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Helene Stöcker
Als 22-jährige floh sie aus der Enge ihres Elberfelder Elternhauses nach Berlin und schloß sich dort der Frauenbewegung an. Sie besuchte ein Lehrerinnenseminar und machte ihr Abitur nach, obwohl zu dieser Zeit keineswegs klar war, daß sie dies auch zum Hochschulstudium berechtigen würde. Die Universitäten waren immer noch fest in der Hand der Männer, Frauen zum Studium nicht zugelassen. Tatsächlich fanden sich einzelne Professoren, die bereit waren, auch Frauen in ihren Vorlesungen zu dulden und so studierte Helene Stöcker von 1896-1899 Literaturgeschichte, Philosophie und Nationalökonomie und machte nach einigen Semestern in Bern 1901 ihren Doktor. Dieses Ereignis war herausragend und viele deutsche Zeitungen berichteten damals von dem "Fräulein Doktor Stöcker". Helene Stöcker eroberte sich als eine Intellektuelle des linken Flügels einen festen Platz in der Führungsriege der deutschen Frauenbewegung, gründete mehrere Vereine und war die Herausgeberin von Zeitschriften. Ein besonderes Anliegen war ihr die Beseitigung der gesellschaftlichen Ächtung nicht verheirateter Mütter und unehelich geborener Kinder unter dem Stichwort "Reform der sexuellen Ethik". "Sexualität" war ein Wort, das damals (1903) erst den deutschen Wortschatz eroberte. Sie wollte die gesellschaftlichen Zustände verändern, durch welche z.B. Prostitution, Geschlechtskrankheiten, Doppelmoral, die Entrechtung und Unterdrückung der Frau und erzwungene Enthaltsamkeit (durch das Beamtinnenzölibat oder den Unzuchts- und Kuppeleiparagraphen) möglich wurden. Ihre Vereine richteten Heime für Schwangere und ledige Mütter ein und bauten Beratungsstellen auf. Manchmal geriet sie dabei in Konflikt mit schon existierenden Organisationen der Frauenarbeit, die besonders auch im Rheinland ein hohes Niveau erreicht hatte. So hatte sie z.B. Schwierigkeiten, die Frauen in Düsseldorf für ihre Sache zu begeistern. Dennoch hielt sie am 05.03.1907, am 16.03.1913 und im September 1913 Vorträge. 1913 wurde die "Niederrheinische Ortsgruppe" gegründet, die ihre erste Versammlung in der Tonhalle abhielt. Im März 1918 besuchte Helene Stöcker Düsseldorf ein viertes Mal, wobei sich sich ein Redeverbot der dortigen Militärregierung einhandelte. Obwohl Helene Stöcker nie einer Partei oder einem Parlament angehörte, war ihre politische Wirksamkeit erstaunlich: durch ihre Kontakte zu Politikern einerseits und ihr Engagement in den Friedensgruppen, in denen sehr bedeutende Zeitgenossen - z.B. Albert Einstein - aktiv waren, andererseits. Vieles von dem, was Helene Stöcker durch ihre Mitarbeit
politisch in Bewegung gebracht hatte, besonders auf dem Gebiet Eherecht
(Gleichstellung unehelicher Kinder, Scheidung, Gleichberechtigung von
Mann und Frau) oder Sexualstrafrecht (z.B. §218 und §175), wurde
durch die NS-Dikatur wieder zunichte gemacht und mußte nach ihrem
Ende langwierig wieder neu erkämpft werden. Sie mußte erleben,
wie Freunde und Mitstreiter ermordet wurden und sah schon früh die
Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging: Literatur: |
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