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10. Dezember 1972
Der Schriftsteller Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren und sah sich zeitlebens als Kölner, als politischen Bürger und kritischen Katholiken. Heinrich Böll gehört zu den renommiertesten Autoren der deutschen Nachkriegsgeschichte mit großer internationaler Anerkennung. Ihm wurde am 10. Dezember 1972 als erstem deutschen Autor der Nachkriegszeit der Nobelpreis für Literatur verliehen. Heinrich Böll, der während der gesamten Kriegszeit als Soldat gedient hatte, schrieb nach seiner Rückkehr aus dem Krieg 1945 zahlreiche Erzählungen und Kurzgeschichten, die in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. 1952 prägte er selbst den Begriff "Trümmerliteratur". Ab Anfang der fünfziger Jahre sammelte Böll Literaturpreise, zuerst 1951 den Preis der Gruppe 47 für sein Prosastück "Die schwarzen Schafe". Mit dieser satirischen Erzählung vom Außenseiter, dem seine Unabhängigkeit das wichtigste ist und der doch für seine Handlungen Verantwortung übernimmt, gab der Autor früh den Grundton seines Werkes an. Die ökonomischen Sorgen in jenen Jahren waren für den Familienvater Böll Anlass, auch für das Radio zu arbeiten. Er schrieb für den Kölner und Hamburger Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) Hörspiele, Features, las Erzählungen vor und rezensierte im Funk Bücher seiner Kollegen. Böll gehörte damit zu der jungen Autorengeneration, die medienübergreifend arbeitete und mit ihrer journalistischen Funkarbeit neue literarische Impulse in die traditionelle Buchliteratur einbrachte. Heinrich Böll machte sogar den Sprung zum Fernsehen und konzipierte Drehbücher zu Fernsehspielen. Der Hörfunk hatte sicher auch grenzüberschreitend zur Verbreitung von Bölls Literatur im zweiten deutschen Staat beigetragen. Der DDR-Autor Günter de Bruyn äußerte in einer Fernsehsendung 1997, dass Bölls Gestaltung der Kriegs- und Trümmerthematik für ihn literarische Vorbildfunktion hatte. Heinrich Bölls Schreiben und Leben waren von seinem Bewusstsein als politischer Staatsbürger geprägt. Zusammen mit dem Schriftsteller Paul Schallück setzte er sich in den fünfziger Jahren als Akt der Versöhnung und Menschlichkeit für die Einrichtung der jüdischen Bibliothek "Germania Judaica" in Köln ein. Nach der Radioausstrahlung der Satire "Nicht nur zur Weihnachtszeit" wurde Böll 1953 von der kirchlichen Rundfunkzentrale Bethel heftig angegriffen und fühlte sich missverstanden. Vor der öffentlichen Polemik und Hetze "flüchtete" Böll Mitte der Fünfziger nach Irland. Die Reise fand ihren literarischen Niederschlag in seinem Irischen Tagebuch, 1954-1957. Nach seiner Rückkehr nach Köln setzten sich die Kontroversen mit der katholischen Kirche und der CDU-Ostpolitik fort. Heftige Diskussionen löste Anfang der 60er Jahre beispielsweise Bölls Brief an einen Freund jenseits der Grenze aus. 1969 machte sich der Autor für die Wahl des SPD-Kanzlerkandidaten Willy Brandt stark. Weitere Debatten um Bölls literarische und publizistische Aktionen gab es zur Zeit der Terroristen-Fahndung in der Bundesrepublik der siebziger Jahre. 1974 erschien seine Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", die auch von Volker Schlöndorff und Margarethe v. Trotta verfilmt wurde. Hier ging Böll kritisch mit der Sensationspresse ins Gericht und stellte klar, dass das Recht des Individuums auf menschliche Würde, das bei skrupellosen Medienkampagnen oft verletzt wird, unantastbar ist. Die höchst politische Botschaft seiner Medienkritik brachte ihm jedoch nicht nur Beifall ein und er wurde selbst in den Medien als Sympathisant des Baader-Meinhof-Terrors diffamiert. Von der Internationalen Liga für Menschenrechte erhielt er 1974 für sein politisches Engagement die Carl von Ossietzky-Medaille. Sein Roman "Fürsorgliche Belagerung" (1979) befasste sich mit dem Spannungsverhältnis von Sicherheit und Totalität des Staates.
Böll demonstrierte immer wieder, dass er sich in seinem Verständnis von politischer Verantwortung nicht beeinflussen ließ: 1980 unterzeichnete er den Krefelder Appell zur Abrüstung, 1981 nahm er an der großen Friedenskundgebung in Bonn und 1983 an der Blockade des US-Militärstützpunktes in Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing 2-Raketen teil. Die Stadt Köln ernannte 1983 Heinrich Böll zu seinem 65. Geburtstag zum Ehrenbürger. Im gleichen Jahr wurde ihm von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen der Professorentitel verliehen. Heinrich Böll starb am 16.7.1985 im Alter von 67 Jahren an Embolie als Folge eines jahrelangen Gefäßleidens. Zu den wichtigsten Publikationen gehören u.a. die Erzählungen, Der Zug war pünktlich (1949), Das Brot der frühen Jahre (1955), Dr. Murkes gesammeltes Schweigen (1958), Ende einer Dienstfahrt (1964), Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974); die Hörspiele Die Spurlosen (1957), Zum Tee bei Dr. Borsig (1964), Hausfriedensbruch (1969); die Romane, Wo warst du, Adam? (1951), Haus ohne Hüter (1954), Billard um halbzehn (1959), Ansichten eines Clowns (1963), Gruppenbild mit Dame (1971). Posthum erschien 1985 sein letzter Roman in Dialogen und Selbstgesprächen Frauen vor Flusslandschaft. Ingrid Scheffler Quellen und Literaturhinweise:
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