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1889
Bis zum Jahr 1889 hatten die Arbeiter in der Rheinprovinz so gut wie keine Streikerfahrung: es gab nur vereinzelte, unorganisierte Arbeitsniederlegung ohne größeren Effekt. Der Montanbereich war kaum daran beteiligt gewesen, sondern es handelte sich um Aktionen von Handwerkern. In den 1870er Jahren begann im Ruhrgebiet eine Entwicklung, die besonders die Arbeiter im Bergbau zu Massenstreiks führen sollte. Trotz großer Gewinne der Zechenbeitzer hatte sich die Situation der Bergarbeiter verschlechtert: willkürliche Verlängerungen der Schichtzeiten und geringe Löhne sollten nicht mehr hingenommen werden. Zur Konfliktlösung wurden zunächst Eingaben an das Oberbergamt gemacht und 1867 eine von über 3.000 Bergleuten aus Essen unterschriebene Petition an den Kaiser Wilhelm I., den obersten Bergherren, gerichtet. Die Wirkung war enttäuschend: die Regierung erklärte sich schlicht für nicht zuständig. Die Streikbereitschaft der Bergleute wuchs. 1872 kam es zum ersten größeren Streik und 1889 kulminierten die sozialen Spannungen zu dem bislang größten und Aufsehen erregenden Streik der Bergarbeiter im Revier. Dieser große Streik, bei dem bis zu 90 % der Bergmänner ihre Arbeit spontan niederlegten, ging von Bochum schnell wie ein Lauffeuer auf das ganze Ruhrgebiet über. Der relativ unbedeutenden Änderungen, die durch den Streik erreicht werden konnten, die zumindest erstmals eine Beschneidung der unternehmerischen Rechte bedeuteten, zeigten schnell, das eine einheitliche Organisation der Bergleute notwendig war und führte zum Durchbruch für eine gewerkschaftliche Entwicklung.
Die Bemühungen der Bergarbeiter führten nach einem weiteren Streik 1905 zu einer Novelle im Berggesetz. Die neu geschaffenen Rahmenbedingungen beinhalteten u.a. eine Arbeitszeitbegrenzung auf 8 1/2 Stunden am Tag und die obligatorische Einrichtung von Bergarbeitervertretungen. Während also die Regierung bereit war, auf die Forderungen der Bergarbeiter einzugehen, zeigten sich die Unternehmer nicht kompromißbereit, sondern lehnten jedes Entgegenkommen ab und sorgten mit sogenannten Schwarzen Listen dafür, das mißliebige Bergleute keine Arbeit mehr fanden. 1912 gab es noch einen weiteren Streik der Bergarbeiter, der zeigte, dass die Arbeiterorganisationen an Rhein und Ruhr ihren Vertretungsanspruch für die Interessen der Arbeiterschaft durchsetzen wollte. Dies gelang aber erst während des Ersten Weltkrieges. Literatur:
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