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1955 Mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder
und der zunehmenden Nachfrage nach deutschen Produkten weltweit, wurden
Arbeitskräfte knapp. Ab Ende der 50er Jahre herrschte in Deutschland
sogar nahezu eine Vollbeschäftigung. Die große Anzahl an Arbeitern,
die aus der Reihe der Flüchtlinge
aus den ehemaligen Ostgebieten und der DDR stammten, konnte den Bedarf
im Laufe der 50er Jahre nicht mehr decken. Um der Arbeitskräfteverknappung
entgegen zu wirken, wurden zunächst auch Kräfte aus der Landwirtschaft
für die Industrie herangezogen.
Die ausländischen Arbeiterkräfte, die zwischen 1955 und 1973 von deutschen Unternehmen und verschiedenen Initiativen im Ausland angeworben wurden, wurden als Gastarbeiter bezeichnet. Dieser Ausdruck verfestigte sich schnell im deutschen Sprachgebrauch. Insgesamt nahm NRW etwa ein Drittel der angeworbenen Ausländer auf, im Vergleich dazu kamen 21 % nach Baden-Württemberg. Auch in NRW selber war die regionale Verteilung sehr unterschiedlich. Zumeist waren die Gastarbeiter als Hilfsarbeiter im verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe oder im Dienstleistungssektor tätig. Im Bergbau waren zwar mit 3,7 % 1961 nur relativ wenige beschäftigt, jedoch 1981 war jeder zweite Bergarbeiter bei der Ruhrkohle AG ein Ausländer.
Der eine Millionste Gastarbeiter, der Portugiese Amando Sá Rodrigues, kam am 10. September 1964. Er wurde auf dem Kölner Bahnhof begrüßt und bekam von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber ein Moped, eine "Zündapp Sport Combiette" und einen Blumenstrauß geschenkt. Als sich Anfang der 70er Jahre eine Rezession
mit drohender Arbeitslosigkeit abzeichnete, verfügte die Bundesregierung
am 23.11.1973 über einen Anwerbestop, der noch heute gültig
ist. Seither können Drittstaaten i.a. nicht mehr zur Arbeitsaufnahme
nach Deutschland einreisen. Seit Ende der 50er Jahre bis in die 70er Jahre
kehrten 14 Mio. Gastarbeiter (ca. 80 %) wieder in ihr Heimatland zurück.
Von den Italienern verließ ein Großteil wieder Deutschland;
anders bei der türkischen Bevölkerung, trotz Rückkehrprämien
blieben sie überwiegend in der Bundesrepublik und ließen ihre
Familien nachkommen. Ina Schaefer |
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