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Richard Freiherr von Weizsäcker
1937/38 begann der Sohn eines Diplomaten mit dem Studium in Oxford und Grenoble. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat und erlebte im Infanterieregiment 9 den Beginn des Angriffs der Deutschen auf Polen. Nach dem Krieg studierte er weiter Jura und Geschichte in Göttingen. Er verteidigte als junger Anwaltsassistent seinen Vater bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Bis 1967 war er als Manager in der Industrie tätig und arbeitete danach als Rechtsanwalt. Engagement zeigte er besonders für die evangelische Kirchentagsbewegung und war von 1964-1970 und von 1979-1981 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 1969 wurde Weizsäcker, der 1954 der CDU beigetreten war, in den Bundestag gewählt. Diesem gehörte er bis 1981 an. Auf Vorschlag von Helmut Kohl wurde Weizsäcker 1966-1984 Mitglied des Bundesvorstandes der CDU. In der Funktion des Leiters der Grundsatzkommission der CDU (1972-1974) setzte er sich für eine Lockerung der CDU-Position in der Ost-Politik ein. Von 1973-1979 übernahm er den stellvertretenden Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion und war 1979-1981 Vizepräsident des Bundestags. 1974 kandidierte er erfolglos gegen Walter Scheel bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Von 1981-1983 war von Weizsäcker regierender Bürgermeister von Berlin. Er führte die von seinem Vorgänger Vogel geführte Politik der Integration und Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen fort. Im Februar 1984 trat er von diesem Amt zurück, nachdem er zum Kandidaten der CDU/CSU für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden war. Am 23.05.1984 wurde er von einer breiten Mehrheit von 832 von 1017 Stimmen zum 6. Bundespräsidenten gewählt. In dieser Position wollte er nicht nur repräsentativ wirken, sondern auch wichtige Denkanstöße geben. Mit deutlichen politischen Stellungnahmen machte er sich einen Ruf als hervorragender Redner. Besonders durch seine Rede vom 8.5.1985 zum Gedenktag der deutschen Kapitulation erlangte er internationale Anerkennung. Am 23.05.1989 begann seine zweite Amtszeit - er war bei der Wahl der einzige Kandidat gewesen. 1992 erregt von Weizsäcker mit seiner Parteienkritik Empörung unter Politikern, da er ihnen "Machtversessenheit" attestierte. 1994 übergab er das Amt an seinen Nachfolger Roman Herzog. Richard von Weizsäcker wurde 1994 mit dem Leo
Baeck-Preis und 1995 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet. Im Sommersemester
1996 übernahm er die Heinrich-Heine-Professur der Universität Düsseldorf.
Sie umfasste vier öffentliche Vorlesungen zum Thema "Europäische Entspannungspolitik
in Vergangenheit und Gegenwart". |
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