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3. April 1947
Hungerstreiks

 
Streikwelle im Revier: Essener Bürger demonstrieren wegen der schlechten Versorgungslage.

Die schwerste Prüfung für die hungernden Menschen war der Winter 1946/47, in dem nach drei schweren Frostwellen die Transportwege nahezu vollständig zusammenbrachen. Im Ruhrgebiet wurden lange Zeit Tagesrationen von nur 800-1000 Kalorien ausgegeben, was aber nicht verhindern konnte, dass die Nahrungsmittel in den Depots auf den Bestand von wenigen Tagen zusammenschmolzen. Im Frühling gingen dann die Vorräte von der vorjährigen Ernte letztlich zu Ende und die alliierten Hilfslieferungen erwiesen sich als nicht ausreichend.

Die hungernden Menschen gingen an vielen Orten auf die Straße, um ihrer Erbitterung Luft zu machen und die Weltöffentlichkeit auf die katastrophale Lage in Deutschland aufmerksam zu machen. Im Februar begannen die ersten Hungermärsche in Essen und im März begann im gesamten Rhein-Ruhrgebiet eine Flut von Demonstrationen und Streiks. Verteilt über einen Zeitraum von zwei Wochen streikten etwa einer Millionen Arbeiter in fast allen Städten des Ruhrgebiets und am 3. April 1947 kam es zu einem Generalstreik, der rund 300.000 Bergleute und 120 Zechen betraf.

Am 28. März kam es zu Hungerdemonstrationen in Düsseldorf, am 31. folgten Hagen, Wuppertal, Wetter und Krefeld. Am 1. April streikten die Kölner und Dortmunder zusammen mit den Duisburgern und der Bevölkerung aus Gelsenkirchen.

 
Gelsenkirchener protestieren gegen die Ernährungssabotage.
   

Tatsächlich versuchten nichtstaatliche Organisationen aus dem Ausland Lebensmittelhilfe für das total zerstörte und aus eigener Kraft nicht überlebensfähige Deutschland zu leisten. Mit Geschenksendungen sollte die schlimmste Not der Menschen gelindert werden. Am bekanntesten sind hier wohl die CARE-Pakete geworden. Auch die Militärregierungen der besetzten Gebiete leiteten Hilfsleistungen: die britische Armee organisierte ab März 1946 eine Kinderspeisung aus eigenen Lebensmittelbeständen. Diese Maßnahme wurde später auch in der amerikanischen Zone eingeführt.

Rebecca Lammers

 

 

Literatur:
Alexander von Plato, Almut Leh: Ein unglaublicher Frühling. Erfahrene Geschichte im Nachkriegsdeutschland 1945-1948, Bonn 1997

 

 

     
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