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Friedrich Harkort
"Der Vater des Ruhrgebietes".

Friedrich Harkot

Die Industrialisierung in Westfalen und damit auch die Entstehung des "Ruhrgebiets" verdankt wesentliche Impulse dem westfälischen Industriepionier Friedrich Harkort. Der "Vater des Ruhrgebiets" wurde am 22. Februar 1793 als Sohn des Kaufmanns und Gutsbesitzers Johann Kaspar Harkort und seiner Ehefrau Henriette auf Haus Harkorten in dem heutigen Stadtteil Hagen-Haspe geboren. Seine höhere Schulbildung erhielt er auf der neuen und angesehenen Gewerbe-Schule in Hagen, die nur Kinder der kaufmännischen Oberschicht besuchten.

Im Alter von fünfzehn Jahren begann er eine kaufmännische Lehre. Doch stellte sich bald heraus, dass seine Interessen weniger dem kaufmännischen als dem technisch konstruktiven Bereich galten.
Seine ersten unternehmerischen Versuche mit dem Betrieb eines Kupferhammers und einer Gerberei auf dem elterlichen Hof endeten allerdings mit einem finanziellen Fehlschlag, dem jedoch noch zahlreiche weitere folgen sollten. Anhand von einschlägigen Zeitschriften und Büchern aus England hatte Harkort sich zwischenzeitlich aber über den Stand der dortigen Mechanisierung und Industrialisierung informiert. Gemeinsam mit dem Elberfelder Kaufmann, der die Finanzierung übernahm, gründete er auf dem am 28. Oktober 1818 angekauften Gelände der ehemaligen Burg in Wetter an der Ruhr die "Mechanische Werkstätte Harkort & Co." Es war dies das erste Eisenindustrie-Werk in Westfalen. Trotz der Probleme, die es mit den Arbeitern gab, standen die in Wetter hergestellten Maschinen denjenigen in England produzierten in nichts nach und die in Wetter hergestellten Produkte waren in näherer und weiterer Umgebung sehr begehrt. 1826 führte er in seinem nach englischen Vorbildern gebauten Puddel- und Walzwerk das Puddelverfahren ein. Nach dem Muster von Harkorts Fabrik wurden bald darauf in der Umgebung weitere Eisengießereien, Puddel- und Walzwerke, Maschinen- und Dampfkesselfabriken errichtet. Harkort hatte nämlich der Konkurrenz ohne Einschränkungen erlaubt, seine Produktionsstätten aufzusuchen und sich so das Fachwissen auf Kosten Harkorts anzueignen. Doch das störte ihn nicht. Er war nämlich der Meinung, dass ihn die Natur zum Anregen geschaffen habe. Das Ausbeuten wolle er anderen überlassen. Nach diesem Motto handelte er zeitlebens. Wegen zunehmender Verluste aus der "Mechanischen Werkstätte" in Wetter schied er aber 1834 aus dem Unternehmen aus. Ein Grund war auch, dass Harkort sich nicht mehr genügend um den Betrieb kümmerte, da er ständig neue Ideen verfolgte. Auch die anderen von ihm gegründeten Fabriken mussten alle auf Grund wirtschaftlicher Misserfolge innerhalb kürzester Zeit wieder geschlossen werden.

Harkortsche Fabrik auf der Burg Wetter

So wandte er sich auch bald mehr und mehr von dem Bereich "Eisenindustrie" ab und stattdessen dem Bau von Eisenbahnen und Dampfschiffen zu. Er erkannte und propagierte als Erster in Deutschland seit Mitte der 1820er-Jahre die wirtschaftlichen Vorteile und das Zukunftspotenzial der Eisenbahn als Massengüter-Transportmittel. So entwickelte er auch das Modell einer von Pferden gezogenen Schienenbahn. Auf seine Anregung hin wurde dann die erste im Bergbau angelegte größere Schmalspurkohlenbahn in Betrieb genommen. Die wirksamste Werbung für den Bau von Eisenbahnen im Allgemeinen war jedoch seine Schrift "Die Eisenbahn von Minden nach Köln", die im Jahr 1833 erschien. Darin lieferte er auch den fertigen Plan für den Bau einer Eisenbahnlinie von Elberfeld über Hagen nach Dortmund. Nach diesem Plan ist dann von 1844 bis 1848 die Bergisch-Märkische Eisenbahn gebaut worden. Das Eisenbahnwesen, nicht nur in Westfalen, sondern in ganz Deutschland, verdankt somit seine Entstehung und Entwicklung im Wesentlichen der Informations- und Werbetätigkeit von Friedrich Harkort.
Dasselbe gilt für die Dampfschifffahrt. Da Harkorts Eisenbahnprojekte zunächst nicht verwirklicht wurden, wollte er wenigstens die Transportverhältnisse auf dem Wasser verbessern, wie es schon in England geschehen war. Bis zu diesem Zeitpunkt benutzte man hier auf den Flüssen noch Segelschiffe oder von Pferdegespannen auf Treidelpfaden gezogene Lastkähne. Harkort ließ von einer Duisburger Werft ein kleines Dampfschiff herstellen, das trotz vieler Schwierigkeiten den Rhein abwärts bis Minden fuhr. Es war eine weitere seiner Pionierleistungen. Große öffentliche Anerkennung brachte ihm auch der Bau des ersten Rhein-See-Schiffes ein. Der Kauf bzw. Bau von zwei weiteren Schiffen führte ihn dann aber wieder in den Bankrott.
Alle Projekte und technischen Neuerungen im Einzelnen aufzuführen, mit denen sich Harkort beschäftigt hat, würde den hier gesetzten Rahmen sprengen. Was allerdings noch erwähnt werden muss, ist seine Tätigkeit als - anfangs gemäßigt-, später mehr fortschrittlich-liberal eingestellter - Politiker, Sozialreformer und Publizist. Seine politische Laufbahn begann er 1823 als ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Wetter in der damaligen Mairie Herdecke. Weitere Stationen waren Kreistagsabgeordneter, Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags und Abgeordneter der konstituierenden preußischen Nationalversammlung. Von 1871 bis 1874 saß er als Vertreter des Wahlkreises Hagen im ersten Deutschen Reichstag. Schwerpunkte seines Wirkens waren Verkehrsangelegenheiten und Wirtschaftspolitik sowie Schul- und Bildungsfragen. Vor allem aber auch die Verbesserung der Situation der Fabrikarbeiterschaft bzw. die Lösung der sozialen Frage lagen ihm am Herzen. Ein Teil seiner damals aufgestellten sozialpolitischen Forderungen wurden noch zu seinen Lebzeiten verwirklicht, andere mussten länger auf ihre Realisierung warten. Friedrich Harkort starb hoch geachtet am 8. März 1880 in Dortmund-Hombruch.

Margrit Sollbach-Papeler

Literatur:
Louis Berger: Der alte Harkort. Ein westfälisches Lebens- und Zeitbild. Leipzig 1890 u. ö.
Wolfgang Köllmann: Friedrich Harkort. Bd. 1, 1793-1838. Düsseldorf 1964.
Ders.: Friedrich Harkort; in: Historia socialis et oeconomia. Festschr. Für Wolfgang Zorn, hg. v. H. Kellenbenz und H. Pohl. Stuttgart 1987, S. 278-292.
Aloys Meister: Friedrich Harkort (1793-1880); in: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Bd. 1. Münster 1931, S. 38-72.
Margrit Sollbach-Papeler, Der Vater des Ruhrgebietes. In: Geschichte. Das Magazin für Kultur und Geschichte. Nr. 2/1993, 19. Jahrg., S. 30-3.

     
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