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Herbst 1946
Das 1946 gegründete Bundesland Nordrhein-Westfalen hieß in den 1950er Jahren auch `Flüchtlingsland der Bundesrepublik. Im Vergleich zu anderen Bundesländern lebten dort die meisten Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten (etwa 2,4 Mio.) sowie Flüchtlinge bzw. Zuwanderer aus der DDR. In der unmittelbaren Nachkriegszeit nahm dieses Land- im Gegensatz zu den Hauptaufnahmeländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern- nur wenige Vertriebene auf, da das Ruhrgebiet und weite Teile des Rheinlandes wegen der Kriegsschäden gesperrt waren. Erst mit den organisierten Transporten seit dem Herbst 1946 kamen viele Vertriebene vor allem in die ländlichen Gebiete Ost-Westfalen, Lippe und Sauerland. Die Landwirtschaft, das ländliche Gewerbe und der Bergbau boten ihnen eine erste Beschäftigung; im Jahre 1949 war jeder neunte Bergmann ein Vertriebener. Im Jahre 1949 wurde in Ost-Westfalen vom Evangelischen Hilfswerk die Flüchtlingsstadt Espelkamp gegründet, nicht nur um den Vertriebenen eine neue Heimstatt zu geben, sondern auch um dem strukturschwachen Raum neue wirtschaftliche Impulse zu geben. Die von der englischen Besatzungsmacht zu Eingliederung aufgeforderte Landesregierung konnte die Vertriebenen auf dem damals von Arbeitskräftemangel gekennzeichneten Arbeitsmarkt gut einsetzen, seit Ende der 1940er Jahre vor allem in den klassischen Industriezentern an Rhein und Ruhr. Dort hatten sie günstige Start- und Aufstiegschancen, und ihre Berufsposition verbesserte sich im Laufe der 1950er Jahre allmählich. Das gilt auch für die Flüchtlinge bzw. Zuwanderer aus der DDR, die bis zum Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 über die Hälfte des Wanderungsgewinns in Nordrhein-Westfalen ausmachten. Deren berufliche und soziale Struktur war sogar noch günstiger als die der Vertriebenen: es kamen Facharbeiter, Techniker, Ärzte, Hochschullehrer und Ingenieure. Ein expandierender Arbeitsmarkt begünstigte die Integration. In den großstädtisch-industriellen Regionen an Rhein und Ruhr, wo ein großer Teil der Bevölkerung früher selbst als Zuwanderer Fremdheitserfahrungen gemacht hatte, war die Aufnahme- und Integrationsbereitschaft höher als in ländlichen Regionen. Insgesamt gesehen trug die langfristig erfolgreiche Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge, die selbst meist aufstiegsorientiert und anpassungsbereit waren, Züge eines Einwanderungsprozesses innerhalb des gleichen Nationalverbandes. Volker Ackermann Literatur:
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