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07. November 1225
Der Reichsregent und Erzbischof Engelbert I. von Köln wird erschlagen

 
Der Überfall auf den Erzbischof Engelbert I. von Köln am 7. November 1225 in dem Hohlweg am Gevelsberg; Gemälde des Kunstmalers Claus Meyer im Rittersaal von Schloss Burg, 1900.

Mit dem Namen des Erzbischofs Engelbert I. von Köln ist in der Geschichte vor allem das Ereignis seines spektakulären gewaltsamen Todes verbunden. Auf dem Rückweg von Soest nach Köln geriet der Kirchenfürst am späten Nachmittag des 07. November 1225 in einem Hohlweg am Fuß des Gevelsbergs zwischen Hagen und Schwelm in einen Hinterhalt und wurde brutal erschlagen. Der Anführer bei diesem Anschlag war ein Verwandter Engelberts, der Graf Friedrich von Isenberg. Mit ihm hatte sich Engelbert zuvor in Soest getroffen, um eine friedliche Einigung wegen der Vogtei über die Reichsabtei Essen zu erzielen, die Graf Friedrich nach damaligen Klagen eigennützig und zum Schaden der Essener Abtei missbrauchte. Doch die Verhandlungen scheiterten, da der Graf sich seine Vogteirechte nicht beschneiden lassen wollte.

Die mit überaus großer Brutalität ausgeführte Bluttat am Gevelsberg - man zählte seinerzeit allein an die 50 schwere, über den ganzen Leichnam Engelberts verteilte Wunden - hat schon die Zeitgenossen zutiefst bewegt. Walther von der Vogelweide, der Zeitzeuge und Sänger des Reiches, hat dem eigenen wie dem allgemeinen Entsetzen und der Empörung in Deutschland über diese zudem von einem Verwandten begangene schreckliche Bluttat mit folgenden Worten Ausdruck verliehen: "Ich preise sein Leben, und immer klage ich um seinen Tod. Weh dem, der den edlen Fürsten von Köln erschlug! O dass ihn die Erde noch tragen will! Ich weiß keine Marter groß genug für seine Schuld. Ein Eichenstrang um seinen Hals wäre ihm zu sanft. Ich will ihn nicht verbrennen noch ihn zerstückeln noch ihm die Haut abziehen, auch ihn nicht mit dem Rad zermalmen noch aufs Rad ihn flechten; ich warte nur jeden Tag, ob ihn die Hölle verschlingt." Es handelte sich ja auch nicht um irgendjemanden, der da umgebracht worden war. Engelbert war nicht nur ein "Gesalbter des Herrn" und mächtiger Erzbischof, sondern als Herzog über rheinisches und westfälisches Gebiet und Graf von Berg auch ein bedeutender Territorialfürst. Als Königsvormund und Reichsverweser repräsentierte er seinerzeit nach dem Kaiser zudem die höchste politische Autorität in Deutschland.

Über den äußeren Ablauf des Anschlags auf Engelbert sind wir durch den überlieferten Bericht eines Augenzeugen, nämlich des Schreibers des Grafen Friedrich, recht genau informiert. Danach hatte Friedrich von Isenberg durch einige vorausgeschickte Leute den Ausgang des Hohlwegs am Gevelsberg besetzen lassen. Als einer seiner Dienstmannen mit einem gellenden Pfiff das Zeichen zum Überfall gab, schöpfte Engelbert jedoch Verdacht und versuchte, zu Pferd durch den Hohlweg nach vorne zu entkommen. Er wurde aber eingeholt und von einem der Verfolger vom Pferd gerissen. Als der Erzbischof sich frei zu machen und seitlich in das Gebüsch zu fliehen suchte, stürzten sich die inzwischen herangekommenen Männer des Grafen auf den Flüchtenden. Sie hieben und stachen dabei auch noch auf ihn ein, als er bereits am Boden lag. Erst als er sich nicht mehr rührte, ließ man von ihm ab. Spät in der Nacht holten dann einige von der Begleitmannschaft des Erzbischofs, die zum Zeitpunkt des Überfalls größtenteils bereits zur Vorbereitung des Nachtquartiers in Schwelm vorausgezogen war, den Leichnam ihres Herrn. Die Gebeine Engelberts ruhen seit 1633 in dem damals fertig gestellten Reliquienschrein im Kölner Dom.

 
 
Der Überfall auf den Erzbischof Engelbert I. von Köln in dem Hohlweg am Gevelsberg;
Gemälde des Kunstmalers Otto Arnds, 1939.

Nach der von dem Zeitgenossen und Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach verfassten Engelbert-Biographie, der immer noch wichtigsten Quelle auch für den gewaltsamen Tod Engelberts, wurde der Erzbischof von seinem Verwandten umgebracht, weil er ihm seine kirchenvogteilichen Rechte nehmen wollte. Engelbert ist danach als Verteidiger der kirchlichen Rechte und Freiheiten gestorben und deshalb ein Märtyrer und Heiliger. Allerdings schrieb Caesarius seine Engelbert-Vita im Auftrag der Kölner Kirche, deren erklärte Absicht es war, von Rom die offizielle Heiligsprechung Engelberts zu erreichen, was ihr aber - bis heute - nicht gelang.

 
Siegel des Erzbischof Engelbert I. von Köln, 1218.
 
   

Die Geschichtsforschung vertritt heute überwiegend die Meinung, dass nicht der Streit um die Essener Kirchenvogtei die eigentliche Ursache und auch Graf Friedrich von Isenberg nicht der eigentliche Urheber des tödlichen Anschlags auf den Erzbischof war. Vielmehr wurde Engelbert wohl das Opfer einer Art Verschwörung vor allem westfälischer Adliger, die sich durch das energische landesherrliche Vorgehen des Kirchenfürsten in ihren überkommenen Herrschaftsrechten beschränkt oder zumindest bedroht sahen. Auch spricht einiges dafür, dass ursprünglich nur eine Gefangennahme Engelberts geplant war und sein Tod durch unglückliche Umstände bei der Ausführung des Überfalls und die Unbeherrschtheit einiger daran Beteiligter herbeigeführt wurde.

Gerhard E. Sollbach

Quellen und Literatur:
Leben, Leiden und Wunder des heiligen Engelbert von Köln von Caesarius von Heisterbach, hg. v. Fritz Zschaeck. In: Alfons Hilka (Hg.): Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach. 3. Bd. Bonn 1937, S. 223-328 (deutsch von Karl Langosch, Münster und Köln 1955).
Josef Lothmann: Engelbert I. von Köln (1216 - 1225). Graf von Berg, Erzbischof und Reichsverweser. Köln 1993 (Veröff. des Kölnischen Geschichtsvereins, 38).
Bernd Fischer: Engelbert II. Romerike Berge, H. 2 (Juni 1985).
Gerhard E. Sollbach: Der gewaltsame Tod des Erzbischofs Engelbert I. von Köln am 7. November 1225. Ein mittelalterlicher Kriminalfall. In: Jahrb. des Vereins für Ort- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, 93./94. Bd., 1995, S. 7-49.

     
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