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Unternehmensgeschichte
Kemal Sahin - Der größte türkische Unternehmer Deutschlands

 
   

Seit Mitte der 50er Jahre kamen verstärkt Gastarbeiter nach Deutschland. Viele verließen nach einigen Jahren wieder das Land, vor allem die Italiener und andere, überwiegend die türkische Bevölkerung, ließ sich dauerhaft in Deutschland nieder. Mittlerweile wohnt die dritte Generation in der Bundesrepublik. Ab den 70er Jahren kamen nicht mehr nur die "Gastarbeiter" nach Deutschland, sondern auch vermehrt junge Studenten, die z.T. durch ein Stipendium die Möglichkeit eines Studienplatzes bekamen. Heute nimmt die Türkei eine der vorderen Herkunftsländer von ausländischen Studierenden ein. In der Bonner Universität (38.500 Studenten) rangiert die Türkei an zweiter Stelle nach China (370) mit 339 Studenten von insgesamt über 5.000 ausländischen Studenten. In der in Universität in Köln sieht es ähnlich aus. 1039 Studenten der 6652 (15,62 %) ausländischen Studierenden kommen aus der Türkei. Zu dieser Kategorie gehörte auch der türkische Immigrant Kemal Sahin.

 
Kemal Sahin bei einer Preisverleihung.
 

Kemal Sahin (geboren 1955 in der Türkei) kam 1972/73 nach Deutschland. Er hatte ein Stipendium erhalten und wollte in der Republik Ingenieurwissenschaften studieren. Mit dem Ende seines Studiums wurde er aufgefordert das Land zu verlassen. Allein die Gründung eines eigenen Geschäfts konnte die Ausreise verhindern. Mit 5000 DM Anfangskapital, verdient aus der Arbeit im Bergbau in den Semesterferien, eröffnete er im Jahr 1982 in Aachen einen Geschenkeladen von 30 qm Größe, aus dem sich die Großhandelsfirma Santex Moden GmbH entwickelte. So konnte er der drohenden Abschiebung entgehen. Bis heute folgten weitere 26 Firmengründungen weltweit. 360 Filialen verteilen sich in ganz Europa und Sahin ist der Eigentümer dieser Unternehmensgruppe, Sahinler Group. Insgesamt werden 11.500 Angestellte beschäftigt. Der jährliche Gesamtumsatz liegt bei 1,1 Mrd. Euro. Sahinler Group rangiert an 31. Stelle der weltweit größten Textilunternehmen. Eine Vorbildstellung nimmt Kemal Sahin auch im sozialen Engagement ein. Er unterstützt Intergrationsprojekte und die Erdbebenopfer der Türkei. 1997 wurde er für seine Leistungen vom Manager-Magazin zum "Unternehmer des Jahres" gewählt. Zu dem Geheimnis seines Erfolges nennt er die Verbindung von zum einen eher typisch deutschen Tugenden: Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit mit den eher typisch türkischen: Freundlichkeit, Offenheit und Flexibilität.

Die Bedeutung von türkischen Selbständigen nimmt stetig zu und bedeutet heute einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Vor 15 Jahren erzielten sie einen Umsatz von 17,2 Mrd. DM, bis 2001/02 hat sich der Betrag fast verdreifacht auf über 50 Mrd. DM. Mehr als 40 % der Mitarbeiter in den türkischen Firmen sind nicht-türkischer Herkunft. Damit wird das häufige Vorurteil, dass Ausländer Deutschen den Arbeitsplatz wegnehmen revidiert, denn für die Selbständigen gilt: sie schaffen Arbeitsplätze. Esref Ünsal, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Türkischer Unternehmer in Europa (ATIAD) prognostiziert:
"In den kommenden zehn Jahren wird es einen Boom geben, der 350.000 Arbeitsplätze schaffen wird".

Der Boom der türkischen Unternehmensgründungen begann in den 80er Jahren. In dieser Zeit fassten viele den Entschluss in Deutschland zu bleiben und investierten ihr Erspartes anstelle in ein Eigenheim in der Türkei lieber in die Gründung einer eigenen Firma bzw. in einen Familienbetrieb. So sind heute 4/5 der selbständigen Türken entweder Einzelhändler, Gastwirte oder kleine Dienstleister. Erstaunlich: allein die ca. 10.000 Dönerbuden erzielten 1996 mit einem Umsatz von 3,6 Mrd. DM einen größeren Gewinn als die Fastfood-Kette McDonald´s. Die Quote der deutschen und türkischen Selbständigen liegt in etwa gleich auf, bei ca. 9,2 %.

Ina Schaefer

Literatur:

Sahin, Kemal: Der Falke in der Fremde. Der größte türkische Unternehmer in Deutschland, München 2002
Financial Times:
www.ftd.de/selbstaendige


     
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  Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 07.03.2003