zu der Ausstellung anläßlich des 40jährigen Bestehens der Landeshauptstadt Düsseldorf und des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 1986. Walter Hensel: 3 x Kommunalpolitik. 1926-1964, Köln 1970. Heinz Kühn: Aufbau und Bewährung. Die Jahre 1945-1978, Hamburg 1981. |
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