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Gustav Heinemann
Gustav Heinemann nahm nach dem Notabitur am Zweiten Weltkrieg teil. 1918-1921 studierte er Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichte in Münster, Marburg, München, Göttingen und Berlin und schloss 1926 seinem Studium eine Promotion zum Dr.rer.pol.an. Ab 1926 vervollkommnte er seine juristische Ausbildung und war danach in einer renommierten Anwaltskanzlei in Essen tätig. Gleichzeitig arbeitete er als Justiziar und Prokurist bei den Rheinischen Stahlwerken in Essen. 1936 stieg er zum Vorstand des Stahlkonzerns auf. Während der nationalsozialistischen Zeit wurde Heinemann zum Mitbegründer des Widerstandskreises der Bekennenden Kirche. 1945-1967 war er Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche des Rheinlandes und der Evangelischen Kirche in Deutschland und von 1949-1955 Präses der Synode der Evangelischen Kirchen Deutschlands. Nach 1945 wurde er von den Alliierten zum Oberbürgermeister von Essen ernannt. In diesem Amt wurde er bei der ersten Kommunalwahl in NRW bestätigt. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der CDU in Essen und wurde 1947 vom damaligen Ministerpräsidenten Karl Arnold zum Justizminister von Nordrhein-Westfalen berufen. Im ersten Kabinett Adenauer war Heinemann Bundesinnenminister, aber schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt verließ er 1949 den Posten wieder. Er protestierte damit gegen das Verhalten von Adenauer, der ohne Wissen des Kabinetts den Westmächten eine deutsche Wehrbeteiligung offeriert hatte. Er trat aus der CDU aus und gründete 1951 die "Notgemeinschaft für den Frieden". Aus dieser ging 1952 die "Gesamtdeutsche Volkspartei" (GVP) hervor, die sich aber bereits 1957 wieder auflöste. Im selben Jahr trat er der SPD bei und war ab Herbst 1957 wieder Mitglied des Bundestages. Er kritisierte die Politk Adenauers, die seiner Meinung nach eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten unmöglich mache. Kurz nach dem Mauerbau erklärte Heinemann: Am Brandenburger Tor habe Adenauer die Antwort auf seine Deutschlandpolitik bekommen. Nach der Spiegel-Affäre vertrat Heinemann als Rechtsanwalt die Zeitschrift "Der Spiegel" vor Gericht. In der Position des Bundesjustizministers, während der großen Koalition, gelang ihm die große Justizreform. Ein großes Anliegen von ihm war die Beseitigung der Verjährungsfrist von Morden, besonders bei NS-Verbrechen. Nach dem vorzeitigen Rücktritt Lübkes wurde Heinemann im März 1969 im dritten Wahlgang zum ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten der BRD gewählt. Auch in dieser Position änderte er seine Haltung gegenüber der Bundeswehr nicht, die sich seiner Meinung nach in Frage stellen müsse. Die Ostpolitik Willy Brandts unterstützte er dagegen mit Nachdruck. Aus Altersgründen kandidierte er 1974 nicht mehr. Durch seine bescheidene und bürgernahe Haltung war er sehr beliebt in der Bevölkerung. Er versuchte die Menschen zum demokratischen Engagement und zum kritischen Nachdenken anzuregen.
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