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1180
Museum Schloss Rheydt

Das reizvoll in den Niederungen des Flusses Niers gelegene Wasserschloss Rheydt lockt mit seiner romantischen Parkanlage als ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel viele Besucher an.

 
Schloss Rheydt,
Blick auf die Loggia.
 

Seine kulturelle Bedeutung erlangte Schloss Rheydt vor allem durch seine eigenständige niederrheinische Renaissance-Architektur samt der bemerkenswerten Festungsanlage. Seit der letzten tiefgreifenden Renovierung präsentiert sich die Anlage von innen und außen in einer gelungenen Symbiose aus klassisch traditioneller und sachlich moderner Architektur.

Die Anfänge seiner Geschichte lässt sich mit der Entstehung der Motte, eine befestigte Sandinsel in der Niers, in das Jahr 1060 datieren; die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1180.

Wilhelm von Heppendorf ist der erste namentlich fassbare Eigentümer der Anlage Rheydt. Ihm folgten noch andere Adelsgeschlechter die Rheydt als ihr Domizil wählten, bis 1917 die Stadt Rheydt die Geschicke der Gebäude übernahm.
Die niederrheinische Adelsfamilie Bylandt bestimmte fast 300 Jahre das Geschick dieses Ortes, wobei Otto von Bylandt (um 1525-1591) nicht nur durch den von ihm initierierten Umbau des Bauwerkes zu einem repräsentativen Renaissanceschloss, das bedeutendste Familienmitglied war.
Sechs Bauphasen, von dem rechteckigen Wohnturm des 12.Jhd bis hin zum Renaissancebau des Architekten Maximilian Pasqualini (1534-1572) sind im Keller des Herrenhauses freigelegt und demonstrieren die Vergrößerungen und Veränderungen des Gebäudes von einer kleinen Wehrburg bis hin zu dem repräsentativen, herrschaftlichen Schloss.
Die gesamte Anlage bestand in ihrer größten Ausdehnung aus zwei Vorhöfen und einem vierseitig umbauten Hochschloss, wobei jeder Hofbereich von Wassergräften umschlossen war.
Ein Wall mit fünf unregelmäßigen Bastionen schützte die komplette Insel und verschob so die Verteidigungslinie vom Herrenhaus in eine vorgelagerte Region.

Es war das Verdienst des Maximilian Pasqualini, der mit viel Geschick die Bausubstanz der gotischen Burg durch Ergänzungen und Veränderungen in die ausgewogenen Proportionen der Renaissance umwandelte. Durch die von ihm angeordnete strenge Gliederung des Innen- und Außenraumes fügt sich alles zu einem homogenen Gesamtbauwerk.

So steht das um die Stockwerke laufende waagerechte Gesimse den horizontal gegliederten Kreuzstockfenstern ausgleichend entgegen. Der Erker des Nord-West-Flügels ist mit seinen giebelbekrönten Fenstern, der Säulengliederung und dem Triglyphenfries mit Formen der italienischen Hochrenaissance gestaltetet. Die Loggia in der Hofseite ruht auf acht wohlproportionierten Säulen und ist mit reichen Steinmetzarbeiten nach italienischen und niederländischen Stichvorlagen verziert.

Auch die Innenausstattung scheint den höfischen Ansprüchen des Eigentümers entsprochen zu haben. Bei den Renovierungsarbeiten wurden aufwendig gestaltete Kamine, prachtvoll gearbeitete Decken sowie Reste eines Plattenmosaikfußbodens freigelegt, die im direkten Zusammenhang mit dem Bau des Schlosses um 1566/1567 entstanden sind.
Besondere Beachtung verdient der Kanalbau der Toilettenanlage, der mit seinen geschlossenen Schächten und überwölbten Abwasserkanälen als beispielhaft für diese Zeit gilt.

 
 
Schloss Rheydt,
Blick auf den Erker.

Wahrscheinlich ist der Ausbau zu einer kompletten Renaissanceanlage nicht vollendet worden und auch die starke Befestigungsanlage hielt dem Ansturm des 30jährigen Krieges nicht stand.

1623 wurde die Bastion von spanischen Truppen geschliffen, die Hessen zerstörten 1647 Teile der Gebäude, die nicht mehr instand gesetzt wurden.

1917 erwarb die Stadt Rheydt das Gebäude und errichtet 1923 dort das städtische Museum.
1940/42 wurde für den Reichspropaganda-Minister während der
nationalsozialistischen Herrschaft Joseph Goebbels das Schloss umgebaut und neumöbliert, wobei die alte noch erhaltene Renaissanceausstattung entfernt wurde. Die von dem Architekten Fahrenkamp entworfene Inneneinrichtung zitierte die historischen Merkmale der Renaissance, doch wurden sie in überdimensionierter, kraftstrotzender, faschistischer Ästhetik übersetzt.
Diese Veränderungen wurden bei der Renovierung 1988 wieder behoben und wo die alte Substanz noch vorhanden war, wieder aufgebaut.
Heute ergänzen sich Ausstattung und Architektur zu einem geschlossenen Gesamteindruck, wodurch Schloss Rheydt als ein wichtiges Beispiele der Renaissance des 16. Jahrhunderts am Niederrhein geschätzt wird.
Die in den Räumen beherbergte Sammlung "Kunst und Kultur der Renaissance, des Barocks und Manierismus'" fügt sich nun wunderbar in das Ambiente des Herrenhauses ein.

Auch die Vorhöfe und die Kasematten werden museal genutzt.
In der Vorburg finden neben der Präsentation der Stadtgeschichte ständig Wechselausstellungen statt, die Torburg wird von Workshops und Kursen genutzt, die östliche Kasematte dient als Ausstellungsraum archäologischer Fundstücke.

Im Rahmen der EUROGA 2002plus werden die Sammlungen neu gestaltet und mit einem dreiteiligen Ausstellungsprogramm "Krieg und Frieden" begleitet.

Ute Gründler-Demond



Veranstaltungsplan 2003:
02. Feb. - 13. April 2003 "die farbe henna" (Eröffnung 11.30 Uhr)
02. Mai - 22. Juni 2003 "Keramik für Spargel" (Eröffnung 11.30 Uhr)
11. Mai - 29. Juni 2003 "4 women" (Eröffnung 19.30 Uhr)
15. - 18. Mai 2003 Haus und Garten-Festival in den Außenanlagen
29. Mai - 01. Juni 2003 Renaissancefest und -markt in den Außenanlagen von Schloß Rheydt
13. Juli - 28. Sept. 2003 "Hugo Junkers" (Eröffnung 11.30 Uhr)
12. Okt. - 23. Nov. 2003 "Otto Fournell" (Eröffnung 11.30 Uhr)
19. Okt. -23. Nov. 2003 "Martin Lersch - Links und rechts der Brücke - 22 Niersbilder" (11.30 Uhr)
6. + 7. Dez. 2003 Weihnachtsmarkt auf Schloss Rheydt "Kunst und Handwerk im Advent"
14. Dez. 2003- 25. Jan. 2004 Lithophanien aus der sammlung Harald Hansen (Eröffnung 11.30 Uhr)


Programm 1
und Programm 2


Adresse:
Städtisches Museum SCHLOSS RHEYDT       
Schlossstraße 508
41238 Mönchengladbach
Direktor: Dr. Carsten Sternberg
Tel.: 02166/928900 Fax: 02166/9289049
Öffnungszeiten:
Oktober bis März
Dienstag bis Samstag von 11-16.00 Uhr,
Sonntag 11.-18.00 Uhr
April bis September
Dienstag bis Sonntag von 11-19.00 Uhr
Anreise:
Bahn: bis Rheydt Hauptbahnhof, mit der Buslinie          016 (Richtung Korchenbroich) bis zum          Schloss
Auto: über die A 52 bis Mönchengladbach Nord,          Richtung Innenstadt und weiter Richtung          Rheydt - das Schloss ist gut ausgeschildert.

Preise:
Erwachsene 3,5 Euro
Kinder ab sechs Jahre 0,50 euro
Familien 3,5 Euro


     
[Impressum]
  Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 17.02.2003