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1850-1857
Clara Schumanns Düsseldorfer Jahre

 
Clara Schumann (1819-1896).

Zu den herausragenden Musikgestalten des 19. Jahrhunderts gehört ohne jeden Zweifel Clara Schumann. In den Jahren 1850 bis 1857 lebte sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Dort kamen auch die beiden jüngsten ihrer 8 Kinder zur Welt. Zu ihrer Zeit war sie die bei weitem überragende Pianistin und Interpretin der Werke ihres bereits 1856 verstorbenen Mannes Robert Schumann. Sie war auch als Komponistin und Herausgeberin bedeutend und arbeitete als erfolgreiche Musikpädagogin und Lehrerin.

Geboren wurde sie am 13. September 1819 als Clara Josephine Wieck in Leipzig. Es zeigte sich sehr früh eine außerordentliche musikalische Begabung. Von ihrem ehrgeizigen Vater, dem Musikalienhändler Friedrich Wieck, wurde sie musikalisch ausgebildet. Am 20. Oktober 1828 gab sie ihren ersten öffentlichen Konzertauftritt im Leipziger Gewandhaus. In der Folge absolvierte sie viele erfolgreiche Konzertauftritte und -reisen. Sie galt als Wunderkind. Bereits mit 10 Jahren führte sie auch erfolgreich eigene Kompositionen auf. Clara Wieck kam im Laufe ihrer steilen Karriere mit vielen berühmten Persönlichkeiten ihrer Zeit in Kontakt, u.a. Paganini, Chopin, Liszt, Wagner, Mendelsohn-Bartholdy und später in ihrer Düsseldorfer Zeit mit dem jungen Brahms, mit dem sie zeitlebens eine enge Freundschaft pflegte. 1831 kam es bei einem Konzert zur Begegnung mit dem greisen Goethe.

Ihr Leben war seit 1830 schicksalhaft mit dem Robert Schumanns verbunden, der in diesem Jahr Klavierunterricht bei Claras Vater aufnahm und im Hause Wiek auch längere Zeit wohnte. Als die herangewachsene Clara und Robert Schumann heiraten wollten, stößt das auf erbitterten Widerstand von Friedrich Wiek. Erst nach einem langwierigen Gerichtsprozeß erstritten beide im Juli 1840 das Heiratsrecht. Am 12. September 1840 heiratete Clara Wiek dann endlich Robert Schumann.

Nach wechselvollen Jahren erhielt Robert Schumann 1850 das Angebot, städtischer Musikdirektor in Düsseldorf zu werden. Beide verbanden mit dieser Aufgabe in der aufstrebenden Stadt am Rhein große Hoffnungen. Bald aber stellte sich die Entscheidung für Düsseldorf als große Fehlentscheidung heraus. Robert Schumann erfüllte die Alltagsaufgaben eines Musikdirektors als Dirigent und Chorleiter ohne große Liebe. Zudem überwarf er sich schnell mit den einflußreichen Vertretern der Stadt und des städtischen Musiklebens. Auch machte sich bald eine chronische Krankheit bemerkbar, die sich später als unheilbare Geisteskrankheit entpuppt. Sie endete mit einem verzweifelten Selbstmordversuch 1853 und einer nachfolgenden Einweisung in eine Heilanstalt in Endenich bei Bonn, wo Robert Schumann 1856 starb.

Lange Zeit stand Clara Schumann ganz im Schatten des musikalischen Genies ihres Mannes. Aufopferungsvoll widmete sie ihre Energie seiner Karriere und steckte eigene Ziele zurück. Besonders während der Jahre in Düsseldorf wurde sie bis an die Grenze des Möglichen belastet. Nach dem Tod ihres Mannes knüpfte sie als Pianistin an ihre frühen Erfolge an und setzte eine außergewöhnliche Karriere fort, die sie weit über Deutschland hinaus bekannt machte.

Clara Schumann trat als Komponistin überwiegend mit Klavierwerken und Vokalmusik in Erscheinung. Zwei Orchesterwerke sind verschollen. Verschiedene Kompositionen kommen nicht zur Veröffentlichung.
Die letzten veröffentlichten Werke Op. 20-23 entstanden in der Düsseldorfer Zeit 1853-56:

  • Op. 20 Variationen für Pianoforte über ein Thema von Robert Schumann (Juni 1853)
  • Op. 21 Drei Romanzen für Pianoforte (1853)
  • Op. 22 Drei Romanzen für Pianoforte und Violine (1853)
  • Op. 23 Sechs Lieder aus Jucunde von Hermann Rollet (Juni 1853)

Nur ein gemeinsames Werk mit Robert Schumann, die Lieder aus Rückerts Liebesfrühling, werden populär. 1857 zog Clara Schumann mit ihrer Familie nach Berlin. Mit dem Rheinland blieb sie durch persönliche Kontakte und verschiedene Konzertauftritte, so z.B. bei den rheinischen Musikfesten 1873 und 1880, verbunden.

Clara Schumann führte ein rastloses Konzertleben, das sie durch fast alle wichtigen europäischen Konzertstätten führte. Nach ihrem 60. Bühnenjubiläum beendete sie 1888 ihre Konzertreisetätigkeit. Clara Schumann starb am 20. Mai 1896 in Frankfurt, ihrem Wohnort während ihrer letzten Lebensjahre. Am 24. Mai 1896 wurde sie in Bonn beerdigt, wo auch ihr Mann begraben liegt.

 
   

Ihr Wirken als Pianistin, Komponistin, Herausgeberin und Lehrerin ist für das 19. Jahrhundert von außerordentlicher Bedeutung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten standen neben den Werken Robert Schumanns, die von Frederic Chopin und Johannes Brahms. Seit 1988 ziert ihr Bild die Vorderseite des 100.- DM-Scheins. Einer ihrer berühmten Konzertflügel ist auf der Rückseite abgebildet.

Quelle 1: Bild aus Düsseldorfer Zeit (1857)
Quelle 2: Notenbeispiel Op. 20-23
Quelle 3: Generalanzeiger Bonn 23. Mai 1896 : Nachruf auf Clara Schumann


Robert Schumann


Das Heinrich-Heine-Institut beherbergt auch das Schumann-Archiv mit zahlreichen Briefen etc. von Clara Schumann.
Website des Instituts:

http://www.duesseldorf.de/kultur/heineinstitut/fraset2.htm

Literatur:
Nancy B. Reich: Clara Schumann. Romantik als Schicksal. Reinbek 1993: rororo
Clara Schumann 1819-1896: Katalog zur Ausstellung des Stadtmuseums Bonn und des Robert-Schumann-Hauses Zwickau in Verbindung mit dem Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf aus Anlaß des 100. Todestages von Clara Schumann. Bonn 1996: Stadtmuseum.
Robert und Clara Schumann Dokumente zum Düsseldorfer Musikleben. Ausstellungskatalog des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf, 1976.
Paul Kast (Hg.) Schumanns rheinische Jahre. 1981, Veröffentlichungen des Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf (Neuauflage 1989).

     
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