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3. Oktober 1967
Die Studentenbewegung trug neuartige Protest- und Aktionsformen in die Nachkriegsgesellschaft, die aus den USA übernommen worden waren: "go-ins" und "sit-ins". Sie setzte sich hauptsächlich mit den Themen Vietnamkrieg, Hochschulreform und Notstandsgesetze auseinander. Zur Zeit der großen Koalition wurde außerdem eine "Außerparlamentarische Opposition" (APO) für nötig gehalten, um alternative politische Ideen zu entwickeln. Während der Hauptzeit der Bewegung, die ab 1965 anschwoll, setzte sich der Ministerpräsident von NRW, Heinz Kühn, in einer Landtagsdebatte am 3. Oktober 1967 mit dem Thema auseinander. Er kam zu dem Schluß: "Die Bereitschaft zum Engagement für die eigenen materiellen Interessen ist etwas, was der Jugend nicht genügt. Sie erlebt heute bei der Erwachsenengeneration allzu wenig Verständnis für die großen Probleme unserer Zeit. Sie hat auch das Gefühl, dass sich heute die Menschen in verantwortlicher Position nicht um die große Freiheit, sondern viel mehr um die kleinen Freiheiten bemühen, die das Leben angenehmer machen." NRW gehörte nicht zu den Zentren der Bewegung. So besagt eine Studie von 1973, dass der Großteil der Studenten an nordrhein-westfälischen Hochschulen mit der demokratischen Entwicklung der Bundesrepublik zufrieden seien, das Leistungsprinzip nicht, wie teilweise von der Presse lanciert worden war, verwerfe und das auch kein allgemeiner Linkstrend festzustellen gewesen sei.
Der Protest der Außerparlamentarischen Opposition (APO) richtete sich vor allem gegen den Vietnamkrieg und gegen die verzögerte Hochschulreform. Als der Schah von Persien Berlin besuchte, wurde der Student Benno Ohnesorg auf einer Gegendemonstration von einer Polizeikugel tödlich im Kopf getroffen. Die APO hatte einen Märtyrer. Dann wurde der Studentenführer Rudi Dutschke ebenfalls Opfer eines Attentats, an dessen Spätfolgen er Jahre später starb. In Berlin kam es zu den schwersten Ausschreitungen seit Bestehen der Bundesrepublik. Der Protest richtete sich ebenfalls gegen den Axel-Springer-Verlag als Herausgeber der Bild-Zeitung mit ihrer polarisierenden Sprache. Für die APO war der Springerverlag das reaktionäre Feindbild. Die APO löste sich nach Verabschiedung der Notstandsgesetze langsam auf. Was blieb, war der Geist der 68er, der für einen tiefgreifenden Wertewandel in der Gesellschaft stand. Vorübergehend waren von den Studenten Erfolge bei der Demokratisiertung der Universitäten erreicht worden, aber die große Zeit der Studentenbewegung dauerte nur rund fünf Jahre. Danach zerstreuten sich die Aktivisten der Bewegung in andere Gruppen. Die Erwartungen, die organisierten Arbeiter und Befreiungsbewegungen der Dritten Welt beeinflussen zu können, hatten sich nicht erfüllt. Eine Minderheit propagierte nun Gewalt als Mittel der gesellschaftlichen Veränderung. Sie gingen vom "Primat der Praxis" aus und lehnten Diskussionen in Hörsälen ab. Diese selbsternannten Freiheitshelden nannten sich seit 1971 RAF, "Rote Armee Fraktion".
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