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22. August 1293
Bierbraukunst in Dortmund

Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurde das helle Export-Lagerbier der Dortmunder Actien-Brauerei, genannt "Dortmunder Typ" ausgezeichnet. Schon ab 1879 exportierten die Dortmunder Bierbrauer nach Belgien, Holland, Frankreich, Indien, Japan und Australien und eroberten damit den Weltmarkt. Das Braurecht, das Privileg Bier brauen zu dürfen, wurde den Dortmunder Bürgern schon am 22.08.1293 von König Adolf von Nassau verliehen. Um 1400 gab es rund 13 Brauer, die das Bierbrauen als Nebenerwerb betrieben. Indem die Stadt das Monopol zum Bierbrauen an einzelne Bürger verteilte, entstanden die ersten gewerblichen Bierbrauereien.

Bier wurde schon seit etwa 4.000 v. Chr. gebraut, so waren die Sumerer, Babylonier, Ägypter, Römer - die das Bier allerdings als Germanentrank verabscheuten und ihren Wein vorzogen - und natürlich die Germanen mit der Bierherstellung vertraut. In hiesigen Regionen war Bier eine gängige Handelsware, dies belegen Funde bei Trier. Das Bier der damaligen Zeit war aber mit dem heutigen kaum zu vergleichen, denn es war wenig haltbar, trüb und schäumte fast gar nicht. Zusammen mit dem Brotbacken war das Bierbrauen in dieser Zeit Frauensache. Dies änderte sich im Mittelalter, als in Klöstern begonnen wurde Bier zu brauen. Mönche beschäftigten sich erstmals sozusagen wissenschaftlich mit der Herstellung von Bier. Sie verbesserten mit dem nahrhaften Getränk ihre kargen Mahlzeiten während der Fastenzeit und tranken dabei oft erstaunliche Mengen Bier, da Flüssiges immer erlaubt war.

Das Reinheitsgebot: Zunächst braute jede Brauerei ihr eigenes charakteristisches Bier, bei dem die verwendeten Zutaten stark variierten. Geriebene Eierschalen, Extrakte aus Tannenzapfen, Johanniskraut, Schlehe oder das berauschende Bilsenkraut sollten das Bier würziger machen. Diese Kräutermischungen nannte man Grut. Häufig schlugen die Versuche Bier zu Brauen fehl. Und weil man nichts von den biochemischen Prozessen wußte, die beim Brauen abliefen, machte man sogenannte Bierhexen für die Fehlschläge verantwortlich. Das Reinheitsgebot, das vom bayrischen Herzog Wilhelm IV. 1516 erlassen wurde, legte endgültig die Grundsubstanzen des Bieres fest: Wasser, Hopfen und Gerste. Heute kommt natürlich noch Hefe dazu. Die Verwendung des Hopfens brachte einen entscheidenden Vorteil: das bitterschmeckende Gewürz hat eine konservierende Wirkung, das Bier war länger haltbar. Hopfen ist der Naturheilkunde schon lange als Beruhigungsmittel bekannt. Kein Wunder: er ist ja auch der nächste botanische Verwandte der Cannabis-Pflanze. Es ging das Gerücht, der Sinn des Reinheitsgebotes habe darin gelegen, den beruhigenden Hopfen als Bierzutat festzulegen und so für ruhige Untertanen zu sorgen.

Die Erschließung der neuen Welt und die Modegetränke Tee, Kaffee und Kakao bedeuteten einen Niedergang für die Brautradition - auch in Dortmund. Mit der Einführung der untergärigen Braumethode 1843 und der Konzentration auf den Export ab 1870 kam ein erneuter Aufschwung, der den Dortmunder Brauereien Weltruhm brachte.

Nach 1945 hatten die Bierbrauer unter den ungeheuren Zerstörungen des Krieges zu leiden. Zunächst musste der Wiederaufbau bewerkstelligt werden, bevor an die Aufnahme der Produktion zu denken war. Aber auch dann hatte man noch mit Versorgungsengpässen zu kämpfen. So musste die Stammwürze aus Malz, die immer knapper wurde, schon zu Kriegszeiten von ursprünglich 12-13 % immer weiter auf 1,5 % gesengt werden. "Friedensbier" wurde erst wieder ab 1949 hergestellt. Zuvor gab es nur "bierähnliches Getränk" mit Molke als Ersatz für das so rare Malz.

Literatur:
Theo Lücker: Olle Kamelle beem Bier ze verzälle / jesammelt von Theo Lücker. Düsseldorf 1995.

     
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