|
Karlrobert Kreiten
Karlrobert Kreiten war ein außergewöhnlich
begabter Pianist. Als Sohn der Konzertsängerin Emmy Kreiten-Barido
und des Konzertpianisten und Komponisten Theo Kreiten wurde Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er mit 7 Jahren, und schon bald erwies sich sein Talent als außergewöhnlich. Bereits mit 11 Jahren trat er in einer Rundfunkübertragung aus dem Düsseldorfer Planetarium als Solist auf in Mozarts Klavierkonzert A-Dur. Mit 13 Jahren begann er ein Studium an der Musikhochschule in Köln und setzt es zwei Jahre später in Wien fort. Er gewann bereits sehr früh wichtige Klavierwettbewerbe. Mit 16 kann er sich in Wien gegen ca. 1000 Konkurrenten durchsetzen und wird im Frühjahr 1933 auch in Berlin mit dem rennomierten Felix-Mendelsohn-Preis ausgezeichnet. Unterrichtet von Hedwig Rosenthal-Kanner und Claudio Arrau wird er von der Fachwelt wie vom Publikum und der Musikkritik begeistert gefeiert. Seine Konzerte sind allesamt große Erfolge. Auf den Rat von Wilhelm Furtwängler, einem der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit, zieht er 1937 nach Berlin. Ihm steht eine glänzende Karriere bevor, die jedoch ein abruptes und brutales Ende nimmt. Eigentlich ein eher unpolitischer Mensch, kann er dennoch nicht die Augen vor dem nationalsozialistischen Unrechtsregime und der menschenverachtenden Propaganda verschließen. Im Frühjahr 1943, während eines privaten Gespräches im Hause einer Freudin seiner Mutter, die ihm in Berlin während eines Umzugs einen Raum zur Vorbereitung eines Konzertes zur Verfügung gestellt hatte, äußerte er seine kritische Meinung zum Nationalsozialismus, dass Hitler krank sei, und dass einem solchen Wahnsinnigen nun das deutsche Volk ausgeliefert sei. Zudem meint er, dass der Krieg in Kürze verloren sei. Nachdem die Gastgeberin über den Inhalt der Unterredung mit einer weiteren Freundin und einer Nachbarin gesprochen hatte, denunzierte die drei Frauen Karlrobert Kreiten bei der Reichsmusikkammer und, als das zu keiner Anklage führte, ein weiteres Mal beim Propagandministerium und der Gestapo. Am 3. Mai 1943 wird er verhaftet. Am 3. September wird er wegen "Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt. Die Verhängung der Todesstrafe kam selbst angesichts der unmenschlichen und jedes Recht ignorierenden Praxis der NS-Justiz und des Volksgerichtshofes überraschend. Aber angesichts des absehbaren Niedergangs von Nazi-Deutschland und der immer offenkundigeren Lügen-Propaganda sollte auf Einfluss höchster Stellen ein drastisches Urteil als abschreckendes Beispiel an einem Künstler vollzogen werden. Ganz offenkundig wurde das auch durch einen Artikel vom 20.9.1943, nur neinen Tag nach der Berichterstattung über Goebbels' Rede im Sportpalast zum "totalen Krieg" im Berliner "12-Uhr-Blatt" von Werner Höfer, in dem Karlrobert Kreiten zwar nicht namentlich erwähnt aber eindeutig gemeint ist. In dem Artikel "Künstler – Beispiel und Vorbild" es: "Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!" Werner Höfer, der in verschiedenen Nazi-Zeitungen
Durchhalte- und Propaganda-Artikel veröffentlichte wurde zwar bereits
1962 mit dem Vorwurf konforntiert, ein Handlager des NS-Systems und ein
Schreiibtischtäter gewesen zu sein konfrontiert. Da die Vorwürfe
zuerst aber aus der DDR stammten, wurden Sie in der Bundesrepublik nicht
ernst genommen. Auch das vehemente und mutige Eintreten der Eltern von
Karlrobert Kreiten für Gerechtigkeit bleibt nahezu unbeachtet. Erst
Mitte der 80er Jahre geriet Höfers journalistische Nazi-Vergangenheit
nachhaltig in die öffentliche Diskussion. Nach hartnäckigem
Leugnen, der groben Verharmlosung seiner propagandistischen Tätigkeit
im Dritten Reich und letztendlich wegen des schändlichen Artikels
zum Unrechts- und Terrorurteil gegen Karlrobert Kreiten musste er seinen
Abschied nehmen und wurde der "Internationale Frühschoppen",
eine Institution des deutschen Rundfunks im Dezember 1987 abgesetzt. Rechtlich
wird der Träger des Bundesverdienstkreuzes und vieler namhafter journalistischer
Preise nicht zur Rechenschaft gezogen. Auch die eigentlichen Denunziantinnen
kommen rechtlich ungeschoren davon, auch wenn eine von Ihnen noch vor
Kriegsende zu Tode kommt. Quellen: Lambart, Friedrich (Hrsg.) (1988): Tod eines Pianisten. Karlrobert Kreiten und der Fall Höfer. Berlin: Edition Hentrich. Webprojekt: In Erinnerung an Karlrobert Kreiten (1916 - 1943)
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Copyright De-Media.de 2002, Letzte Aktualisierung 20.06.2004 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||